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Hieronymus Bosch, Das Narrenschiff, ca. 1500-10, Paris, Musée du Louvre, Département des Peintures.
© Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Der teuflische Fagottist

© (2) Foto Rik Klein, Gotink, Bildbearbeitung Robert G. Erdmann für Bosch Research and Conservation Project.

Hieronymus Bosch, Höllenlandschaft, Privatsammlung.

© Het Noordbrabants Museum / Photo Scala, Florence

Jacques Le Boucq, Porträt Hieronymus Bosch, ca. 1550, Arras, Bibliothèque Municipale

© Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Hieronymus Bosch, Detail aus dem Weltgerichtstriptychon – das Jüngste Gericht: Christus als Weltenrichter

 
Leben 15. Februar 2016

Frivolität und himmlisches Heil

Vor 500 Jahren starb der niederländische Maler Hieronymus Bosch. Eines seiner beeindruckendsten Bilder findet sich – immer noch als Geheimtipp – in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Das Noordbrabants Museum in Den Bosch ehrt Hieronymus Bosch zum 500. Todesjahr mit der Ausstellung „Jheronimus Bosch – Visionen eines Genies“. Sein Werk ist nicht sehr umfangreich, aber bildgewaltig, wie die hier gezeigten etwa 20 Gemälde und 19 Zeichnungen belegen. Wer nicht dorthin reisen kann, dem sei aus diesem Anlass ein Besuch des Weltgerichtstriptychons in der Akademie der bildenden Künste in Wien empfohlen.

Wenig Biographisches ist über ihn bekannt, nur soviel, dass er seine Heimatstadt s`Hertogenbosch äußerst selten verlassen hat. Tuchmacher, Glockengießer und Orgelbauer waren hier ansässig. Boschs Vaterstadt gehörte neben Brüssel, Antwerpen und Löwen (heute besser bekannt unter seinem niederländischen Namen Leuven) zu den wohlhabendsten Städten im Herzogtum Brabant. Über seine Ausbildung zum Künstler kann man nur mutmaßen, da schriftliche Zeugnisse fehlen. Schon sein Großvater Jan van Aken (von Aachen) war Maler; ebenso Boschs Vater Antonius van Aken. Sein Geburtsdatum ist unbekannt, sein Name erscheint indes um 1486 erstmals im Verzeichnis der Bruderschaft „Unserer Lieben Frau“, der er zeit seines Lebens angehörte. Dort findet sich auch der Beleg für seinen Tod im Jahr 1516.

Zunächst arbeitete Bosch im Stil seiner Zeit, wobei stilistische Einflüsse etwa Rogier van der Weydens oder auch Hans Memlings erkennbar sind. Memling behandelt etwa das Thema des Jüngsten Gerichts in seinem Triptychon konventioneller als dies bei Bosch der Fall ist. Dieser verlieh seinen Sujets eine größere Lebendigkeit, was sich bereits in seinem Frühwerk erkennen lässt. Die Buchmalerei seiner Zeit mag ihn ebenfalls beeinflusst haben.

Verschlüsselte Bildsprache

Die Umsetzung der neutestamentarischen Themen wirkt bei Bosch wie aus dem Leben gegriffen. Detailreich wird das Geschehen festgehalten, wie etwa in der „Hochzeit zu Kana“. Bildhaft dargestellt ist hier der Gegensatz des bis an Frivolität grenzenden weltlichen Treibens und des dadurch drohenden Verlustes des himmlisch-ewigen Heils.

Selten sind die Werke signiert, eine geringe Anzahl von etwa 25 Bildern – darunter manche nur fragmentarisch erhalten –- stammt zweifelsfrei von ihm. Bosch hat in seinen Bildern den Menschen seiner Zeit den Spiegel vorgehalten, ob auf der im Museo del Prado in Madrid befindlichen Tischplatte mit Darstellungen der sieben Hauptsünden und der vier letzten Dinge, oder in seinen berühmten Triptychen. Er war mit den alt- und neutestamentarischen Themen bestens vertraut. Auch Dantes Inferno als literarische Beschreibung der Hölle vom Beginn des 15. Jahrhunderts war ihm vermutlich bekannt. Als Mensch des Mittelalters war er mit den drastischen Darstellungen angsteinflößender Ungeheuer und Dämonen wohl vertraut. 1486 erschien zudem erstmals das von den beiden Dominikanern Heinrich Kramer und Jakob Sprenger verfasste berüchtigte Werk „Malleus Meleficorum“, wo es von angeblichen teuflischen Ausgeburten nur so wimmelt. Aberglaube, Sprichwörter und Redensarten mögen ebenfalls Inspiration gewesen sein.

Das Weltgerichtstriptychon

Eines seiner bekanntesten Meisterwerke befindet sich in der Sammlung der Akademie der bildenden Künste in Wien. Dieses wahrhaft meisterhafte Triptychon ist mit seiner Höllendarstellung bis heute unübertroffen. Alptraumhafte Gebilde und groteske Mischwesen bevölkern Boschs Höllen-Universum als Ausdruck seiner überbordend lebhaften Vorstellungsgabe. Diese Hölle ist wahrlich ein Ort des Schreckens. Selbst der heutige Betrachter bleibt nicht unberührt von diesem Pandämonium. Das effektvoll grotesk-grausige Treiben stößt gleichsam ab und fasziniert.

Nun war Bosch nicht der Einzige, der ganze Dämonenregimenter aufmarschieren ließ, einige seiner Zeitgenossen beherrschten das Szenario des Schreckens ebenso, wenngleich nicht so virtuos wie der Meister selbst. Auf dem Triptychon, das links den Sündenfall Adam und Evas und ihre Vertreibung aus dem Paradies zeigt, ist wenig Hoffnung oder Erlösung Verheißendes dargestellt. Der Erlöser auf der mittleren Tafel wirkt dem Geschehen sehr weit entrückt; die Erde ist nunmehr gänzlich die Wirkungsstätte des Höllenfürsten, der auf der rechten Tafel im unteren Eck Hof hält. Nur wenige Seelen werden aus der ewigen Verdammnis gerettet, die meisten leiden Höllenqualen.

Satan, Teufel, Luzifer

Dämonen in unterschiedlichster Form gibt es in allen Kulturen, manche konnte man sich dem Aberglauben nach dienstbar machen, andere mied man besser. Die Dämonologie ist als alter Wissenszweig sehr weit verbreitet. Obwohl auch bereits in vorchristlicher Zeit und im Alten Testament das Heer der Dämonen beträchtlich war, gab es dennoch über Jahrhunderte keinen alleinigen Höllenfürsten, der diese unheilvollen Scharen befehligte. Abgesehen davon kennt das Judentum gar keine Hölle. Satan wurde zunächst noch als Diener Gottes bezeichnet und erst später zu dessen Widersacher.

Die Hölle als Ort der Verdammnis gab es auch im Urchristentum noch nicht; ihr tatsächlicher Ursprung bleibt undurchsichtig. Als sie sich etabliert hatte, war ein Gebieter vonnöten. Aber wer ist nun wirklich der Höllenfürst und herrscht über die Scharen an Dämonen? Luzifer, der gefallene Engel, für den die Tür ins Reich Gottes trotz seiner Anmaßung immer noch offensteht? Vielleicht Satan als Dämon des Alten Testaments? Oder ist es gar der Teufel, der ebenfalls mit im Spiel um die Höllenmacht ist? Boschs Triptychon gibt darauf keine Antwort. Seine religiös-spirituelle Sicht der Welt ist jedoch eine nahezu hoffnungslose, die zeigt, wie sehr die Zeiten damals im Umbruch waren. Auch die beiden Heiligen auf den Außenflügeln des Triptychons, der hl. Jakobus von Compostela und der hl. Bavo von Gent blicken in sich gekehrt. Fast so, als hätten sie eine düstere Vorahnung vom Ende aller Dinge.

Ausstellungsdauer: bis 8. Mai 2016

www.hnbm.nl

www.akademiegalerie.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 7/2016

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