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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 1. Februar 2016

Fusion-Clinic

Die Zusammenlegung von Krankenanstalten mag Beschäftigte beunruhigen. Doch der Trend zur Fusionierung wird anhalten.

Fusion is „in“. Nicht nur in der Küche schwärmt man vom Fusion-Food, also das Zusammenschmelzen unterschiedlicher exotischer Speisen zu einem neuen Gericht. Die Vermischung regionaler und internationaler Küche erschafft schmackhafte neue Klassiker wie „Fiaker-Gulasch mit Fächergurkerl aus der Seegurke in Tofu-Ingwer-Sauce“, „Blunzengröstl aus dem Blut der südamerikanischen Schnepfe an Mango- Chutney“ oder „Original Wiener Apfelstrudel aus frischen Rossäpfeln in Algenblätter gewickelt“.

Man fusioniert mit großer Leidenschaft, auch Firmen, sodass es letztlich auf der ganzen Welt nur mehr zwei Pharmaunternehmen gibt, bis diese, durch forcierte Fusion, in einem einzigen großen Konzern verschmelzen, sich in einen roten Riesen verwandeln, bis nur mehr ein schwarzes Loch bleibt. Auch bei Spitälern denkt man über Zusammenlegungen von Abteilungen nach. Das ist klar, denn es macht wenig Sinn, wenn in einer Straße drei Schwerpunktkrankenhäuser zur Behandlung des Tinnitus existieren, die sich um zwei Patienten streiten. Auf der anderen Seite ist es fraglich, ob einem Patienten aus Vorarlberg mit Reisekrankheit gedient ist, dreimal wöchentlich ins „Zentrum zur Bekämpfung von Reisekrankheit“ nach Wien fahren zu müssen.

Auch wenn es Patienten klarerweise begrüßen würden, alle Wehwehchen, vom gemeinen Schnupfen bis hin zur perfiden Orphan-Disease, in Gehnähe zu ihrem Wohnsitz behandeln lassen zu können, ist vielen nicht klar, dass auch Krankenhäuser ökonomisch agieren müssen. Es geht hier, wie es heißt, um eine medizinisch und wirtschaftlich sinnvolle Größe, um die Standorte langfristig abzusichern. Wie die in Österreich so beliebten „Regionen“, bei denen ein Dutzend verschlafene Gemeinden zur „Fuchs-und-Hase-Gute-Nacht-Erlebniswelt“ zusammenwachsen, ist es natürlich sinnvoll, wenn sich Krankenanstalten thematisch kurzschließen.

Anfang 2016 fusionierten die Spitäler Zell am See und Mittersill zum „Tauernklinikum“. So ein Name mit alpin-abenteuerlichem Touch zieht natürlich mehr Gäste an, als ein profanes „allgemein öffentliches Krankenhaus“. Das Wiener Spitalskonzept sieht ebenfalls vor, die Angebote zu optimieren. So sollen die sechs großen Gemeindespitäler des KAV zu einem Wiener Erlebnispfad der besonderen Art zusammengeschlossen werden. Die Dritte Mann-Herpes-Tour führt direkt in das STD-Center, die Arbeiterstrandbad-Schwerpunkt-Ambulanz behandelt Pilzerkrankungen, die man sich beim nächsten Besuch im Arbeiterstrandbad wieder auffrischen kann, in der Wiener-Eistraum-Notaufnahme sind alle Unfallabteilungen vereint, um Unterarmfrakturen einzugipsen, während das Hütteldorfer St. Rapid-Hospital auf gebrochene Nasenbeine spezialisiert ist. In Tirol freut man sich über das Andreas-Hofer-Zentrum zur Therapie angeschossener Schützen und in Kärnten werden alle Spitäler zur zweisprachigen Jörg-Haider-Memorial-Clinic fusioniert. Wir dürfen also auf exotische Fusionen gespannt sein.

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