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© 1973 Danjaq, LLC and United Artists Corporation
James Bond, verkörpert von Sean Connery, mit seinem Aston Martin DB5, während der Dreharbeiten zu „Goldfinger“ (1964) auf dem Furka Pass in der Schweiz.
© 2015 Danjaq, LLC, United Artists

Bond (Daniel Craig) im Aston Martin DB10, verfolgt von hartnäckigen Widersachern.

© 2002 Danjaq, LLC and United Artists Corporation.

Entspannung muss sein: Bond (Pierce Brosnan) beim Reinigen seiner Walther PPK während Lee Tamahori eine weitere Einstellung für „Die Another Day“ (2002) vorbereitet.

© 1973 Danjaq, LLC and United Artists Corporation

Roger Moore als James Bond am Set von „Live and Let Die“ (1973).

 
Leben 23. Dezember 2015

Ein Mann für alle Fälle

Dieser Mann hat keine Freunde – aber immer einen Auftrag. Sein Name: Bond, James Bond. Das neueste Abenteuer, das Daniel Craig in „Spectre“ zu bestehen hat, ist Anlass genug, sich dem Mythos rund um den Geheimagenten anzunähern.

Ian Fleming schuf James Bond als Protagonisten eines Agentenepos, das seinen Ursprung in der Zeit des Kalten Krieges hat. Gewürzt mit einer kräftigen Prise Jet-Set und Playboy-Allüren ist Geheimagent 007 seit Jahrzehnten auf der Kinoleinwand präsent. Mit wechselndem Charisma seiner Darsteller.

Über seine Vergangenheit ist wenig bekannt, obwohl Autor Ian Fleming seinem weltberühmten Agenten, der in 14 Originalausgaben spektakuläre Abenteuer erlebt, tatsächlich ein paar dürre biographische Fakten auf den fiktiven Lebensweg mitgegeben hat: Kindheit im Nachkriegsdeutschland, die Eltern bei einem Alpinunfall ums Leben gekommen. Als Eton-Zögling und danach am schottischen Fettes College bekam der junge Bond alles mit, was man als Gentleman-Agent im späteren Leben so braucht: beste Manieren und ein exzellentes Gespür dafür, wann eine Situation lebensgefährlich werden kann.

Der Mann besitzt – soviel ist klar – nicht nur Courage sondern auch Klasse. Er brilliert als charmanter Verführer und läßt sich gerne von gefährlich attraktiven Frauen umgarnen. Wenn es aber darauf ankommt, ist er ein tödlicher Gegner. Die Missionen, die er zu erfüllen hat, sind dementsprechend heikel, und natürlich ist 007 als Special-Agent des britischen Geheimdienstes MI6 dabei immer undercover unterwegs.

1962 erfolgte mit „Dr. No“ die erste Kino-Adaption von Jan Flemings literarischer Vorlage. Bislang folgten, inklusive des jüngst in die Kinos gekommenen „Spectre“, 24 filmische Umsetzungen, für die nach dem Tod Ian Flemmings 1964 von autorisierten Autoren die Romanvorlagen geschaffen wurden. Namenspate war übrigens der amerikanische Ornithologe James Bond, auf den der Hobby-Vogelkundler Ian Fleming eher durch Zufall auf der Suche nach einem möglichst simplen Namen für seine Hauptfigur stieß. Mit ein wesentlicher Grund für den anhaltenden Erfolg der Bond-Serie sind auch die von Produkt Designer Ken Adam geschaffenen Interieurs: Sie prägen stilistisch einige der richtungsweisenden Bond-Verfilmungen durch ihre unnachahmliche räumliche Atmosphäre.

Ein Mann und seine Mission

Bond, so will es sein von Anfang an gepflegter Mythos, ist ein Einzelkämpfer. Zwar hat er mit „M“ als Chef des MI6 und dem legendären „Q“ (steht für „Quartermaster“) der fiktiven Abteilung für Forschung und Entwicklung des British Secret Service sowie einigen anderen Vertrauten Mitstreiter, aber an vorderster Front steht er allein. Machtspiele und Intrigen umgeben ihn, die Anzahl äußerst heikler Situationen, aus denen er sich befreien muss, ist hoch. Und noch eins: Die Doppelnull vor der legendären Sieben bedeutet, dass er die Lizenz zum Töten hat und seine Gegner deshalb nicht auf Gnade hoffen können.

James Bond ist in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich, versteht aber, in mondäner Gesellschaft zu brillieren. Er ist ein Alleskönner, der mit den von „Q“ entwickelten Gadgets immer wieder seine Widersacher schachmatt setzt. Die sind in der Überzahl männlich, nur in den seltensten Fällen ist es eine Frau, die Bond als Gegnerin gegenüber tritt. In „From Russia with Love“ war es Lotte Lenya in der Rolle von Colonel Rosa Klebb, erst in einigen späteren literarischen Fortführungen des Themas spielen auch Frauen Bonds Gegner.

Die schönen Dinge des Lebens

Für attraktive, rätselhafte Frauen hat Bond eine große Schwäche, die wird ihm oft beinahe zum Verhängnis. Die Leidenschaft zu sportlich-eleganten Automobilen begleitet 007 von Anfang an: Zunächst ist es ein offener Bentley, doch bald schon sieht man den berühmten Geheimagenten in luxuriösen oder sportlichen Fahrzeugen, wie er seine Widersacher verfolgt oder ihnen in halsbrecherischer Fahrt entkommt. Über die Jahrzehnte kam so ein wirklich anständiger Film-Fuhrpark zusammen, in dem sich dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend alles fand, was sich mit Bond-eigenem Stil und exzellentem fahrerischem Können in actionreichen Szenen pilotieren ließ.

Da aber Bond Brite ist, stand die Wahl eines sportlichen und zugleich eleganten Automobils britischer Prägung im Mittelpunkt. Image-mäßig kam daher eben nur Aston Martin infrage. Der Einstand erfolgte mit einem DB5 der über einige spezielle Zusatzfunktionen verfügte: Ausfahrbare Maschinengewehre, Reifenschlitzer, eine schusssichere Platte, die automatisch vor der Heckscheibe hochfährt und dem legendären Schleudersitz, der bei Bedarf aktiviert werden konnte. Dieses Modell hielt als Jugendtraum Einzug in den fiktiven Fuhrpark zahlreicher Kinderzimmer.

Aber nicht nur Autos sind die charakteristischen Kennzeichen des smarten Geheimagenten, auch für Uhren hat Bond eine Menge übrig. Im elften Band „On Her Majesty’s Secret Service“ vertraut er einer Rolex Oyster Perpetual; in der Verfilmung von „Dr. No“ ist es eine Rolex Submariner und zwar ganz ohne lebensrettende Zusatzfunktionen. Markentreu war er dabei nicht immer, Zeitmesser verschiedener Uhrenmarken wie etwa Breitling und Seiko trug er ebenfalls am Handgelenk. Seit „Goldeneye“ 1995 ist er – wenn schon nicht den Frauen – so doch Omega treu ergeben. Auf die jeweilige Spezialausstattung müssen einfache Uhrenliebhaber jedoch verzichten.

Bleibt noch die kaum zu beantwortende Frage nach dem beliebtesten Bond Darsteller: Sechs waren es bislang insgesamt, wobei Ur-Bond Sean Connery in der Beliebtheitsskala sehr weit vorne rangiert. Auch Roger Moore konnte punkten, genauso wie Timothy Dalton und Pierce Brosnan. George Lazenby blieb mit nur einem Bond-Auftritt eher glücklos. Daniel Craig schultert seit nunmehr fast zehn Jahren bravourös ein schweres Erbe. Er ist wohl auch der erste, dessen Filmfigur nicht nur mit äußeren Widersachern, sondern auch mit inneren Dämonen zu kämpfen hat. Auch darin ist James Bond immer wieder ein Spiegelbild seiner Zeit.

Thomas Kahler, Ärzte Woche 51/52/2015

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