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© ÖGFA
Karl Schwanzer: Ansicht des Österreichischen Pavillon, Weltausstellung Brüssel, 1958 (aus: Österreich. Weltausstellung Brüssel 1958. Wien 1959)
© Friedrich Kurrent

Lebenslanges Engagement für qualitätvolle Baukultur: ÖGFA- Gründungsmitglied Friedrich Kurrent (rechts) zusammen mit Johannes Spalt im Atelier in der Fuhrmanngasse, Wien

© Maja Wirkus/ÖGFA

Das mitteleuropäische Architekturnetzwerk im Überblick: Ausstellungsansicht „Lifting the Curtain, Venedig

© ÖGFA

Ganz im Zeichen der Moderne: Josef Frank, Entwurf für ein Landhaus, ca. 1928 (aus: Innendekoration 1928)

 
Leben 7. Dezember 2015

Architektur als kulturelles Erbe

Seit 1965 besteht die ÖGFA, die Österreichische Gesellschaft für Architektur. Ihre Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, das architektonische Erbe in Österreich zu bewahren und zeitgenössische Baukultur gezielt durch kritische Diskussion zu fördern.

Vor 50 Jahren wurde die ÖGFA gegründet, an ihrer selbstauferlegten Aufgabenstellung als Teil des Netzwerkes Architekturstiftung Österreich hat sich seither nur wenig geändert.

Mitte der 1960er Jahre fand sich eine Gruppe aus Architekten, bildenden Künstlern und Architekturhistorikern zusammen, um aktiv den Diskurs über österreichische Architektur in Gang zu setzen. Der ignorante Umgang mit wertvoller Bausubstanz, wie etwa der zur damaligen Zeit bereits beabsichtigte Abbruch einiger Stadtbahnstationen Otto Wagners in Wien, war nur eines der zentralen Themen auf der ÖGFA-Agenda. Gleichermaßen wichtig war es, an die große Zeit österreichischer Architektur der Jahre 1900 bis 1934 anzuschließen. Deshalb wurde die Österreichische Gesellschaft für Architektur als Verein gegründet. Die Gründungsmitglieder waren die Architekten Friedrich Kurrent, Traude und Wolfgang Windbrechtinger, Viktor Hufnagl sowie der Architekturkritiker Friedrich Achleitner, die bildende Künstlerin Maria Biljan-Bilger, der Architekturhistoriker Sokratis Dimitriou und der Jurist Wolfgang Gleissner.

Notwendiges Engagement für Architektur

Dass dieser Zusammenschluss auf Vereinsbasis trotz seiner einflussreichen Initiatoren und Fürsprecher bis heute nicht institutionalisiert wurde, hat Vor- und Nachteile. Durch die Vereinsstruktur blieb in den vergangenen 50 Jahren die Unabhängigkeit stets gewahrt. Man musste nicht fürchten, von einer Seite politisch vereinnahmt zu werden. Andererseits beschränkt diese Struktur bis heute personell wie auch finanziell das Engagement der ÖGFA. Mit diesem Dilemma – so scheint es – hat man sich zwar intern bislang arrangiert, dennoch wäre es wünschenswert, dass die für diesen Bereich zuständigen staatlichen Stellen in erheblich größerem Umfang tätig werden. Schließlich ist und bleibt qualitative Baukultur – als kulturelles Erbe Österreichs und Auftrag für die Zukunft verstanden – ein wichtiges und zentrales Anliegen und damit ein wesentliches Investment in die Zukunft von Österreich als immer wieder propagiertes Kulturland.

Das Jubiläumsjahr stand und steht noch im Zentrum einer thematisch lebhaften Auseinandersetzung rund um das Leitthema Architektur und deren spezifische Aufgaben. Dabei wird auch darauf Bezug genommen, dass die österreichische Architektur bis in die 1930er Jahre international verwoben war und damit auch europaweit erheblichen Einfluss ausübte. Um diesen Austausch wieder zu beleben, waren in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Anstrengungen seitens der ÖGFA und ihrer europaweiten Partnerinstitutionen notwendig. Dabei ist auch die regionale Architektur ein wichtiges Anliegen. Vielerorts fiel – so muss man leider immer wieder feststellen – die über Jahrzehnte versuchte Sensibilisierung in Richtung qualitätvolles Bauen nicht auf den gewünschten fruchtbaren Boden. Gleiches gilt oftmals für den Erhalt historischer Bausubstanz und deren Adaption im Zusammenhang mit einer architektonischen Neugestaltung. Obgleich es dafür gelungene Paradebeispiele gibt, bleibt dennoch vieles im Argen.

Das hat unter anderem auch mit der Denkmalschutz-Politik in Österreich zu tun; wobei nur zu oft Kompromisse eingegangen werden oder nicht der notwendige Wille und die Möglichkeiten vorliegen, wichtige adäquate, zukunftsgerichtete Entscheidungen konsequent umzusetzen. Als exemplarische Beispiele dafür sind der Abbruch des Wohnhauses des Architekten Karl Schwanzer in Wien- zu nennen, das aus völlig unerfindlichen Gründen nicht unter Denkmalschutz stand, sowie der geplante Abriss der deutschen Botschaft im Botschaftsviertel im 3. Wiener Gemeindebezirk.

Achtung und Verantwortung im Umgang mit Architektur als Lebens-Mittel wurde seitens der ÖGFA von Anfang an eingefordert. In einer Fülle von Veranstaltungsreihen, darunter Führungen und Fachpublikationen, wird schon seit Jahrzehnten und verstärkt während des Jubiläumsjahres in speziellen Themenschwerpunkten unermüdlich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Architektur geworben und zielführende Aufklärung betrieben.

Hinter dem Vorhang

Bereits im Jahr 2014 wurde im Rahmen der Architekturbiennale in Venedig die Ausstellung „Lifting the Curtain“ gezeigt, die als Co-Produktion von Institutionen aus Polen, Ungarn, Tschechien, Kroatien und Österreich entstanden war. In ihrem Zentrum stand die Darstellung jenes über Jahrzehnte gewachsenen Mitteleuropäischen Architekturnetzwerkes und dessen internationale Verbindungen, die einen Technologie- sowie auch einen architekturtheoretischen und praxisbezogenen Wissenstransfer ermöglichten. Als Partnerinstitution konnte die ÖGFA diese Ausstellung auch in Wien zeigen. Ein äußerst informativer Katalog beinhaltet Projekte und ausgeführte Bauten sowie die Darstellung einiger wichtiger Protagonisten. Die Aktivitäten im Jubiläumsjahr sind mit all den Veranstaltungen eine erfolgreiche Dokumentation der bisherigen Tätigkeit der ÖGFA. Darüber hinaus wird deutlich, wie wichtig eine solche Plattform in Österreich auch für die Zukunft ist.

www.oegfa.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 50/2015

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