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© (3) christof gaggl photography
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Leben 24. November 2015

Auf archaischen Spuren

Mit Licht und Farbe setzt Beate Maria Platz den Zauber und die Ausdruckskraft des Steins frei.

Stein als Arbeitsmaterial und Stein als Thema: Die Kraft, aber auch die Leichtigkeit des archaischen Materials bilden in der künstlerischen Arbeit von Beate Maria Platz zwei durchaus gegensätzliche Empfindungen. Sie ergänzen sich freilich zur Gesamtheit und lassen Raum für Zwischentöne. Im Kunstraum Dr. David in Wien-Mauer sind Facetten des Steins in einem Überblick über das aktuelle Werk von Beate Maria Platz ab 2. Dezember zu sehen.

Fels diente schon vor 40.000 Jahren als Untergrund für die ersten erhaltenen bzw. überlieferten Ausdrücke menschlichen Darstellungswillens in französischen und spanischen Höhlen. In Afrika, Asien, Australien – auf allen Kontinenten außer der Antarktis findet man heute solche Bilder, manche sogar an schwer zugänglichen Stellen, die nur mit dem Boot oder mit mitgebrachten Lichtquellen erreichbar waren. Der Wunsch, sich auf einem haltbaren Material auszudrücken, ist also archaisch und begleitet uns durch die Menschheitsgeschichte. Bis heute fordert er immer wieder künstlerisch tätige Menschen heraus, ihre Spuren darauf zu hinterlassen.

Beate Maria Platz nutzt ihr schöpferisches Potenzial sowohl in der Kunsttherapie als auch in der Kunst selbst. Dort bildet sie auch einen Teil der Menschheitsgeschichte im Umgang mit Stein ab. So findet sich in ihren Werken die Verbindung von Licht und Stein und damit die Magie, wie wir sie auch aus Stonehenge kennen: Die Lichteintrittspforten bestimmen die Position der Steine und sie erinnern gleichzeitig an die Idee, dass die Steine mithilfe von Druiden gebündelter Energie bewegt wurden, sodass sie durch die Luft fliegen konnten und mühelos ihre Position fanden.

Licht und Farbe verleihen in Beate Maria Platz‘ Bildern dem Stein eine Leichtigkeit, die es dem Betrachter ermöglicht, sich diesem Schwebezustand anzuschließen. Dadurch kann er neue Innen- oder Außenwelten entdecken – ein Aspekt, der auch einen zentralen Ansatzpunkt in der Therapie darstellt.

Als Maluntergrund wählt Beate Maria Platz den grauschwarzen, mattglänzenden Tonschiefer, ein Millionen Jahre altes metamorphes Schichtgestein. Die unterschiedliche Spaltstruktur bezieht sie in ihre Bildkomposition ein. Immer wieder findet sich in ihren Bildern Blattgold als Ausdruck des Lichts im Gegensatz zur dichten Stofflichkeit des dunklen Steins. Dazwischen tritt spannungsvoll vermittelnd die Farbe, in kräftiger Undurchdringlichkeit oder in zarten Nuancen. Die natürlichen Brüche des Materials finden in den Farbbrüchen ihre gestaltete Entsprechung, und unterstreichen die Plastizität des Malgrunds zu einem anregenden Dialog der Elemente.

Tiefgründiges Wasser umspült den Stein

Als Thema sind es die Kieselsteine, die ihr im Fluss, am Meer, entgegenrollen, umspült von Wasser und Licht. Diese zufälligen Arrangements der Natur empfindet die Künstlerin auf ihren großformatigen Leinwandbildern in Acrylmischtechnik nach. Die Leichtigkeit entsteht durch den Blick auf bzw. durch das Wasser, das auch in der Lage ist, die schwersten Steine abzutransportieren, abzuschleifen oder durch stetes Tropfen auszuhöhlen. Die Bilder erwecken die Illusion des Tiefgründigen, Geheimnisvollen, auch Beruhigenden und sie laden ein, sich gedanklich hinein zu versenken.

Die Werke der 1964 in Deutschland geborenen und seit 1989 in Wien lebenden Beate Maria Platz weisen in den Wirren und Unruhen unserer Zeit auf Bleibendes innerhalb und außerhalb von uns hin. Unbeirrt von Modetrends, Stilaffektionen und politischen Interpretationen haben die Steine immer noch die gleiche Kraft wie vor Jahrtausenden. Sie wirken beruhigend, stärkend, erhebend und gleichzeitig erdend.

Ausstellung Beate Maria Platz

Kunstraum Dr. David

Maurer Lange Gasse 47

1230 Wien

Eröffnung: 2. 12. 2015, 18.00 – 21.00 Uhr

bis Mitte Februar 2016 nach telefonischer Voranmeldung(+43 1 87 97 405) zugänglich.

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