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Tanz in Bildsprache übersetzt.Charlotte Rudolph: Palucca 1928
© Minor White/Albertina, Wien

Kontrastreiche Landschaftsaufnahme. Minor White: Zwei Scheunen bei Dansville, New York 1955

Milieustudie und zeitgeschichtliches Dokument: Brassai – In einem Stundenhotel, Rue Quincampoix, um 1932

© (4) Albertina, Wien

Alt-Wien fotografisch festgehalten. k. k. Hof- und Staatsdruckerei Wien: Die Schottenbastei in Wien zur Zeit ihres Abbruchs, 1860.

Ausdrucksvolles Porträt einer Künstlerin. Trude Fleischmann: Die Schauspielerin Sibylle Binder, um 1935

 
Leben 20. November 2015

Schwarz und Weiß

In der Albertina werden ausgewählte Fotografien aus den eigenen Beständen unter dem Titel „Black & White“ präsentiert.

Etwa 110 thematisch geordnete Fotografien international renommierter Fotografen von Anbeginn der Fotografie bis in die Gegenwart bietet diese Ausstellung. Dabei gibt es so manche Schätze zu entdecken.

Als grafische Sammlung ist die Albertina im Besitz von druckgrafischen Meisterwerken und Handzeichnungen der bedeutendsten Künstler der Kunstgeschichte. Seit Ende der 1990er-Jahre rückte ein weiterer wesentlicher Bereich in den Mittelpunkt: Die Bestände der hauseigenen Fotosammlung wurden verstärkt bearbeitet und bieten seither einen wichtigen Grundstock für Ausstellungen zum Thema Fotografie.

Der ursprüngliche Bestand speist sich aus drei Quellen: Aus dem Altbestand der Albertina, der schon früh Teil der gesamten Sammlung war, aus einer nicht minder wichtigen Sammlung, nämlich jener der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt Wien, die weltweit erste auf Fotografie und Reproduktionstechniken spezialisierte Schule, deren Archiv etwa 70.000 Bilder umfasst. Als dritte Quelle kam das Bildarchiv des Fotobuchverlages Langewiesche hinzu, in dem ab den 1920er-Jahren wichtige Fotobücher herausgegeben wurden. Damit nicht genug, wurden durch die Sammlungstätigkeit in den vergangenen Jahren besondere Themenschwerpunkte gesetzt, die nun auch das Konzept dieser Ausstellung mitbestimmen. Heute ist die Fotosammlung der Albertina die größte künstlerische Sammlung auf diesem Gebiet in Österreich.

Ein weiter Bogen

Verblüffend ist die Bandbreite dieser Ausstellung. Historische Wiener Stadtansichten wie etwa das Franzenstor mit Brücke, 1858 aufgenommen und ausgearbeitet auf Salzpapier in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei Wien, gehören zu den frühen fotografischen Zeugnissen. Dass das Medium der Fotografie auch als ein künstlerisches aufgefasst wurde, zeigen die piktoralistischen Arbeiten von Margaret Cameron, Heinrich Kühn, Rudolf Koppitz und Anton Josef Trcka. Damit war auch eine Aufwertung des Fotografen in künstlerischer Hinsicht verbunden.

Rudolf Koppitz lehrte an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt Wien und schuf Aktaufnahmen sowie Porträts von höchster Intensität. Seine berühmte „Bewegungsstudie“ aus den späten 1920er-Jahren beeindruckt auch heute noch durch ihre stilistisch ausdrucksvolle Bildsprache.

Einen nicht unerheblichen Raum nehmen im Konzept der Ausstellung Straßenszenen ein, wie jene Pariser Typen von Alois Beer aus der Zeit um 1910, die einen Drehorgelspieler oder eine Suppenverkäuferin zeigen. Dem Thema der Stadtlandschaften stehen eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen, wie jene der schneebedeckten Hänge des Tirolers Wilhelm Angerer, um nichts nach.

Ebenso beeindruckend sind die Stadtszenen der Fotografenlegende Henri Cartier-Bresson, in denen das Beobachten und beobachtet Werden eine wesentliche Rolle spielen. In dem Porträt Irving Penns von Sophia Loren, 1959 in New York entstanden, ist eben dieser besondere Moment ausdrucksvoll und doch achtsam festgehalten. Faszinierend im Vergleich dazu die Fotografien von Daido Moriyama, die Straßenszenen fragmentarisch ins Blickfeld rücken.

Lee Friedlaenders Fotoarbeiten, entstanden Mitte der 1960er-Jahre in Baltimore und New York, wirken durch die Beiläufigkeit, mit der dieser als Chronist den amerikanischen Alltag festhielt, fast wie Filmstills. Diese immer wiederkehrenden szenischen Motive von Stadt-Landschaften dienen somit als thematischer Leitfaden. Der Titel „Black & White“ wird am prägnantesten in den Fotos von Ray K. Metzker deutlich, der in den 1963 in Philadelphia entstandenen Aufnahmen seinen Motiven bei der Ausarbeitung durch den Härtegrad des Papiers eine schier unglaubliche kontrastreiche Schärfe verleiht.

Mit einigen Arbeiten Elfriede Mejchars aus der Serie „Simmeringer Heide und Erdberger Mais“ aus den Jahren 1967 bis 1976 kehrt man wieder nach Wien zurück. Dort, wo sich in diesen städtischen Randbereichen Brachflächen und Freiräume befinden, hat Elfriede Mejchar diese vor ihrem Verschwinden im Bild festgehalten. Schließlich bekommt auch die Industriefotografie im Stil der neuen Sachlichkeit den ihr gebührenden Raum. Bestimmte Details industrieller Anlagen gewinnen aus dieser Perspektive betrachtet einen ganz besonderen Reiz. Der „Neuen Sachlichkeit“ grundsätzlich ebenso verbunden sind die Aufnahmen von André Kirchner. Er hat als „Stadtfotograf“ Berliner Ansichten in den Jahren 1991 bis 2004 festgehalten. Auch hier zeichnet der Blick auf wesentliche Details im Stadtraum diese Aufnahmen aus. Es sind Momentaufnahmen, die zeitlich begrenzte Zustände dokumentieren. Eine Lehre, die man aus dieser sehr vielfältigen Schau ziehen kann: Schwarz-Weiß schärft den Blick. Schade nur, dass es zu dieser Ausstellung weder einen Katalog noch Ansichtskarten gibt. Ersteres wäre auch darum hilfreich, weil nicht alle Fotografen dieser Ausstellung einem größeren Publikum bereits bekannt sind. Jedenfalls sind bei einem Rundgang tatsächlich einige äußerst interessante Entdeckungen zu machen.

Ausstellung läuft bis 10. Jänner 2016.

www.albertina.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 47/2015

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