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© Andreas Groll
Wiener Westbahnhof, Abfahrtshalle, 1859
 
Leben 10. November 2015

Österreichs erster moderner Fotograf

Andreas Groll arbeitete sich vom Schulwart des Polytechnischen Instituts zum Pionier der Berufsfotografie hoch.

Im Unterschied zu den Atelier-Fotografen seiner Zeit schleppte der Wiener Groll seine schwere Ausrüstung quer durch die Monarchie. Und haderte mit technischen Unzulänglichkeiten.

Groll war ab 1853 Berufsfotograf. Im Gegensatz zu den etablierten Porträtisten oder Atelierfotografen, die ihre Auftraggeber mit Versatzstücken in Kulissen ablichteten, hatte er, soviel bekannt ist, kein eigentliches Atelier. Als er sich nach neun Jahren als Labordiener im Polytechnischen Institut „mit aller Kraft auf die Fotografie verlegt“, entstehen nur mehr Bilder „vor Ort“, nicht nur an verschiedenen Plätzen Wiens, sondern auch auf Reisen zwischen Prag und Krakau, zwischen Regensburg und dem Banat, entlang der Strecke der Westbahn oder auf Schloss Rosenberg in Südböhmen.

Groll war nicht der einzige, der in die Welt hinausging, um sie mit der Kamera einzufangen. Aber er ist der Erste, dem ein gesichertes Oeuvre zugeschrieben werden kann. Seine Architektur- und Stadtaufnahmen zählen zu den Highlights der frühen Fotografie. Erstmals wird sein Werk in einer großen Ausstellung vorgestellt.

Über 1.000 Bilder von Groll sind identifizierbar, in der Ausstellung ist eine Auswahl von rund 180 Aufnahmen zu sehen. Sie zeigen, dass die frühesten Fotografen zwar einerseits in die Fußstapfen von Zeichnern und Malern traten, sich aber andererseits auch neuen Aufgaben stellten, für die es keine Bildtradition gab. So arbeitete Groll sowohl für Architekten wie für Museumskuratoren, aber auch im Auftrag von Industriebetrieben und für die sich erst formierende Denkmalpflege.

Grolls Arbeiten zeigen die technischen Grenzen der Frühphase der Fotografie. Der Kreuzgang im Stift Zwettl: zu dunkel. Kaiser Franz Joseph: unscharf. Vermutlich hatte Groll nicht die Mittel, um seine Ausrüstung am jeweils letzten Stand zu halten. Groll starb 1872 an Typhus, vermutet die Führerin im Wien Museum.

Ausstellungstipp: Andreas Groll, Wiens erster moderner Fotograf, bis 10. Jänner 2016 Wien Museum Karlsplatz, 1040 Wien, Karlsplatz 8, Dienstag bis Sonntag & Feiertag, 10 bis 18 Uhr, 24.12. und 31.12.: 10 bis 14 Uhr, 25.12. und 1.1. geschlossen, Erwachsene: 8 Euro, www.wienmuseum.at

Martin Burger, Ärzte Woche 46/2015

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