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Leben 19. Oktober 2015

Naturvölker schlafen wenig

Nicht das Sonnenlicht, sondern Temperaturveränderungen könnten eine Rolle bei der Regulierung des Schlafes spielen.

Menschen, die weit weg von Störfaktoren und Ablenkungen leben, benötigen weniger Schlaf als jene in den Städten. Zudem weisen diese Volksgruppen kaum Schlafstörungen auf. US-Forschern zufolge muss daher die weit verbreitete Theorie, dass die Schlafmenge durch das moderne Leben deutlich verringert worden sei, infrage gestellt werden.

Das Team um Jerome Siegel der University of Californi hat nachgewiesen, dass drei Gruppen von Jägern und Sammlern, die in verschiedenen Teilen der Welt ein einfaches Leben ohne elektrischen Strom, Störungen, Heizung oder Klimaanlagen leben, durchschnittlich pro Nacht etwas weniger als 6,5 Stunden schlafen. Diese Menschen schlafen weder regelmäßig zwischendurch noch gehen sie schlafen, wenn es dunkel wird. Ihre Schlafgewohnheiten unterscheiden sich also kaum von jenen in der industrialisierten Welt. Sie wachen jedoch auf, bevor die Sonne aufgeht. In diesen Gesellschaften sind die Menschen seit ihrer Geburt natürlichem Sonnenlicht ausgesetzt und einer sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten immer wiederholenden Veränderung der Temperaturen.

Die Forscher analysierten die Schlafgewohnheiten der Hadza in Tansania, der San in Namibia und der Tsimane in Bolivien. Insgesamt wurden Daten von 94 Personen rund um die Uhr gesammelt, die in Summe 1.165 Tage entsprachen. Laut den in „Current Biology“ publizierten Ergebnissen zeigten sich Ähnlichkeiten. Trotz verschiedener Gene, einer anderen Geschichte und anderen Umweltbedingungen weisen alle drei Gruppen ähnliche Schlafgewohnheiten wie bei ihren Vorfahren auf.

Sonnenlicht nicht maßgeblich

Die Schlafzeiten der Gruppen bewegten sich zwischen 5,7 und 7,1 Stunden. Zwischen Beginn und Ende der Schlafperiode lagen zwischen 6,9 und 8,5 Stunden. Die Werte gelten in Industriegesellschaften als niedrig. Jäger und Sammler schlafen im Winter eine Stunde länger als im Sommer. Auch ohne Strom ging keine der drei Gruppen in Abstimmung mit dem Sonnenlicht schlafen. Im Durchschnitt blieben sie nach dem Sonnenuntergang noch etwas mehr als drei Stunden wach und wurden vor dem Sonnenaufgang wieder wach. Zudem waren die Personen weder fettleibig noch litten sie unter Atherosklerose. Sie waren fit und gesund. Ihre Lebenserwartung lag bei 60–70 Jahren. Laut Siegel sei damit jene weit verbreitete Theorie infrage gestellt, wodurch die Schlafmenge durch das moderne Leben deutlich verringert worden sei. Damit stehe auch die Einnahme von Schlaftabletten zur Erreichung der „natürlichen“ Schlafmenge infrage.

Es scheint vielmehr einen Zusammenhang mit der Temperatur und nicht mit dem Licht zu geben. Alle drei Gruppen gingen schlafen, wenn die Temperatur sank. Sie schliefen während der kältesten Zeit der Nacht. Damit liegt nahe, dass die im modernen Leben weitgehend verschwundenen Temperaturveränderungen eine Rolle bei der Regulierung des Schlafes spielen könnten. Auffallend ist, dass die Volksgruppen kaum Schlafstörungen aufweisen.

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