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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 28. September 2015

Echt Krank!

Kabarettprogramm neu – Werbung in eigener Sache.

Um den Kongresskalender für die kommende Saison um einen Fixpunkt zu erweitern: Im Oktober bringt mein lieber Bühnenkollege Norbert Peter unter ärztlicher Anleitung (in meiner Person) wieder ein neues Programm auf die unsubventionierten Bretter, die die Welt bedeuten. „Echt krank – die Show zum Körper“ lautet die Fortbildungsveranstaltung für Körperexperten und Körperlaien, für Menschen, die von körperlichen Gebrechen betroffen sind und jene, die versuchen, als Servicetechniker diese Gebrechen zu beheben. Obwohl es nicht als offizielle Ärztekammer-Diplom-Schulung gilt, kann ich gerne den fortbildungswilligen Kollegen vor Ort persönlich ein paar DFP-Punkte auf den Hintern tätowieren.

Nachdem es in den vergangenen Kabarettprogrammen vorwiegend um die nicht immer ganz einfache Beziehung zwischen Ärzten und ihren Patienten gegangen ist, wir immer wieder auch Überlegungen angestellt haben, warum die Kommunikation in der Praxis nicht so funktioniert, wie wir uns das wünschen, und warum Ärzte vom Mars sind und Patienten nicht einparken können, geht es nun um den Körper als Gesamtkunstwerk. Immerhin verbringen wir einen Großteil unseres Lebens darin, ausgenommen vielleicht Zustände außerkörperlicher Erfahrungen, im Rahmen von Meditationen oder Vollräuschen.

Ich habe mich in dieser Kolumne auch öfter schon Gedanken über den österreichischen Körper gemacht und die Diskussion vom Zaun gebrochen, ob er sich dramatisch von einem deutschen oder einem chinesischen Körper unterscheidet. Letztlich sind wir doch alle irgendwie anatomisch ähnlich und ein fernöstliches Modell ist um keinen Deut schlechter als das mit biologischen Birnen groß gezogene Erzeugnis aus dem Mostviertel. So ist auch zu erklären, dass es, bei allem Wildwuchs an Fach-sub-sub-subdisziplinen eigentlich keinen „Facharzt für den österreichischen Körper“ gibt. Das kann bedeuten, dass dieser spezielle Körper auch in bestehenden Strukturen gut betreut werden kann oder aber, dass es sich finanziell nicht sonderlich lohnt, abseits der Stoffwechselambulanz, auch eine Stoffwechselambulanz für Schweinsstelzen-Abusus zu gründen.

Letztlich geht es darum, zu erkennen, was „gesund“, was „krank“ und was demzufolge „echt krank“ ist. Nach gängiger Auffassung wird eine Person als „gesund“ erachtet, die in der Lage ist, drei Stockwerke zu erklimmen, ohne außer Atem zu kommen; „krank“ ist ein Mensch, dem bereits beim zweiten Stockwerk die Puste wegbleibt; und „echt krank“ wäre jemand, der schon im ersten Stockwerk keine Luft mehr bekommt – obwohl er mit dem Lift unterwegs ist.

Die Diskussion, wer denn nun darüber entscheidet, was noch im grünen Bereich ist, ist noch lange nicht am Abflauen. „Gesund“ bedeutet es demnach, sich auch gesund zu fühlen, „krank“, sich krank zu fühlen und „echt krank“, diese Entscheidung einer anderen Person zu überlassen. – Um wieder mit einem bekannten Ophthalmologen zu sprechen: „Schau’n Sie sich das an!“

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