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Ein österreichischer Roller-Klassiker: Lohner L125.
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Motorsporttag in Hainburg 1954: Fritz Eckerl siegessicher auf einem zumindest optisch leicht modifizierten L125.

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Hybridantrieb für den Renneinsatz: Lohner-Porsche-Mixte beim Exelberg-Rennen 1902 mit Ferdinand Porsche am Steuer und Beifahrer Ing. Ludwig Porsche.

© Regina Ridder/Lohnerwerke GmbH

Ein nahezu unzertrennliches Gespann: Andreas Lohner und die Lohner „Lea“.

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Man rollt elektrisch – und bei Bedarf kann man beim „Stroler“ auch in die Pedale treten.

 
Leben 28. September 2015

Hauptsache mobil

Einst zählte Lohner mit seinen Fahr- und auch Flugzeugen zu den führenden österreichischen Familienunternehmen. Nun arbeitet Andreas Lohner mit innovativen Ideen an der Wiederbelebung der traditionsreichen Marke.

Manchmal muss man etwas wagen, zumal dann, wenn es um die eigene Familiengeschichte geht: Mit einem „Start Up“ geht Andreas Lohner jenen Weg, den schon andere Mitglieder der Unternehmer-Familie eingeschlagen haben. Dabei geht es um eine zeitgemäße Antwort auf die Frage heutiger Mobilität.

Manch einem liegt es im Blut, was er aus seinem Leben macht. Im Falle der Familie Lohner lag die Sache seit Generationen klar auf der Hand: Man hatte sich dem Kutschenbau verschrieben und avancierte mit der 1823 gegründeten k. u. k. Hofwagenfabrik Jacob Lohner & Cie im Verlauf des 19. Jahrhunderts zum bedeutendsten Hersteller der k. u. k. Monarchie. In der Stellmacherwerkstatt wurden Landauer, Viktorias und Berlinen gebaut, gängige Kutschentypen, mit denen man rasch und elegant unterwegs war. Den technischen Neuerungen an der Schwelle zum 20. Jahrhundert wollte sich Ludwig Lohner, der das Unternehmen nach dem Tod des Vaters Jakob Lohner 1892 übernommen hatte, jedoch nicht verschließen. Von Motorisierung war damals viel die Rede, aber wenige der neuentwickelten Verbrennungsmotoren galten als standfest und zuverlässig. Dieser Umstand führte Lohner zunächst nach Bad Cannstatt zu Gottlieb Daimler. Der aber wollte seinen Motor nicht aus der Hand geben. 1896 wurde Ludwig Lohner Zeuge der großen Automobilwettfahrt Paris – Marseille – Paris und fasste den Entschluss, als Pionier des Kraftfahrwesens in Österreich die erste Automobilfabrik zu gründen. Aber weder Gottlieb Daimler noch Carl Benz lieferten dafür die ersehnten Motoren.

Jetzt wird’s elektrisch

Das Kräftemessen der unterschiedlichen Antriebsarten war an der Wende zum 20. Jahrhundert noch längst nicht entschieden: Die einen setzten auf Dampf, die anderen auf Verbrennungsmotoren. Lohner hingegen favorisierte den Elektromotor, in ihm sah er im Rahmen der einsetzenden öffentlichen und privaten Motorisierung nur Vorzüge. Der Bau eines Elektromobils, das einfach zu handhaben sein sollte, lautlos im Betrieb und somit ideal für die Stadt, war bald beschlossene Sache. Gebaut wurde der Elektromotor des ersten Lohner-Wagens von der „Vereinigten Elektricitäts-Actiengesellschaft, vormals B. Egger & Co., in Wien“. Ferdinand Porsche war an diesem ersten Projekt noch indirekt beteiligt: Er testete diesen Motor in der „Probierabteilung“ des Unternehmens und absolvierte die ersten Probefahrten im 9. Wiener Bezirk.

Bei der folgenden Neuentwicklung, dem Radnaben-Elektromotor „System Lohner Porsche“, der die Kraft direkt auf die Räder übertrug, war Porsche hingegen maßgebend. Die Batterien, die trotz ihrer Größe an ihre Leistungsgrenzen stießen, ermöglichten eine Reichweite von etwa 50 Kilometern. Darauf entwickelte Porsche den ersten Hybridantrieb – ein 4-Zylinder Reihenmotor mit 16 PS war dabei mit einem Dynamo gekoppelt, der über einen Regler die Radnabenmotoren mit Strom versorgte. Der Lohner-Porsche-Mixte nahm mit Ferdinand Porsche am Steuer und Ludwig Lohner als Beifahrer sogar 1902 am Exelberg-Rennen teil.

Stetige Innovation blieb für das Unternehmen fortan maßgebend, mit dem Entwurf und Bau von Flugzeugen betrat man dabei Neuland. Elek-tromotoren kamen hier wegen ihres hohen Gewichtes nicht zum Einsatz. Die beiden Typen Lohner Pfeilflieger und Flugboote, wie etwa die Lohner Type L, waren auch während des Ersten Weltkrieges im militärischen Einsatz. Nach Ende des Krieges wurden weder Autos noch Flugzeuge gebaut, wohl aber Straßenbahnen, bis Anfang der 1950er Jahre mit den Motorrollern ein neuer Markt erschlossen wurde. In seinem umfassenden Werk „Lohner Roller & Mopeds“ hat Fritz Ehn diesem Kapitel eine akribische, informative und reichbebilderte Darstellung gewidmet.

Ab 1949 sorgte der L98 für Aufsehen, der beispielsweise vom Schauspieler Maxi Böhm werbewirksam pilotiert wurde. Das schicke Gefährt war trotz seiner nicht ganz ausgereiften Technik bei der Damenwelt sehr beliebt und wurde auch wettbewerbsmäßig eingesetzt. Darauf folgte der L125 mit seiner markanten Frontschürze sowie der bis 1961 gebaute L150. Die Lohner „Sissy“, die es auf drei Modell-Reihen brachte, kam 1957 auf den Markt und blieb bis 1963 in Produktion. Danach war Lohner in anderen Sparten tätig, bis das Unternehmen 1970 geschlossen und an das kanadische Unternehmen Bombardier, mit dem Geschäftsbeziehungen bestanden, verkauft wurde.

Mobile Neubesinnung

2010 wurde nun ein neues Kapitel der Lohner-Firmengeschichte aufgeschlagen. Nachdem die Namensrechte mit Bombardier geklärt waren – beide Unternehmer-Familien haben eine bis in die 1960er-Jahre zurückreichende Verbindung – konnte die Neugründung von Lohner als Marke erfolgen. Für Andreas Lohner, der aus der IT-Branche kommt, war dies durchaus ein Wagnis, welches er in Zeiten neuer Herausforderungen in Sachen Mobilität dennoch als „Start-Up“ einging. Zwei Modelle aus dem Hause Lohner wurden im Zuge dessen neu als Hommage an die Lohner Roller-Klassiker entwickelt und in Manufakturarbeit und noch dazu in Österreich hergestellt. Anfang 2014 wurde nach umfangreichen Vorbereitungen die Produktion der beiden Zweirad-Modelle „Stroler“ und des an den L125 stilistisch angelehnten Modells „Lea“ aufgenommen. Beide stehen mittlerweile zur Probefahrt bereit. Statt mithilfe eines Verbrennungsmotors rollt man allerdings nun elektrisch, beim „Stroler“ kann man bei Bedarf auch in die Pedale treten. „Ich wollte an die Erfolge von damals anknüpfen, den innovativen Charakter von Lohner fortführen“, so Andreas Lohner. Damit beginnt ein neues und hoffentlich erfolgversprechendes Kapitel in der Geschichte des Unternehmens.

1. September bis 31. Oktober 2015
Lohner Pop-Up Store: 1010 Wien, Neuer Markt 8
www.lohner.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 40/2015

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