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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 4. September 2015

All-Medizin

NebenWirkungen

Dass die Behandlung potenzieller Patienten auf einer Raumstation per Fernbehandlung erfolgt, muss kein Nachteil sein.

Spannende Sache, über die die Ärzte Woche kürzlich berichtete: Mediziner betreuen Astronauten. Aber nicht vor Ort, da es sich dabei um eine Fernreise handeln würde, die ja bekanntlich nicht mit den Compliance-Richtlinien vereinbar ist. Nein, die Ärzte bleiben mit beiden Beinen fest am Boden, während sich ihre Patienten in luftigen bzw. eher luftleeren Höhen bewegen.

Astronauten, die auf der Internationalen Raumstation ISS ihren Dienst versehen, haben selbstverständlich auch die gleichen Wehwehchen, wie ihre Kommilitonen auf der Erde. Vielleicht reicht die Ragweed-Pollenbelastung nicht ganz so hoch hinauf, aber es gibt sicher das eine oder andere intergalaktische Kraut, auf das man wunderbar allergisch reagieren kann. Dort oben haben sie sicher auch eine Art Klimaanlage und damit auch die typische Klimaanlagen-Verkühlung. Und wenngleich die Astronauten wahrscheinlich nicht lange genug in der Umlaufbahn sind, um auszubrennen und ein „Burnout“ zu bekommen; spätestens mit dem Eintritt in die Erdatmosphäre bekommt das jeder. Also lauter Symptome, die wir auch in der allgemeinmedizinischen Praxis vorfinden. Keine Mondstein-kolik, kein Mars-ern, nur die ganz gewöhnlichen Wald-und-Wiesen-Krankheiten.

Natürlich handelt es sich immer um eine Fernbehandlung, mit allen Nach-, aber auch Vorteilen, da man einem Patienten in 400 km Höhe getrost bitten kann, seine Socken auszuziehen. Man kann lediglich seine Patienten bei der Untersuchung nicht berühren, was für einige Kollegen keine große Umstellung bedeutet, da sie dies auch in der Praxis nicht tun. Ob sich nun nur der Schreibtisch oder die ganze Erdatmosphäre zwischen Arzt und Patienten befindet, macht da kaum einen Unterschied. Die Konsultationen laufen zudem über einen verschlüsselten Funkkanal. Schließlich gilt die ärztliche Schweigepflicht auch außerhalb der Erde und es muss ja nicht jeder an Bord gleich wissen, dass der Kapitän der Mission Panikattacken entwickelt, sobald er in einer Raumkapsel Platz nimmt.

Dass das System so gut funktioniert, liegt nicht zuletzt daran, dass die Astronauten selbst entsprechend geschult sind. Sie wurden in das sonst so streng gehütete Geheimwissen der Mediziner eingeweiht, man hat ihnen gezeigt, wie man im Notfall Wunden näht, Zähne zieht oder sich selbst sonst irgendwie verarztet. Hätten auch die Patienten auf der Erde ähnliche Kenntnisse, so wären unsere Ambulanzen nur zu einem Drittel gefüllt. Doch solch frevlerische Gedanken schießt man lieber ins All. Man will ja als Mediziner auch von was leben!

Vielleicht sollte man auch das umgekehrte Modell andenken: Dass nämlich die Ärzte aus dem All Patienten auf der Erde behandeln. Technisch wäre das im Prinzip nichts anderes, dafür dürften auf der ISS niedergelassene Mediziner auch eine Hausapotheke führen. Es sei denn, der Apotheken-Gebietsschutz auf der Erde erstreckt sich auch senkrecht ins All.

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