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© ZNE, IZW & Zoo Berlin
Knut starb an einer Autoimmunenzephalitis.
 
Leben 4. September 2015

Todesursache von Eisbär Knut geklärt

Vor vier Jahren starb Promi-Eisbär Knut im Berliner Zoo. Nach intensiver Suche steht endlich die Diagnose fest.

Am 19. März 2011 stürzte der wohl berühmteste Bär der Welt vor laufender Kamera in den Pool in seinem Gehege im Berliner Zoo und ertrank. Die Ursache für seinen Tod war kein Suizid, sondern ein epileptischer Anfall, ausgelöst durch eine fulminante Hirnentzündung.

Zunächst hatten Forscher des Berliner Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) eine Infektion vermutet. Nach Knuts Tod unterzogen sie sein Gehirn einer aufwändigen Untersuchung. Sie fanden jedoch nur Spuren einer Influenza-A-Infektion und einige bis dato unbekannte endogene Retroviren, die als Auslöser der Enzephalitis nicht in Frage kamen. Da sich keine Infektion nachweisen ließ, stellten sie schließlich die Diagnose „Enzephalitis mit unbekannter Ätiologie“.

Dies machte Dr. Harald Prüß vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) an der Charité in Berlin auf den Fall Knut aufmerksam. Prüß kennt die häufigste Ursache einer solchen Enzephalitis bei Menschen: eine massive Immunreaktion gegen den NR1- Subtyp des NMDA-Rezeptors. Diese Autoimmunerkrankung wurde erstmals 2007 beschrieben, in den folgenden Jahren dämmerte Neurologen und Hirnforschern, dass ein Großteil der bislang rätselhaften Enzephalitiden auf einer Immunreaktion gegen den NMDA-Rezeptor beruhte. Prüß schaute sich daher Knuts Autopsiebericht genauer an und entdeckte Parallelen zu eigenen Studien über menschliche Enzephalitiden. Der Neurowissenschaftler setzte sich daraufhin mit Prof. Alex Greenwood, Leiter der Abteilung für Wildtierkrankheiten des IZW, in Verbindung, der auch ursprünglich die Untersuchung über Knut leitete und ebenfalls eine nicht infektionsbedingte Enzephalitis in Betracht zog. Er hatte aber bislang nicht die Möglichkeit gehabt, diese Erkrankung nachzuweisen.

Bei einer erneuten Autopsie hatten die Forscher zunächst im Hirnstamm und Großhirn zahlreiche Immunzell-Infiltrate neben gesundem Gewebe gefunden. Die Neurone blieben dabei weitgehend intakt, was darauf deute, dass kaum zytotoxische T-Zellen beteiligt waren, schreiben Prüß und Mitarbeiter in einer aktuellen Publikation. Statt T-Zellen fanden sie jedoch eine große Zahl von Plasmazellen. Für die immunologische Untersuchung modifizierten die Forscher das übliche Testverfahren zum Nachweis der NMDA-Autoimmunenzephalitis. Wie sich herausstellte, war der Liquor des Bären voll mit Antikörpern gegen den NMDA-Rezeptor. „Die Liquortiter waren sogar höher als das, was man üblicherweise bei Patienten mit NMDA-Autoimmunenzephalitis sieht“, so die Forscher (Scientific Reports 2015: online 27. August). Die Wisssenschaftler sehen es daher als erwiesen an, dass Knut letztlich eine Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis zum Verhängnis wurde.

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