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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 25. August 2015

Arzt-Partner

Post-Partner-Betriebe haben gezeigt, wie eine Grundversorgung der Bevölkerung möglich ist. Nun ist das Gesundheitssystem dran.

Die Österreichische Post sollte schlanker werden. Nein, man hat den übergewichtigen Briefträgern nicht ihre Autos weggenommen, damit sie fortan mit dem Rad etwas mehr Bewegung machen. Es wurden schlicht Filialen geschlossen und die Agenden an Partner-Betriebe übergeben. Apotheken, Trafiken und sogar Sonnenstudios sind eingesprungen, um die Tätigkeiten der Postler zu übernehmen: Der Fleischhauer überreicht einen Brief vom Finanzamt mit blutigen Händen, was für den Empfänger den Gruselfaktor beim Öffnen wohl noch weiter erhöht; wer seine Amazon-Lieferung im „Chez Lulu“ abholen möchte, benützt einfach den diskreten Seiteneingang; und wenn ein Bewohner der Ramsau einen gelben Zettel in seinem Postkasten vorfindet, so kann er die Sendung bequem in der 1.630 Meter hoch gelegenen Austriahütte am Dachstein abholen.

Leider müssen einige Post-Partner-Filialen wieder ihre Pforten schließen, weil das Geschäft mit Ansichtskarten und Paketen doch nicht so gut läuft, wie erwartet. Zwar freuen sich Trafikanten, wenn die Kunden, die einen Brief aufgeben wollen, gleich auch ein paar Brieflose und das Magazin „Briefboy“ kaufen, ein Frisiersalon hat es aber da schon schwerer, da man sich wohl kaum in der Wartezeit auf eine Marke rasch mal eine Dauerwelle machen lässt.

Nun steht das Gesundheitssystem vor einer ähnlichen Herausforderung. Gerade in ländlichen Bereichen finden sich oft keine Ärzte für eine freie Kassenplanstelle. Eine Ordination, ohne Hausapotheke zu führen, scheint den meisten Medizinern zu wenig lukrativ zu sein und so nehmen viele lieber ein Burnout in einem Krankenhaus auf sich, als ein Burnout auf einer Almwiese. Erkrankte Bewohner der Almwiese müssen nun viele Kilometer zum ausgebrannten Arzt ins Krankenhaus pilgern.

Insofern scheint das PartnerSystem auch hier eine gute Alternative zu sein. Nach einer kurzen medizinischen Einschulung bekommt der Partner-Betrieb – eine Tankstelle, Schnapsbrennerei oder ein Tabakwarenladen – das entsprechende Equipment zur Verfügung gestellt: Arzt-Partner-Logos, Stempel, Rezeptblöcke, die Basisausstattung für eine Praxis mit Behandlungsliege, Waage und Skelett, zwei weiße Mäntel sowie ein Medikamenten-Starter-Kit.

Je nach Vorbildung und Selbstbewusstsein kann der Arzt-Partner zwischen den Modellen „Safe“, „Regular“ und „Crazy“ wählen. Während es bei der sicheren Variante lediglich darum geht, Überweisungsformulare auszufüllen, kann man bei den anderen Modellen auch schon mal eine kleine Operation im Partnershop durchführen lassen.

Sollten die Patienten mit der Behandlung zufrieden sein, so werden sie vielleicht beim nächsten Aufenthalt im Arzt-Partner-Wartezimmer sicherlich den Umsatz steigern und sich großzügig mit Benzin, Zigaretten oder Schnaps eindecken. Unterm Strich sei also gesagt: Die Post bringt allen was!

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