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Historische Aufnahme des Vivariums, Prater Hauptallee Nummer 1
 
Leben 24. August 2015

Versunkener Palast der Wissenschaft

Die wechselvolle Geschichte der fast vergessenen Biologischen Versuchsanstalt in Wien: vom Aquarium zum Vivarium.

In der Biologischen Versuchsanstalt BVA im Wiener Prater wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts Biologie- und Medizingeschichte geschrieben.

Dort wo bis Ende der 1930-Jahre österreichische Spitzen-Biologen geforscht haben, steht heute ein einstöckiges Gebäude der Stadt Wien: der Schulverkehrsgarten, der von Kiefern umrahmt und von einer Liliputbahn umkurvt wird. Vor 100 Jahren befand sich hier eine der weltweit wichtigsten experimentalbiologischen Forschungseinrichtungen. Die Rolle dieses Instituts war ähnlich bedeutsam wie die des Wiener Instituts für Radiumforschung für die Physik.

Die Botaniker Wilhelm Figdor und Leopold von Portheim sowie der Zoologe Hans Leo Przibram, sie entstammten dem jüdischen Großbürgertum und hatten das Gebäude 1902 aus privaten Mitteln gekauft und adaptiert, forschten an Themen – Stichwort „epigenetische Vererbung“ –, die in jüngster Zeit wieder größte Aktualität haben. Im so genannten „Vivarium“ entwickelte u. a. der Neuroendokrinologe Eugen Steinach „Progynon“, das erste funktionierende Hormonpräparat.Die Vorgängerinstitution des BVA, das sogenannte „Aquarium“, war eine Investition der Wiener Weltausstellung, die 1873 im Prater stattfand: ein pompöser Palast, der etwas abseits der Pavillons eingerichtet wurde. Geplant hatte es der Zoologe Alfred Brehm.

Das Ende

Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 konnten rund zwei Drittel der an der BVA beschäftigten Menschen ihre Arbeit nicht mehr fortsetzen. Sie wurden von den Nazis ausgesperrt und vertrieben, sieben der rund 30 Mitarbeiter kamen im KZ ums Leben, auch das Ehepaar Przibram, das in Theresienstadt starb. In den letzten Kriegstagen wurde das Gebäude der Versuchsanstalt weitgehend zerstört, 1946 die Einrichtung aufgelöst. Die Zerstörung dieser Institution ist eine Tragödie der österreichischen Wissenschaftsgeschichte (bit.ly/1UNNkHZ).

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