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Leben 15. Juli 2015

Hundstage und Job

Es gibt kein Anrecht auf kühlen Arbeitsplatz.

Schwäche, Muskelkrämpfen, Verwirrtheit, Übelkeit und Schwindel, Kreislaufkollaps bis zur Bewusstlosigkeit können die Folge von zu großer Hitze am Arbeitsplatz sein. Ab 26 Grad sind Maßnahmen zu ergreifen.

Extremwetterereignisse wie Starkniederschläge oder Hitzeperioden nehmen aufgrund des globalen Klimawandels messbar zu. Verschiedene Klimamodelle gehen in einer Vorausberechnung davon aus, dass es in den nächsten Jahren bzw. Jahrzehnten zu einer Zunahme der mittleren jährlichen Lufttemperatur um etwa 1°C kommen wird. Die Klimaabteilung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik hat Perioden von 30 Jahren, beginnend mit 1961, an ausgewählten Standorten in Österreich untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Mittelwerte der Hitzetage durchgehend gestiegen sind.

Extreme Hitzeperioden können zu gesundheitlichen Belastungen für Beschäftigte am Arbeitsplatz führen. Angestellte klagen über abnehmende Arbeitsleistung, vermehrte Müdigkeit, Konzentrationsschwächen bis hin zu gesundheitlichen Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bei über +26°C sollen Maßnahmen ergriffen werden. Diese umfassen eine effektive Steuerung des Sonnenschutzes (z. B. Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten), eine effektive Steuerung der Lüftungseinrichtungen (z. B. Nachtauskühlung), die Reduzierung der inneren thermischen Lasten (elektrische Geräte nur bei Bedarf betreiben), die Lüftung in den frühen Morgenstunden, die Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung, die Lockerung von Bekleidungsregelungen, die Bereitstellung geeigneter Getränke (z. B. Trinkwasser). Wird eine Lufttemperatur von +35°C im Raum überschritten, ist der Raum für die Zeit der Überschreitung ohne technische, organisatorische oder persönliche Maßnahmen nicht als Arbeitsraum geeignet.

Einen direkten Rechtsanspruch auf klimatisierte Räume oder „Hitzefrei“ haben die Beschäftigten nicht.

Bei der Hitzeerschöpfung besteht ein hypovolämischer Schock durch Verkleinerung des Extrazellularraums (Dehydratation) und Elektrolytverlust infolge starker Schweißverluste ohne eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, wodurch es zu allgemeiner Schwäche, Muskelkrämpfen, Verwirrtheit, Übelkeit und Schwindel, Kreislaufkollaps bis zur Bewusstlosigkeit kommen kann. Der Hitzekollaps resultiert aus einer Überwärmung des Körpers, die durch Schwitzen nicht ausreichend kompensiert werden kann, sodass das Herz-Kreislauf-System gestört ist. Aufgrund des starken Schwitzens kommt es zu einem Flüssigkeitsverlust mit kompensatorischer Vasokonstriktion. Diese bewirkt in der Peripherie eine Minderdurchblutung, wodurch eine zu geringe zerebrale Durchblutung zu einem Kollaps mit kurzzeitigem Bewusstseinsverlust führen kann.

Der Artikel basiert auf der Veröffentlichung „Hitzebelastung am Arbeitsplatz“ von Dr. Matthias Bundschuh und Dr. Alexander Gerber im „Zentralblatt für Arbeitsmedizin“ 2014, © Springer Verlag.

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