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© Fotograf unbekannt (aus: Anton Holzer: Rasende Reporter. Eine Kulturgeschichte
Massenandrang: „Das interessante Blatt“ machte am 1. Oktober 1931 mit einem Bild von Pressefotografen beim Besuch des französischen Ministerpräsidenten Laval in Berlin auf.
 
Leben 29. Juli 2015

Die Auslöser der Bilderflut

Ein Fotohistoriker zeigt, dass wenige Jahrzehnte nach Erfindung der Daguerreotypie der „rasende“ Reporter geboren wurde.

Um 1900 löste die Fotografie die Pressezeichnung ab. Kaiser Franz Joseph I. nutzte das neue Medium zur Selbstinszenierung des Herrscherhauses.

Fotografie als Open Access-Technologie. Als im August 1839 an der Akademie der Wissenschaften in Paris die Daguerreotypie vorgestellt wurde, wurde sie vom französischen Staat gleichsam als „Geschenk“ der Welt übergeben. Und die war von Anfang an Feuer und Flamme. Der Metternich’sche Geheimdienst war an der neuen Technik höchst interessiert. Aber auch das Kaiserhaus, das ab den 1890er-Jahren zunehmend Aufnahmen im Freien und bei Betriebsbesuchen publizieren ließ, nutzte Fotografen. Und die Mediziner liebten das neue Medium.

Am 4. März 1840 trat die „Gesellschaft der Ärzte“ in Wien zusammen, die älteste wissenschaftliche Vereinigung der Monarchie. Vier ihrer Mitglieder waren an dem Experiment beteiligt. Die Mikroaufnahme vom Durchschnitt eines Pflanzenstängels steht am Beginn der heimischen Fotografiegeschichte.

Wie rasant die Entwicklung voranschritt, zeigt der Band „Rasende Reporter“ von Anton Holzer. Der Fotohistoriker untersucht für den Wissenschaftsfonds FWF die Entwicklung des noch jungen Genres von 1890 bis 1945. Um die Jahrhundertwende hatte die Fotografie die Pressezeichnung abgelöst. In den 1930er-Jahren zirkulierten Pressefotos bereits international. Das Bild unten wurde zwar Ende September 1931 in Berlin gemacht, aber in Wien gedruckt. Die Fotoagentur Wide World Photo, die es vermarktete, war amerikanischer Herkunft. Was noch? Praktisch alle Pressefotografen arbeiteten 1931 noch mit großformatigen Kameras, als Negative wurden Glasplatten (Format 13 x 18 cm) verwendet.

Anton Holzer, Rasende Reporter – Eine Kulturgeschichte des Fotojournalismus, 496 S., Primus Verlag, 49,40 €, ISBN 978-3-86312-073-3

Martin Burger, Ärzte Woche 27/2015

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