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Leben 19. Juni 2015

Neue Welle von Angriffen gegen medizinische Einrichtungen

Syrien: Seit Mai mindestens zehn Spitäler angegriffen.

Das Busra-Spital in der Provinz Dara wurde zerstört, nachdem es Montagnacht von zehn Fassbomben getroffen wurde. Es ist eines von zehn Spitälern, die seit letztem Monat angegriffen wurden. Das Busra-Spital war die einzige medizinische Einrichtung in der Provinz Dara mit einer Säuglings- und Dialysestation.

„Sie haben das Gebäude um ca. 23 Uhr mit vier Fässern angegriffen, Türe und Fenster zerbrachen dabei. Als wir gekommen sind, hörten wir Hubschrauber, die nach wie vor das Krankenhausgebäude überflogen und evakuierten unser medizinisches Team und die Patienten. Nach einer Stunde wurden sechs weitere Fässer abgeworfen, die die Hälfte der medizinischen Geräte und das Gebäude schwer zerstörten", erklärt einer der leitenden Ärzte des Krankenhauses.

„Einmal mehr rufen wir alle Kriegsparteien auf, die Zivilbevölkerung, medizinische Einrichtungen und Gesundheitspersonal gemäß dem humanitären Völkerrecht zu respektieren" sagt Carlos Francisco, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) in Syrien. „Diese neuen Angriffe auf medizinische Einrichtungen sind inakzeptabel" fügt er hinzu.

Dieser Angriff erfolgte nur wenige Tage nach einem Angriff auf ein Krankenhaus, das von Ärzte ohne Grenzen in Aleppo im Norden Syriens unterstützt wird: Am 10 Juni explodierte eine Fassbombe vor dem Krankenhaus und beschädigte medizinische Geräte, die Spitalsapotheke und alle Fenster und Türen. Die Nachsorgestation des Krankenhauses ist derzeit aufgrund des Angriffs außer Betrieb.

Intensität und Anzahl der Angriffe gegen medizinische Einrichtungen in Aleppo nehmen zu. Ärzte ohne Grenzen hat Berichte über Angriffe auf neun Gesundheitseinrichtungen seit Mai 2015 erhalten. Darunter waren sechs Krankenhäuser, die 40 Prozent der derzeit im Osten Aleppos in Betrieb befindlichen Krankenhäuser ausmachen.

„Spitäler sind vorrangig Zielscheibe, aber vor kurzem wurden auch Krankenwagen mit Raketen angegriffen, und Gesundheitszentren wurden ebenfalls beschossen" erklärt einer der Ärzte, der in Aleppo in dem von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Krankenhaus arbeitet. Der Angriff in Aleppo war bereits der dritte auf dieses Krankenhaus in diesem Jahr und laut Personal der heftigste und folgenschwerste.

„Das medizinische Team war zum Zeitpunkt des Angriffs im Krankenhaus, und einer der Ärzte wurde verletzt. Das Personal arbeitet nun selbst nach diesem Angriff weiter. Es ist normal, Angst zu haben, aber wir fühlen uns verpflichtet, weiterzumachen. Als medizinisches Personal in Aleppo sind wir enttäuscht, weil die Welt zusieht, ohne  zu handeln und uns zu schützen. Wir müssen vor solchen Angriffen geschützt werden. Diese Situation ist sehr schwierig und schmerzhaft" fügt der Arzt hinzu.

Die Angriffe mit Fassbomben  haben medizinische Geräte, Medikamentenlager und Generatoren zerstört und dazu geführt, dass medizinische Einrichtungen in Aleppo vorübergehend oder permanent schließen mussten. Wenn medizinische Einrichtungen schließen müssen, suchen Patienten nach Alternativen - diese werden aber immer weniger. Medizinisches Personal flieht, und viele Medikamente stehen nicht mehr zur Verfügung.

„Es herrscht ein Mangel an medizinischem Personal, weil die Mehrheit der Ärzte und Ärztinnen aufs Land oder in die Türkei geht. Wenn die Angriffe weitergehen, gehe ich davon aus, dass die meisten Ärzte und Ärztinnen weggehen werden" so Francisco weiter.

Ärzte ohne Grenzen/TF, springermedizin.at

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