zur Navigation zum Inhalt
© Martin Burger
Ronny Tekal erläutert Ärzte Woche-Redakteur Philip Klepeisz, warum es sich lohnt, Bücher zu schreiben.
© Thomas Kainrath

Dr. Ronny Tekal mit seinem Partner Mag. Norbert Peter, der eher die Rampensau rauslässt.

© Thomas Kainrath
 
Leben 10. Juni 2015

Dr. Ronnys Gespür für Schmäh

Er spielt den Weißclown, obwohl er keine Weißclowns mag.

Ronny Tekal spricht sonst nur über Gott und die Welt. Mit uns aber über sein neues Buch „Sorry, das war ich nicht, das war mein Körper.“

Dein Künstlerleben begann ja schon recht früh. Du hast bereits in der Schule ein Musical gemacht. Wie kam es dazu?

Tekal: Ich stamme aus einer kreativen musikalischen Familie. Meine Eltern kommen aus der klassischen Musik. Ich selbst spiele Cachon, Gitarre und Klavier. So kam es auch, dass ich bereits während der Schule Singspiele gemacht habe. Während des Studiums habe ich dann mit Leuten aus dem Konservatorium Musicals aufgeführt und etwas kabarettistisch gearbeitet. Als junger Arzt bin ich dann im größeren Stil auf der Kabarettbühne gestanden. So gesehen habe ich immer ein künstlerisches Zweitleben geführt.

Wie lange machst du schon Cabaret?

Tekal: Seit fast 20 Jahren stehe ich mit dem Norbert Peter gemeinsam auf der Bühne und mache Cabaret. Seit sieben oder acht Jahren machen wir thematisch ausschließlich Medizin-Cabaret.

Gibt es medizinische Themen, die du nicht ins Programm nimmst?

Tekal: Nur Themen, mit denen ich mich als Allgemeinmediziner nicht selbst beschäftige. Wir haben lange überlegt, welche Themen wir humoristisch behandeln dürfen und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir alle aufgreifen können.

Ich finde, wenn Humor respektvoll gebracht wird und wenn man Respekt für die Sache und die Personen hat, dann darf man ruhig angriffig sein. Das kann bis an Grenzen gehen, um generell mehr Humor ins Krankenhaus zu bringen, also auch in onkologische Stationen, wie man bei den Klinik-Clowns sieht. Das funktioniert und es hat seinen Platz. Oder wie der Nestroy sagte: „Das geht bis zum Schluss – wenn alle Stricke reißen, dann häng’ ich mich auf.“

Habt ihr auf der Bühne Indikator-Pointen, mit denen ihr das Publikum testet?

Tekal: Es gibt schon gewisse Schmähs, die vom Publikum abhängig sind. Wir spielen ja für die breite Öffentlichkeit, also für Laien und Patienten. Wir treten aber auch rein für Fachpublikum auf, beispielsweise auf medizinischen Fachtagungen.

Es kommen mitunter ganze Abteilungen zu uns ins Cabaret. Wenn man bestimmte Pointen gut auftitriert, kann man genau sehen, wie sich das Publikum zusammensetzt – wieviel Patienten, wieviel Ärzte, wieviel Krankenhauspersonal. Man haut also ein Pointen-Teststreiferl ins Publikum und bekommt dann eine Spektralanalyse der Anwesenden.

Du hast aufgehört zu ordinieren und deinen Namen geändert, was bedeutet, dass du auch deine Trademark verloren hast. Kannst du nur von der Kunst leben?

Tekal: Von der Kunst zu leben ist eine Kunst, aber es geht. Medizinisches Cabaret funktioniert. Selbst auf Kongressen, bei denen man aufgrund der Compliance nicht mehr lustig sein darf. Da dürfen weder Kabarettisten noch Zauberer auftreten. Selbst da decken wir ein bisschen etwas ab. Da mache ich beispielsweise einen Vortrag, der auch lustig sein darf, über die Beziehung Ärzte-Patienten und über die Möglichkeit, die Compliance zu verbessern.

Es verstehen ja viele nicht, dass auch bei Kongressen die Leute unterhalten werden wollen. Da passiert oft Unglaubliches: Da haben sie die ärgsten Zampanos, einen Kongress wo es jeden Gschisti-gschasti gibt und der gefühlte vier Milliarden Euro kostet, dann stellt sich einer hin, redet eine Dreiviertelstunde und hat 40.000 Slides die keine Socke interessieren. „Das brauchen sie sich jetzt nicht anschauen, diese Zahlen.“ Da bin ich immer perplex.

Jedenfalls, ich kann aufgrund der Kombination von Cabaret, dem Schreiben und der Radiomoderation von der Kunst leben. Ich habe ja auch eine Kolumne in einer der wichtigsten österreichischen Wochenzeitschrift; Name der Redaktion bekannt.

Was war das härteste Publikum?

Tekal: Ganz schwierig sind die Leute aus der Werbebranche, die selbst kreativ sind – „Die mia san leiwand Partie.“ Bei der Ärzteschaft ist es unterschiedlich. Die können gut über sich selber lachen, auch wenn man ihnen den berühmten Spiegel vorhält. Aber sie halten ihn halt so ein bisschen schief, dadurch sieht man den Kollegen und über den kann man viel besser lachen.

Das schwierigste Publikum hatten wir zu Beginnzeiten in den 1990er-Jahren. Da haben wir eine Veranstaltung für eine Bettenstation in einem Altenheim bestritten. Wir dachten anfangs, das ist eine Benefizveranstaltung, um Geldspenden zu bekommen. Da haben die Pfleger plötzlich Betten in den Speisesaal gekarrt. Während der Vorstellung hat sich nur eine Einzige bewegt; und die hat nur versucht, ihren Apfelstrudel zu essen. In so einer Situation muss man ein Profi bleiben. Seit damals ist jedes Publikum gut … es konnte nur besser werden.

Du wurdest eher als nachdenklicher ruhiger Typ beschrieben. Wie schafft es so jemand, auf der Bühne die Rampensau rauszulassen?

Tekal: Ich weiß das auch nicht. Als Kind war ich wahnsinnig schüchtern. Ich hätte in der Volksschule einmal den Josef spielen sollen – das kam für mich überhaupt nicht infrage. Das kam erst später, da merkte ich, dass ich mich souverän auf der Bühne bewege. Ich mache auch liebend gerne die Moderation für Gesprächsrunden im Radio oder auf Kongressen. Heute habe ich keine Probleme aus mir rauszugehen.

Tendenziell bin ich ein eher Ruhigerer, aber die Schüchternheit ist weg. Das kam mit der Bühnenerfahrung und zieht sich bis ins Privatleben.

Das schleift sich ein bisschen ab?

Tekal: Ja, das härtet ab. Das ist ja so, wenn ich irgendwo eingeladen bin etwa zu einer Hochzeit, dann passiert das relativ rasch, dass einer kommt und sagt:„Heast du bist lustig – kannst du was sagen?“ Und plötzlich halte ich die Hochzeitsansprache, obwohl ich eigentlich nur essen und trinken wollte.

Im Cabaret übernimmt die Rolle der Rampensau eher mein Partner der Norbert Peter. Er macht Grimassen usw. Ich bin eher der Weißclown, obwohl ich keine Weißclowns mag. Ich habe zumindest einen weißen Mantel an.

Lass uns über das Bücherschreiben reden. Du hast schon zwei Bücher geschrieben. Warum?

Tekal: Ich habe Kinder, ich habe ein Haus gebaut, ein Buch geschrieben und einen Baum gepflanzt ... umgeschnitten. Diese Dinge sollte man ja gemacht haben.

Außerdem habe ich ein irrsinniges Sendungsbewusstsein und die ärztliche Gewohnheit, alles nieder schreiben zu müssen. Das Bücherschreiben macht mir Spaß und ist für mich sehr kontemplativ. So gesehen sind die Bücher sehr erfolgreich, noch bevor sie jemand gelesen hat. Ich werde jetzt nicht reich mit ihnen, aber das wäre der nächste Schritt.

Wenn du dir manchmal die „Was gibt es Neues“-Abendshow anschaust, wärst du da auch gerne dabei?

Tekal: Bekanntheit und Qualität sind zwei paar Schuh. Es gibt viele Kabarettisten, die nicht davon leben können. Die treten in kleinen Kellerbühnen auf, und ich denke mir: Bist du deppert, sind die gut. Dann gibt es auch andere, die ich nicht so toll finde, aber trotzdem viel Zulauf haben.

Aber das ist überall so, nicht nur beim Cabaret. Wenn man schauen will, wie man am besten unglücklich werden kann, dann muss man sich einfach jeden Tag aufs Neue vergleichen – mit Leuten, die jünger und erfolgreicher sind als man selbst. Ab und an passiert mir das schon, dass ich mir denke: „Herrschaftsseiten, warum? Das gibt’s ja ned.“ Warum der und ich nicht, aber dieses Hadern ist eine Sache, die in jedem drin ist und sie bringt einen nicht voran.

Freilich ist jeder TV-Auftritt ein Schub. Jedoch ab dem Moment, an dem man nicht nicht mehr dort ist, ist man wieder unter dem öffentlichen Radar. Es gibt ja auch Leute, die im Fernsehen bekannt sind und dann zur Bühne wechseln. Dann glauben die Leute, die sind weg. Also die machen nichts mehr – entweder gestorben oder haben sich zurückgezogen auf die einsame Berghütte. Kommt er dann nach fünf Jahren zurück, stellt das Publikum fest, „der war eh aktiv – nur ned im Fernsehen“

Jedenfalls sind wir immer wieder am Bildschirm, aber ich bin vom Typ her ein totaler Familienmensch. Das spießt sich etwas mit meinem Beruf, da ich es liebe, zuhause bei meiner Familie zu sein. Abendtermine habe ich bereits die Cabaretspiele. Darüber hinaus bin ich nicht so der abendliche Socializer. Das braucht man aber gerade in dem Job. Mein Beruf lebt natürlich auch davon, berühmt zu sein. In einigen Gebieten Österreichs sind wir weltberühmt.

Das Gespräch führten DI Dr. Philip Klepeisz und Mag. Martin Burger.

Zur Person

Dr. Ronny Tekal

Arzt, Medizinkabarettist und Radiomacher. Verfasst Satire-Kolumnen in der Ärzte Woche und im „Ärztemagazin“. Im ORF ist er der Radiodoktor. Das Comedy-Duo Peter & Tekal-Teutscher setzt Highlights mit „Nebenwirkungen“ und „Patientenflüsterer“.

www.medizinkabarett.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben