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Töchter dominanter Männchen wählen niederrangige Männchen für die Fortpflanzung.
 
Leben 6. Juni 2015

Keine Inzucht bei Berggorillas

Genetische Studien belegen, dass dominante Männchen keine Nachkommen mit ihren eigenen Töchtern zeugen.

Einige weibliche Berggorillas verlassen ihre Geburtsgruppe nicht und bleiben in der Gesellschaft ihrer Väter. Um dem Geschlechtsverkehr mit ihnen aus dem Weg zu gehen und Inzucht möglichst zu vermeiden, wenden die Weibchen taktische Maßnahmen an.

Während der „Amtszeit“ des Alphamännchens einer Gruppe erreichen viele seiner Töchter die Geschlechtsreife und könnten sich theoretisch mit ihm fortpflanzen. Daher verlassen drei von fünf weiblichen Gorillas üblicherweise ihre Geburtsgruppe, um in einer anderen Gruppe einen Geschlechtspartner zu finden. Ähnlich verhält es sich bei den Gorillas im Karisoke Forschungszentrum in Ruanda, die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut erforschen.

Um bei 97 Berggorillas die Vaterschaft zu bestimmen, führten die Forscher genetische Analysen von Kotproben durch. Unter diesen Berggorillas befanden sich 79 Nachkommen von vier Berggorilla-Gruppen. Die Studie zeigt, dass sieben von zehn Nachkommen (72 %) einer Gruppe, in der sich mehr als ein Männchen befindet, vom dominanten Männchen gezeugt wurden. Das Alphamännchen war jedoch in keinem Fall der Vater eines Nachkommens der eigenen Tochter. Angehörige von Gruppen mit mehreren Männchen können Inzucht jedoch nicht komplett vermeiden. Analysen zeigen, dass die Eltern von neun der 79 Nachkommen wenigstens Halbgeschwister gewesen sind. Das bestätigt aktuelle Ergebnisse, die besagen, dass es bei den Berggorillas wenig genetische Variation und Anzeichen für Inzucht gibt.

Obwohl weibliche Gorillas viel kleiner sind als männliche, spielen sie eine aktive Rolle bei der Partnerwahl, und die Initiative zum Geschlechtsverkehr geht oft von ihnen aus. Doch woher wissen Vater und Tochter von ihrer Blutverwandtschaft, um einander dann in Liebesdingen die kalte Schulter zeigen zu können? Das Forscherteam hat herausgefunden, dass sich die Töchter dominanter Männchen mit niederrangigen Männchen fortpflanzen, die wesentlich jünger sind als ihre Väter. Die Weibchen scheinen also nach dem Motto zu verfahren: Paare dich lieber mit jungen Männchen, denn die können nicht dein Vater sein. Zudem meinen die Forscher, dass auch der relativ lange Zeitraum, den noch nicht geschlechtsreife Weibchen in der Gesellschaft des dominanten Männchens verbringen, ihnen letztlich dabei hilft, ihren biologischen Vater als solchen zu erkennen. Außerdem bevorzugen dominante Männchen als Partner ältere Weibchen, die erfahrene Mütter sind.

Originalpublikation: Linda Vigilant et al. Behavioral Ecology and Sociobiology; 20 May, 2015

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