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Leben 29. Mai 2015

Die billigen Verführer

Einstieg in die Raucherkarriere mit geschmuggelten Zigaretten.

Österreichs Lungenfachärzte warnen anlässlich des Welt-Nichtrauchertages am 31. Mai besonders vor dem Konsum geschmuggelter Billig-Zigaretten durch Jugendliche. Denn gerade junge Menschen, die besonders aufs Geld achten müssen, werden durch den geringeren Preis illegal importierter Zigaretten zum Rauchen verführt. Neben den nicht abschätzbaren gesundheitlichen Folgeschäden dieser Schmuggelzigaretten, deren Herkunft zumeist unklar ist, entstehen aber auch massive Folgekosten für die heimischen Steuerzahler.

Die WHO hat den Welt-Nicht-Raucher-Tag 2015 unter das Motto „Stop illicit trade of tobacco products" gestellt. Für die WHO ist das Thema illegaler Zigaretten „von eminenter Bedeutung, da ja sowohl gesundheitliche, ökonomische wie auch gesetzliche Probleme damit verbunden sind", so Prim. Dr. Josef Bolitschek, Leiter des Arbeitskreises Umwelt-, Arbeitsmedizin und Tabakrestriktion der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). „Wir unterstützen hier die WHO vollinhaltlich, wobei wir gerade in Österreich die Problematik sehen, dass Jugendliche, die wenig Geld zur Verfügung haben, durch den niedrigen Preis illegal importierter Zigaretten zum Rauchen verführt werden. Daher ist es uns ein besonderes Anliegen, auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen, weil dadurch ‚Raucherkarrieren' mit all ihren gesundheitlich Folgeschäden beginnen." Prof. Dr. Michael Studnicka, Präsident der ÖGP, ergänzt: „Als LungenfachärztInnen sehen wir die erschreckenden Auswirkungen des Rauchens in unserer täglichen Arbeit mir unseren PatientInnen. Gerade aus diesem Grund ist es ein zentrales Ziel der ÖGP, insbesondere bei Jugendlichen den Zigarettenkonsum einzudämmen."

Schmuggelzigaretten als internationales Problem

Illegal importierte Zigaretten sind jedoch nicht allein ein Problem von armen Staaten, in denen billige, geschmuggelte Tabakprodukte auf den Markt gebracht werden, sondern es ist ein Problem der gesamten Welt, da es kaum einen Staat gibt, der von diesem Problem nicht betroffen ist.

Laut der Studie „Project Star 2012", die im Auftrag eines Kooperationsabkommens zwischen Philip Morris International, der Europäischen Union und den EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt wurde, wurden in den 27 Mitgliedstaaten der EU 65,5 Milliarden Zigaretten geraucht, die aus illegalen Quellen stammten, das ist in etwa 11,1 Prozent des Gesamtkonsums. Auch Österreich ist von diesem Problem massiv betroffen. So wurden beispielsweise vor einigen Monaten von der Zollfahndung Graz 1,3 Millionen Zigaretten im Wert von 250.000 Euro sichergestellt.

Kosten für österreichische Steuerzahler: hunderte Millionen

Basierend auf den Daten von „Project Star 2012" wurden 17,9 Prozent aller im Jahr 2012 in Österreich konsumierten Zigaretten nicht im Inland versteuert. Damit liegt Österreich auf Rang 10 der am stärksten betroffenen europäischen Länder. Der dem österreichischen Fiskus entstehende Schaden wird auf zwischen 150 und 330 Millionen Euro geschätzt. Durch die billigen, illegalen Tabakprodukte werden aber auch Gesundheitsprogramme und politische Maßnahmen der Tabakkontrolle, die durch Tabaksteuern finanziert werden, unterlaufen.

Zusätzliche Gesundheitsrisiken

Ein weiteres Problem bei den illegalen Zigaretten ist das mögliche Vorliegen einer Markenproduktpiraterie, sprich: Man kann sich nicht sicher sein, ob es sich bei den „Illegalen" nicht um gefälschte Zigaretten handelt. Auch wenn das Problem in Europa hauptsächlich Zigaretten betrifft, die von einer legalen Tabakfirma produziert wurden und von einem Land mit niedrigen Zigaretten-Preisen in ein Land mit höheren Preisen geschmuggelt werden, tauchen auch bei uns immer wieder „Müllzigaretten" mit obskuren Inhaltsstoffen auf. Bei diesen gefälschten Zigaretten, die zumeist unter katastrophalen hygienischen Bedingungen und abseits aller geltenden Qualitätsvorschriften produziert werden, ist besondere Vorsicht geboten.

Denn neben all den schädlichen Inhaltsstoffen, die jede legale Zigarette per se schon enthält, kommt bei den illegalen Zigaretten die Unsicherheit hinzu, was man unter Umständen an weiteren gesundheitsschädigenden Stoffen mit dem „blauen Dunst" sonst noch einatmet. Immer wieder zeigen Labor-Untersuchungen, dass gefälschter Zigaretten Teer, Nikotin, Kohlenmonoxid und vor allem auch Pestizide in weit überhöhten Konzentrationen aufweisen. Daneben werden immer wieder „Zugaben" wie z.B. Ratten- und Mäusekot, Mäusefell, Milben, Insekten, Metallteile, Gummiteile aus Autoreifen, Nylonfäden und andere Plastikteile gefunden. Der Begriff „Müllzigaretten" scheint also durchaus treffend zu sein.

Gefälschte Zigaretten leicht zu erkennen

Die illegalen Importe tauchen weder in Trafiken noch im offiziellen Verkauf auf. Im Gegenteil: Trafikanten sind neben den Patienten und Patientinnen und dem österreichischen Finanzamt die Leidtragenden der illegalen Zigarettenimporte. Zur Erkennbarkeit der gefälschten Zigaretten: Häufig sind die Beschriftungen auf diesen Zigarettenpackungen gar nicht oder nur stümperhaft den österreichischen Aufschriften nachempfunden. Die Warnhinweise stehen meisten in englischer Sprache auf den gefälschten Packungen.

ÖGP will Bewusstsein für die Gefährlichkeit schaffen

Ziel der ÖGP ist es, in erster Linie Bewusstsein dafür zu schaffen, dass illegale Tabakprodukte in einem noch stärkeren Ausmaß als legale Zigaretten Menschen gesundheitlich schädigen. „Insbesondere", so Bolitschek „eben junge Menschen, aber auch Menschen aus niedrigen Einkommensgruppen, die durch den niedrigen Einkaufspreis und somit vermehrter Leistbarkeit verstärkt in Versuchung geführt werden."


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