zur Navigation zum Inhalt
© privat
Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 26. Mai 2015

Kriterien für den idealen Arzt

Der Versuch, es allen recht machen zu wollen bzw. alle Anforderungen eines perfekten Mediziners gerecht zu werden, ist der beste Weg, ins Burnout zu schlittern.

Natürlich wollen Ärzte in erster Linie heilen. Das haben wir immerhin dem Herrn Hippokrates versprochen oder zumindest dem Universitätsrektor, der die Einhaltung dieses Versprechens vermutlich etwas besser überprüfen kann, als der alte Grieche. In zweiter Linie wollen wir aber um ein kleines bisschen besser heilen, als die Kollegen. Mit dem hehren Ziel, dem Idealbild eines Mediziners gerecht zu werden. Doch das Ideale liegt stets im Auge des Betrachters, wie man folgender Aufstellung entnehmen kann:

 

Kriterien: Der ideale Arzt …

(für die medizinischen Fachgesellschaften) … verschreibt die beste Therapie – evidenzbasiert – oder überweist zeitgerecht, also gleich nach der Begrüßungsfloskel „Was kann ich für Sie tun?“ an einen Spezialisten.

(für die pharmazeutische Industrie) … verschreibt die neueste Therapie.

(für die Krankenversicherung) … verschreibt die billigste Therapie.

(für das Krankenhausmanagement) … ist ein chirurgisch tätiger Mediziner mit guten Kontakten zur High-Society und zu betuchten Patienten mit Migrations- und Ölhintergrund, die denken, dass die Menge des Goldes am Eingangsportal mit der Qualität der medizinischen Eingriffe korreliert.

(für die Patienten) … ist rund um die Uhr verfügbar, dennoch ausgeschlafen, freundlich und kompetent, bietet kostenfrei Zusatzleistungen an und kooperiert bei der Erstellung von Krankenständen an Fenstertagen.

(für die Ärztekinder – kleinere Exemplare) … ist in der Lage, aus ein paar Gramm radioaktiven Materials ein Supermonster zu erschaffen; oder hat zumindest ein Blaulicht am Familien-Auto.

(für die Ärztekinder – Teenager) … ist nicht peinlich.

(für die Partner – gute Beziehung) … ist öfter zu Hause, als in der Klinik.

(für die Partner – verbesserungswürdige Beziehung) … ist öfter in der Klinik, als zu Hause.

(für die Mitarbeiter – gute Beziehung) … ist öfter in der Klinik, als zu Hause.

(für die Mitarbeiter – verbesserungswürdige Beziehung) … ist öfter zu Hause, als in der Klinik.

(für leistungsorientierte Abteilungsvorstände) … ist öfter in der Klinik, als in der Klinik.

Sollte nun mancher Leser verwirrt sein, so spiegelt dies lediglich den geistigen Zustand eines Mediziners wider, der versucht, sämtliche Anforderungen an einen idealen Arzt zu erfüllen und tagtäglich daran scheitert. Wenn dieses Scheitern noch dazu nicht einmal Spaß macht, sollte man vielleicht ein paar gröbere Veränderungen im Lebensplan vornehmen. Haben Sie hingegen tagtäglich Freude am Scheitern, so sind Sie geeignet für diesen Job.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben