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Leben 26. Mai 2015

Rollatoren im Baumarkt kaufen

Auf die demografische Entwicklung versucht sich nun auch der Handel einzustellen.

Den Rollator gibt es im Baumarkt, den Gehstock und das Handy mit extragroßen Tasten beim Discounter: Immer mehr Händler entdecken die Senioren als Zielgruppe.

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, sieht in der demografische Entwicklung „eine enorme Herausforderung“ für den Handel. Die Unternehmen müssten ihre Geschäftsmodelle anpassen und ihre Strategien „demografiefest“ machen. Das betreffe die Sortimente, aber auch die angebotenen Dienstleistungen und den Umgang mit den Kunden.

Und auch Aldi Nord (Hofer in Österreich) ist dabei. Bei dem Discounter gab es kürzlich Rollatoren, Badewannensitze samt Einstiegshilfen und Gehstöcke im Angebot. Allerdings musste der Discounter auch feststellen, dass das Geschäftsfeld seine Tücken hat. Denn kaum auf dem Markt, musste Aldi-Lieferant Aspiria tausende Rollatoren zurückrufen. Es bestehe die Gefahr, dass der Rückengurt bei starker Belastung seitlich einreiße und dadurch ein Sturz hervorgerufen werden könne, warnte die Firma.

Doch wird dies den Trend zu mehr Angeboten für Senioren nicht stoppen. Auch die Baumarktkette Globus macht den klassischen Sanitärgeschäften schon einige Zeit mit Rollatoren, erhöhten WC-Sitzen und Badewannen-Liften Konkurrenz. Selbst Elektro-Scooter sind im Angebot. Lidl hat Rollatoren ebenfalls zumindest in seinem Online-Shop vorrätig.

Laut einem deutschen Trendforschungsinstitut ist diese Entwicklung gleich aus zwei Gründen positiv. Zum einen haben Discounter und Baumärkte eine große Einkaufsmacht und können deshalb oft günstigere Preise anbieten. Doch fast noch wichtiger scheint ein anderer Aspekt zu sein: Die Hemmschwelle wird für den Kauf der Produkte drastisch gesenkt und die Stigmatisierung weitgehend aufgehoben.

Reiferen Jahrgänge als Kunden

Einige Händler stellen sich inzwischen voll und ganz auf die reiferen Jahrgänge ein. Die Modekette Adler etwa konzentriert sich bewusst „auf die reife und loyale Kundenzielgruppe im Alter ab 45 Jahren“. Und sie hat damit Erfolg. Während der deutsche Textilhandel insgesamt 2014 unter der mangelnden Kauflust der Bundesbürger litt, konnte Adler seinen Umsatz weiter steigern und legte auch beim Gewinn kräftig zu. Um die älteren Kunden zufriedenzustellen, tut das Unternehmen einiges. So werden etwa Umkleidekabinen ein bisschen größer, die Ruheecken etwas ruhiger, die Zahlen auf den Preisschildern etwas größer gestaltet, so ein Bericht in der Fachzeitschrift

Hilfestellung bei der demografischen Neuausrichtung soll dem Handel in Deutschland das Siegel „generationenfreundliches Einkaufen“ geben. Hier können Geschäfte prüfen lassen, wie gut sie auf die Herausforderungen vorbereitet sind. Ist zwischen den Regalen genug Platz für Rollatoren oder Kinderwagen?

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