zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 18. Mai 2015

Attraktive Gesichter fesseln den Blick

Während die Augenbewegungen der Männer schneller bei Frauengesichter reagieren, zeigen Frauen keinen Geschlechterunterschied.

Aus der Attraktivitätsforschung ist schon länger bekannt, dass bestimmte Merkmale, wie etwa die Symmetrie eines Gesichts, allgemein als schön bewertet werden. Weniger bekannt ist, ob das, was man schön findet, auch unwillkürlich die Aufmerksamkeit beeinflusst. Psychologen der Universität Wien sind dieser Frage nachgegangen.

Die Forschergruppe um den Kognitionspsychologen Prof. Dr. Ulrich Ansorge hat untersucht, ob die Attraktivität von Gesichtern Auswirkungen auf Aufmerksamkeit und auf schnelle, sprunghafte Augenbewegungen hat – und ob es hierbei möglicherweise Geschlechtsunterschiede gibt.

In zwei Experimenten haben sie 80 Probanden unterschiedlich attraktive Gesichter von Männern und Frauen am Computer gezeigt. Den ersten 40 Teilnehmern erschienen nach einer Sekunde zusätzlich ein Punkt auf dem Bildschirm und die Aufgabe der Probanden bestand darin, so schnell wie möglich auf diesen Punkt zu schauen. Es wurde registriert, wie lange es dauerte, bis der Punkt fixiert wurde und welche Augenbewegungen dabei erfolgten. Nach Abschluss mehrerer Versuchsdurchgänge beurteilten die Probanden zusätzlich alle Gesichter hinsichtlich ihrer Attraktivität. Es zeigte sich, dass die Aufmerksamkeit von attraktiven Gesichtern langsamer abgewandt wurde als von weniger attraktiven Gesichtern. Betrachter bleiben bei einem schönen Gesicht also länger „hängen“.

Im zweiten Experiment wollten die Forscher wissen, ob schöne Gesichter die Aufmerksamkeit bei Frauen und Männern in gleichem Maße anziehen. Dazu wurden 20 Frauen und 20 Männern am Bildschirm gleichzeitig zwei schöne Gesichter unterschiedlichen Geschlechts gezeigt. Zunächst sollten sie einen Punkt in der Mitte des Bildschirms zwischen den Gesichtern fixieren. Nach kurzer Zeit erschien um ein Gesicht ein grüner und um das andere ein gelber Rahmen. Die Beteiligten sollten ihren Blick so schnell wie möglich auf das Gesicht im gelben Rahmen lenken. Mal befand sich im gelben Rahmen das Gesicht einer schönen Frau, mal das Gesicht eines schönen Mannes.

Unterschiede zeigen sich beim Betrachter

Die Autoren analysierten auch hier wieder Reaktionsgeschwindigkeit und Blickbewegungen. Sie sahen, dass männliche Versuchspersonen schneller auf attraktive weibliche Gesichter als auf attraktive männliche Gesichter reagierten, während es bei weiblichen Versuchspersonen keinen solchen Effekt gab. Frauen reagierten sowohl auf attraktive Männer als auch auf attraktive Frauengesichter ähnlich schnell. Auch die subjektiven Attraktivitätsurteile in beiden Experimenten zeigten, dass Männer Frauengesichter als attraktiver bewerteten als die Gesichter von anderen Männern.

 

Originalstudie: C. Valuch. Using eye tracking to test for individual differences in attention to attractive faces. Frontiers in Psychology 2015; 6:42

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben