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Leben 18. Mai 2015

Fitness und Gesundheitspflege am Strand

Von den Gepflogenheiten der Qingdaoer können wir uns im Westen noch etwas abschauen – Tagebuch Teil 2.

Die „Springer“-Redakteurin Jana Kötter lebt und arbeitet drei Monate lang in China. Diesmal hat sie bei einem Besuch in der Küstenstadt Qingdao über die Fitness-Gewohnheiten der Einheimischen gestaunt.

Aufatmen und Seeluft genießen! Das war unser erster Gedanke, als meine Kollegen und ich zu Beginn der Woche in der ostchinesischen Küstenstadt Qingdao ankamen. Nach der ersten leidvollen Begegnung mit Pekings Smog genossen wir den blauen Himmel und konnten gar nicht genug bekommen von der frischen Meeresbrise.

Damit waren wir nicht die Einzigen: Schon am frühen Morgen war der Strand in der ehemaligen deutschen Kolonie belebt – nicht nur dank der rund 40 Millionen Touristen, die die Stadt jedes Jahr besuchen, sondern vor allem dank der rüstigen Einheimischen, die sich mit ihrer morgendlichen Gymnastik am Strand fithalten.

Da sind Jogger ebenso zu beobachten wie Volleyballspieler, tapfere Schwimmer im noch eisig kalten Meer ebenso wie sanft übende Tai Chi-Gruppen.

Am meisten überrascht hat mich jedoch das Open-Air-Fitnessstudio am Badestrand: Sichtlich in die Jahre gekommen, zum Teil verrostet, die Polster zerschlissen – doch ihren Zweck erfüllen die Fitnessgeräte am Strand noch immer. Gewichte stemmen hier nicht etwa nur junge Bodybuilder, sondern ebenso viele rüstige Rentner, die sich mit dieser morgendlichen Routine fit halten. Respekt!

Dass die Gesundheitspflege im Alltag vieler älterer Chinesen eine große Rolle spielt, habe ich bereits in meiner Wohnanlage in Peking bemerkt, wo meine Nachbarn täglich ihre Runden im Innenhof drehen und sich dort zur morgendlichen Gymnastik treffen.

Hier in der Region kommt neben der täglichen Dosis an Bewegung aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: die Ernährung.

Vielen der Meeresfrüchte, die hier ganz selbstverständlich auf dem Speiseplan stehen, wird in der traditionellen chinesischen Medizin eine gesundheitsfördernde Wirkung zugesprochen; und Fisch, der hier quasi direkt vor der eigenen Haustür gefangen wird und deshalb viel öfter als Fleisch auf den Tisch kommt, ist ohnehin gesund. Das Wichtigste aber: Die Qingdaoer trinken – entgegen der ersten Vermutung – eben nicht nur das Bier, für das sie berühmt sind (immerhin wird das gute „Tsingtao“ in China-Restaurants rund um den Globus gereicht).

Nach dem Sport = vor dem Tee

Viel wichtiger ist für die gesundheitsbewussten Rentner nach ihrem Frühsport die Tasse Tee, die oft noch gemeinsam genossen wird. Als besonders kostbar gilt die Frühjahrsernte des grünen Tees, der in der Region angebaut wird und in diesen Wochen zum ersten Mal in diesem Jahr abgeerntet werden kann.

Keine Frage: Von den Gepflogenheiten der Qingdaoer, da bin ich mir sicher, können sich auch bei uns im Westen viele noch etwas abschauen – ganz gleich ob jung oder alt. Die tägliche Dosis Bewegung tut schließlich auch ohne das Meer vor der Nase gut. Und die Annahme, dass die Seeluft so viel frischer war als das, was wir für gewöhnlich in Peking einatmen, war ohnehin ein Trugschluss: Als wir nach einem vermeintlich „nebligen“ Tag die Luftqualität prüften, wurde uns klar, dass der „Nebel“ Qingdaos an diesem Tag auch der Luftverschmutzung geschuldet war.

Tatsächlich wurden Feinstaub-Werte von über 150 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen – mehr noch als in Peking zur gleichen Zeit. Ein Wunder, was unsere Fantasie, blauer Himmel und ein wenig Meeresrauschen alles bewirken können.

ÄZ/Jana Kötter, Ärzte Woche 21/2015

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