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Leben 11. Mai 2015

Vorsorge im Gepäck

Tropenmediziner und Apotheker sind für die bevorstehende Reisesaison gerüstet.

Ebola, Vogelgrippe, Lepra – das sind die Krankheiten, die von fernreisenden Touristen gefürchtet werden. Tatsächlich relevant, weil viel häufiger, sind aber Diarrhö, Hepatitis, Tollwut, Typhus und Dengue-Fieber.

„Ebola betrifft hauptsächlich Länder, die für den Tourismus nicht erschlossen sind“, sagt Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien. „Die Übertragung erfolgt außerdem ausschließlich durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten Erkrankter. Reisende sind also kaum in Gefahr.“ An Reisediarrhö dagegen erkranken 40 Prozent aller Touristen. Dieses Risiko wird jedoch meist unterschätzt. Wenig bekannt ist auch, dass Influenza die häufigste reiseassoziierte impfpräventable Infektionskrankheit ist.

Eine neue Reisekrankheit ist das Chikungunyafieber. Im vergangenen Jahr hat sich die Verbreitung des Virus auf typische Reiseländern (Karibik) ausgedehnt, wie Wiedermann-Schmidt berichtet. Außer der Vermeidung von Insektenstichen durch Repellents gibt es derzeit keinen wirksamen Schutz vor dieser Infektion.

Personalisierte Reisevorsorge

Bei der Impfversorgung im Rahmen einer Reise sollten zum einen die Standardimpfungen laut den Empfehlungen des Österreichischen Impfplans überprüft werden. Des Weiteren sollte ein individueller Reise-Impfplan erstellt werden, der sich am Reiseziel, an der Aufenthaltsdauer und am Alter und Gesundheitsstatus des Reisenden orientiert. Die Impfvorschriften bzw. –empfehlungen des Ziellandes sind dabei zu berücksichtigen. Die österreichischen Apotheken sind mit einem speziellen EDV-System ausgestattet, das für jedes Urlaubsland und den jeweiligen Reisetypus die empfohlenen Reiseimpfungen und die richtige Reiseapotheke vorschlägt. Dieser Service der Apotheken kann jederzeit in Anspruch genommen werden.

„Wichtig ist eine ausreichende Vorlaufzeit“, sagt Wiedermann-Schmidt. Spätestens vier Wochen vor Reiseantritt sollte man den Arzt aufsuchen, da für viele Impfungen mehrere Teilimpfungen erforderlich sind. „Besonders bei Personen mit Grunderkrankungen muss genügend Zeit für eine ausführliche Reisevorbereitung und Beratung sein.“

Zusätzlich zur Impfversorgung empfiehlt Wiedermann-Schmidt eine allgemeine ärztliche Reiseberatung bezüglich Hygienemaßnahmen, Wasserqualität, Tierkontakt etc. Auch „Safe Sex“ sollte vom Arzt angesprochen werden.

Für Reisende, die immunsupprimierende Medikamente erhalten, gelten besondere Empfehlungen (Patel R et al.: Travel advice for the immunocompromised traveler; Ther Clin Risk Management 2015).

Besonders gefährdet: Sorglose VFRs

Eine besondere Risikogruppe sind laut Wiedermann-Schmidt die sogenannten VFRs (visiting friends and relatives): Reisende, die im Zielland Freunde oder Verwandte besuchen, fühlen sich aus vielen Gründen sicherer als andere Touristen. Sie vertrauen den Informationen des Freundeskreises und der eigenen Erfahrung, suchen deshalb vor der Reise oft gar keinen Arzt auf. Zudem geraten sie im Ausland in engeren Kontakt mit der Bevölkerung und nehmen z. B. oft andere Nahrungsmittel zu sich als andere Touristen. All dies sind Umstände, die laut Wiedermann-Schmidt zu einem höheren Erkrankungsrisiko beitragen.

Reiseimpfungen für die Kleinen

„Wenn ein Kind alle im österreichischen Impfplan empfohlenen Impfungen erhalten hat, dann ist es auch in den gängigen Reiseländern gut vor Infektionskrankheiten geschützt“, sagt Dr. Dietmar Baumgartner, Impfreferent der Ärztekammer Niederösterreich. Das österreichische Gratisimpfprogramm für Säuglinge und Kinder beinhaltet für Reisen in Europa bereits die wichtigsten Impfungen auch für Auslandsreisen. Neben Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Hepatitis B und Hämophilus influenzae ist vor allem die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln zu erwähnen.

Für Reisen in den Süden wird außerdem die Hepatitis-A-Impfung empfohlen, die ab dem vollendeten ersten Lebensjahr entsprechend dem österreichischen Impfplan vorgesehen ist. Natürlich können auch andere Impfungen wie Typhus verabreicht werden.

Für Reisen nach Österreich sollte auch für Kinder ein aufrechter Impfschutz gegen FSME vorhanden sein. Bei langen Auslandaufenthalten im Zuge von Schüleraustauschprogrammen ist es sinnvoll abzuklären, ob Impfungen vom Schulbetrieb vorgeschrieben sind.

Medis ins Handgepäck

Mag. Heinz Haberfeld, Präsident der Apothekerkammer Niederösterreich, hat noch einige praktische Tipps für Reisende:

• Medikamente sollten nicht vor Ort gekauft, sondern schon von zu Hause mitgenommen werden. „Es ist davon abzuraten, sich im Bedarfsfall im Ausland mit unbekannten Präparaten einzudecken“, warnt Haberfeld. „Die Medikamente sind in ihrer Dosierung und Zusammensetzung von Land zu Land unterschiedlich. Außerdem ist die Arzneimittelsicherheit nicht überall so hoch wie in Österreich.“

• Bei Flugreisen gehören die Medikamente, die ständig gebraucht werden, ins Handgepäck. Normalerweise dürfen Flüssigkeiten nur in einem Behälter mit maximal 100 Milliliter an Bord genommen werden. Flüssige Medikamente sind aber von dieser Bestimmung ausgenommen. Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen sollte jedoch auf die Medikamente hingewiesen werden. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, hilft eine Bestätigung des behandelnden Arztes, welche die Erkrankung und die benötigte Medikation bescheinigt.

• Eine Reiseapotheke mitzuführen empfiehlt sich nicht nur bei Auslandsreisen, sondern auch bei z. B. Wanderurlauben in heimischen Gefilden.

Quelle: Pressegespräch „6. NÖ Impftag: Reisemedizin & Reiseimpfungen. Gemeinsame Fortbildung für Ärzte und Apotheker“, Wien, 19. März 2015

Christine Lindengrün, Ärzte Woche 20/2015

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