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© (3) Thomas Kahler
Eine ironische Antwort auf die amerikanische Konsumgesellschaft.

Amerikanische Alltagskultur am Beispiel Essen: Pop Art machtsie zur Kunst.

Wie ein Filmstreifen: Die Ausstellungsarchitekturdes Mouse Museum.

 
Leben 16. März 2015

Obsessives Sammeln

Zeugnisse amerikanischer Alltagskultur bestimmen die Pop Art: Triviale und dennoch skurrile Fundobjekte hat Claes Oldenburg in seinem „Mouse Museum“ versammelt. Im mumok ist es derzeit zu sehen.

Seine „Soft Sculptures“ haben Claes Oldenburg weltberühmt gemacht. Das „Mouse Museum“ beherbergt eine einzigartige Sammlung von Objets Trouvées sowie eigenen Arbeiten aus den 1960er-Jahren. Seine Gesamtkonstruktion und die Exponate selbst wurden, nach einer längeren Tournee durch internationale Ausstellungshäuser, anlässlich der derzeitigen Ausstellung „Ludwig Goes Pop“ im mumok – museum moderner kunst stiftung ludwig wien – aufwändig restauriert und konserviert.

Im Bestand der Stiftung Ludwig, die den Grundstock des mumok in Wien bildet, zählt das „Mouse Museum“ von Claes Oldenburg zu den raumfüllenden Installationen. Seit 2011 war Oldenburgs „Wunderkammer“ auf Reisen: Erste Station war das Museum Ludwig in Köln, dann führte die Reise weiter ins Guggenheim Museum Bilbao und schließlich ins MoMA New York, bevor es nach einem letzten Zwischenaufenthalt im Walker Art Center in Minneapolis wieder zurück nach Wien kam. Dort ist dieses Museum im Museum ein essenzieller Bestandteil der derzeitigen Ausstellung „Ludwig goes Pop“ im mumok, die sich mit dem Pop Art Bestand der Stiftung Ludwig auseinandersetzt. 1972 feierte das „Mouse Museum“ seine Premiere im Rahmen der von Harald Szeemann kuratierten documenta 5. Seither hat es ebenso wie sein kleineres Pendant, der „Ray Gun Wing“-Pavillon, durch diverse, trotz größter Sorgfalt durchgeführte, Auf- und Abbauarbeiten, gelitten. Nach der Rückkehr war nun umfassende Revision längst überfällig.

Umfassende Revision

Im Zuge dessen wurde nicht nur die Außenhülle aus verzinktem Stahlblech sandgestrahlt und anschließend wieder makellos mattschwarz lackiert, sondern auch das Innenleben dieser beiden einmaligen Ausstellungsräume einer Komplett-Renovierung unterzogen. Kein ganz leichtes Unterfangen, hat doch die Gesamtkonstruktion des „Mouse Museum“, bestehend aus einer Innenkonstruktion aus Sperrholz und besagter Stahlblechhülle, immerhin ein Gewicht von drei Tonnen.

Um überhaupt auf Reisen gehen zu können, wurden für die konstruktiven Elemente des von Ohr zu Ohr zehn Meter messenden Ausstellungsraumes zwei Sattelschlepper und zwei Hochseecontainer benötigt. Grundsätzlich ist der Aufbau der gesamten Konstruktion einer Theaterarchitektur nicht unähnlich: Die Innenwände bestehen aus Sperrholz, Material, das Oldenburg ursprünglich aus Transportkisten gewonnen hatte.

„Die gesamte Konstruktion ist tatsächlich einmalig, nur selten wird im internationalen Ausstellungsbetrieb ein Objekt dieser Größe auf Reisen geschickt, da der damit verbundene Aufwand zu groß ist,“ so Olli Aigner vom mumok. Er war mit den umfassenden Renovierungsarbeiten an den konstruktiven Elementen des „Mouse Museum“ maßgeblich betraut und hat es auch auf seiner Tournee begleitet, sowie die technischen Auf- und Abbauarbeiten am jeweiligen Ausstellungsort geleitet und beaufsichtigt.

Die in diesem ungewöhnlichen Ausstellungsraum befindlichen Exponate wurden nach der Rückkehr von den Restauratoren des Hauses vor Ausstellungsbeginn ebenfalls gereinigt und entsprechend konserviert. Etliche dieser aus unterschiedlichen Kunststoffen bestehenden Objekte müssen speziell vor UV-Strahlen geschützt werden, um sie vor dem Zerfall zu bewahren. Die punktuelle Beleuchtung durch Einzellampen war schon früher ausgetauscht worden, da diese für die ausgestellten Objekte nicht ideal war. Die nun verwendeten Leuchtstoffröhren bringen – unterlegt mit einer Graufolie – mit unter 100 Lux demgegenüber eine zusätzliche deutliche konservatorische Verbesserung.

Das Innere des ungewöhnlichen, quadratischen Ausstellungsraumes den Oldenburg als „Geometric Mouse“ und damit als Gegensatz zur allseits bekannten Mickey Mouse bezeichnet hat, erreicht man durch einen kurzen Gang: Die Exponate befinden sich im Innenraum mit dem plexiverglasten umlaufenden Sichtfeld, das einem Filmstreifen nicht unähnlich ist.

Trivial Culture

Die etwa 400 Exponate bilden einen Querschnitt aus skurrilen Objets Trouveés, die das Phänomen Pop-Art illustrieren, kuriose Fundstücke aus der populären amerikanischen Alltagskultur der 1960er Jahre, wie sie oftmals in „Dime Stores“ zu finden waren und dort auch von Claes Oldenburg erworben wurden. In diesem Sammelsurium finden sich auch anatomisch-medizinische Lehrobjekte, gemischt mit etlichen eigenen Klein-Skulpturen Oldenburgs aus Drahtgerüst mit Papiermaché ummantelt und weiß lackiert, die er in seine Arrangements mitintegriert hat. Einige davon, wie etwa die berühmten Ice-Cones oder auch einfache Lichtschalter, wurden von ihm später als Groß-Skulpturen verwirklicht.

Oldenburg setzt dem Konsumdenken seiner Zeit und den in den 1960er Jahren entstandenen Supermärkten nahezu visionär mit seinem „Mouse Museum“ eine ironische Haltung entgegen. Licht und Ton verstärken den beabsichtigten Raumeindruck, der von den schwarzen Wänden und der ebenfalls schwarzen Decke ausgeht. Oldenburg hatte sie ursprünglich textilbespannt ausgeführt, der dadurch erzielte Effekt ergab aber nicht die erwünschte Abgeschlossenheit. Es ist ein Blick in eine andere Welt, die sich im „Mouse Museum“ dem Betrachter erschließt: Gegenstände die vor über 50 Jahren Teil des alltäglichen Lebens waren, finden sich hier in einem Kunstkontext wieder. Über die Jahrzehnte hinweg wurden sie so zu musealen Exponaten. Bis September 2015 kann man das „Mouse Museum“ nun im mumok erleben. Dann geht es nochmals auf Reisen, wenngleich nicht allzu weit: Die nächste Station ist Budapest.

Ausstellung Ludwig Goes Pop

mumok - museum moderner kunst stiftung ludwig wien

bis 13. September 2015

www.mumok.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 12/2015

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