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Leben 10. März 2015

Die Sucht liegt in den Genen

Ob jemand alkoholsüchtig wird, bestimmen Gene und Umwelteinflüsse. Trifft beides zusammen, addiert sich das Suchtrisiko.

Haben Gene oder hat die Umwelt den größeren Anteil am Suchtrisiko? Wie hoch ist das Risiko jeweils, und welche Faktoren außer der Sucht eines Elternteils sind noch bedeutsam? Um diese Fragen zu klären, werden bestimmte Familienkonstellationen untersucht, und zwar solche, bei denen Kinder nicht von beiden leiblichen Elternteilen aufgezogen werden.Dies ist etwa dann der Fall, wenn ein Kind adoptiert wird, wenn es nur von einem Elternteil erzogen wird oder wenn es Stiefeltern bekommt.

Ein Forscherteam um Dr. Kenneth Kendler von den Universitäten in Richmond und Malmö hat sich nun solche Konstellationen in Schweden genauer angeschaut (JAMA Psychiatry 2015; online 7. Januar). Möglich wurde dies durch die zahlreichen nationalen Register, in die neben Familiendaten praktisch sämtliche Diagnosen, Behandlungen und polizeilichen Delikte einfließen.

Insgesamt acht solcher Register untersuchten die Wissenschaftler und analysierten Angaben von über 18.000 adoptierten Kindern, von knapp 172.000 Personen, bei denen mindestens ein Elternteil im Haushalt fehlte (zu 94 Prozent der Vater), sowie fast 108.000 Menschen, die auch von einem Stiefvater oder einer Stiefmutter erzogen wurden. Anhand der Registerdaten konnten sie nun feststellen, wie häufig biologische und nichtbiologische Eltern und wie oft deren leibliche und nicht-leibliche Kinder alkoholsüchtig wurden.

Daten bei Adoptierten erhoben

Wie sich herausstellte, wurden knapp 10 Prozent der Adoptierten mit einem Alkoholproblem auffällig, 16 Prozent der biologischen Eltern hatten ebenfalls ein Alkoholproblem, aber nur etwa 3 Prozent der Adoptiveltern. Schauten sich die Forscher die alkoholsüchtigen Adoptierten genauer an, dann war bei diesen sowohl gehäuft ein biologischer als auch ein nicht-biologischer Elternteil alkoholkrank.

Ist ein Erzeuger alkoholsüchtig, so haben Adoptierte nach diesen Daten ein 46 Prozent erhöhtes Risiko, später ebenfalls einen schädlichen Alkoholkonsum zu haben. Um 40 Prozent war das Risiko erhöht, wenn die Adoptiveltern alkoholsüchtig werden.

Faktor Kriminalität

Legen also Familie und Gene in ähnlicher Weise das Risiko für eine Alkoholerkrankung fest? Die Antwort lautet: Nicht unbedingt. Dies wurde deutlich, wenn sich die Forscher noch weitere Risikofaktoren für eine Alkoholsucht anschauten.

So war die Alkoholismus-Rate auch bei den Adoptierten erhöht, deren biologische und nicht-biologische Eltern andere Drogen konsumierten, sich scheiden ließen, kriminell wurden oder psychische Probleme hatten. Diese Faktoren wogen zwar nicht so schwer wie eine Alkoholsucht der biologischen und nicht-biologischen Eltern, in der Summe beeinflussten sie die Alkoholismusgefahr der Adoptierten aber deutlich stärker, und sie waren wesentlich stärker genetisch determiniert.

Letztlich haben genetische Faktoren nach den Daten der amerikanisch-schwedischen Forscher einen doppelt so großen Einfluss auf die Gefahr, an einer Alkoholsucht zu erkranken, wie Umweltfaktoren.

Interessant ist, dass etwa drei Viertel der Alkoholkranken männlich waren, der genetische Einfluss alkoholkranker Mütter auf den Nachwuchs schien hingegen deutlich ausgeprägter zu sein als der der Väter. Ein ähnliches Bild ergab sich in den anderen beiden untersuchten Gruppen.Auch nach diesen Daten hängt das Risiko, im Laufe des Lebens alkoholsüchtig zu werden, stark von Alkohol- und Drogenproblemen sowie von Gesetzeskonflikten der biologischen als auch der nicht-biologischen Eltern ab.

Die Ergebnisse deuten zudem darauf, dass sich die jeweiligen genetischen und umgebungsbezogenen Risiken addieren. Wer einen alkoholsüchtigen Vater und außerdem einen alkoholsüchtigen Stief- oder Adoptivvater hat, wird selbst große Probleme haben, den Alkoholkonsum zu kontrollieren.

ÄZ (Thomas Müller)/TF, springermedizin.at

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