zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 24. März 2015

Wie wackelig sind Ärzte-Ehen?

Männliche Mediziner lassen sich weniger oft scheiden, wenn sie mehr arbeiten.

Mediziner haben vergleichsweise niedrige Scheidungsraten. Von den in einer US-Studie untersuchten Berufsgruppen hielten nur die Ehen der Apotheker länger. Es wurden aber deutlich mehr weibliche als männliche Ärzte geschieden.

Lange hat man angenommen, dass der zeitraubende und aufreibende Beruf des Arztes zu besonders hohen Scheidungsraten führen könnte. Eine große US-Studie hat jetzt allerdings gezeigt, dass sich Ärzte sogar seltener von ihren Ehepartnern trennen als Angehörige der meisten anderen Berufsgruppen. Dan Ly vom Massachusetts General Hospital in Boston und Kollegen haben in einer retrospektiven Analyse den Vergleich gezogen.

24,3 Prozent wurden geschieden

Die Daten aus repräsentativen Umfragen in den USA aus den Jahren 2008 bis 2013 stammen von 48.881 Ärzten, 10.086 Zahnärzten, 13.883 Pharmazeuten, 159.044 Krankenschwestern, 18.920 Führungskräften im Gesundheitswesen, 59.284 Anwälten und 6.339.310 Angehörigen von Berufsgruppen außerhalb des Gesundheitswesens. Die Teilnehmer mit einem Mindestalter von 25 Jahren, die irgendwann einmal geheiratet hatten, beantworteten u. a. die Frage, ob sie jemals bzw. im vergangenen Jahr geschieden wurden.

Nach Berücksichtigung verschiedener Kofaktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Jahreseinkommen, wöchentliche Arbeitszeit, Dauer der Ehe, Kalenderjahr und Wohnort ergab sich für die Ärzte eine Gesamtscheidungsquote von 24,3 Prozent. Von den Zahnärzten waren 25,2 Prozent geschieden, den Apothekern 22,9 Prozent, den Krankenschwestern 33,0 Prozent und den Führungskräften im Gesundheitswesen 30,9 Prozent. Bei den Anwälten waren 26,9 Prozent der Ehen auseinandergegangen und bei anderen nicht medizinischen Berufen durchschnittlich 35 Prozent. Auch eine Trennung im vergangenen Jahr kam bei den Medizinern seltener vor als bei den Angehörigen der meisten anderen Berufsgruppen.

Wo schlummern die Risiken?

Die multivariate Analyse ergab beim Vergleich mit den männlichen Kollegen eine deutlich höhere Scheidungsrate bei den Ärztinnen, sowohl in der Gesamtquote (aOR 1,51) als auch für das Risiko einer Scheidung im vergangenen Jahr (aOR 1,46). Erstaunlicherweise reduzierte sich bei männlichen Medizinern das Scheidungsrisiko umso stärker, je mehr sie arbeiteten (im Vergleich zu < 39 Stunden Arbeitszeit: 40–49 Stunden: aOR 0,77; 50–59 Stunden: aOR 0,66; > 60 Stunden: aOR 0,59). Bei den Ärztinnen dagegen stiegen die Scheidungsraten mit der Arbeitsbelastung (aOR 1,34; 1,16; 1,10). Diese Unterschiede, so Ly und Kollegen, gelte es weiter zu untersuchen.

 

Originalpublikation: Ly DP et al. Divorce among physicians and other healthcare professionals in the United States: analysis of census survey data. BMJ 2015;350:h706

springermedizin.de, Ärzte Woche 11/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben