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Motorik-Test bei Nagern: Wie lange kann sich das Tier am Gitter halten, bevor es auf weiches Streu fällt? Alkohol reduziert die Fähigkeit drastisch – Oxytocin vermindert jedoch den Effekt von Alkohol.
 
Leben 9. März 2015

Kuschelhormon trotzt dem Alkohol

Oxytocin verringert negativen Einfluss von alkoholischen Getränken auf motorische Fähigkeiten deutlich.

Neurobiologen und Psychologen aus Deutschland und USA konnten erstmals jene Mechanismen aufarbeiten, die den Oxytocin-Wirkungen auf zellulärer Ebene zugrunde liegen.

Viele haben es schon am eigenen Leib erfahren: Schon geringe Mengen Alkohol verschlechtern die körperlichen Fähigkeiten zur Koordination. Dagegen scheint kein Heilmittel gewachsen zu sein. Neurobiologen wissen allerdings, was dahinter steckt. So steigert Alkohol die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA (Gamma-Aminobuttersäure), was zu schweren motorischen Beeinträchtigungen führt.

Wie das internationale Forscherteam um Prof. Dr. Inga D. Neumann, Universiät Regensburg, und Prof. Iain McGregor, University of Sydney, feststellte, ist dies nicht der Fall, wenn Oxytocin im Spiel ist. Die Wissenschaftler untersuchten dazu zunächst das Verhalten von Laborratten. Erhielten die Ratten Alkohol, so konnten sie sich nicht mehr so gut an einem Gitterrost festhalten oder auf einem Laufrad rennen. Zudem bewegten sich generell weniger in offener Fläche. Erhielten die Tiere jedoch zusätzlich Oxytocin, so fielen die Defizite deutlich geringer aus und ihr Verhalten ähnelte eher dem von Tieren ohne Alkohol.

Weitere Experimente zeigten, dass Oxytocin den Einfluss von Alkohol auf spezielle GABA-Rezeptoren – die Rezeptoren des Subtyps A, die eine d-Untereinheit besitzen – blockiert. Dabei verändert bzw. moduliert Oxytocin diese GABA-A-Rezeptoren direkt; wahrscheinlich allosterisch, also direkt am Protein. Studien an Alkohol-Patienten und an Labortieren haben zudem gezeigt, dass Oxytocin auch den Alkohol-Konsum verringern und Entzugssymptome bei Alkoholikern mildern kann.

Die neue Studie offenbart erstmals die Mechanismen, die den Oxytocin-Wirkungen auf zellulärer Ebene zugrunde liegen. Mit den Ergebnissen der Forscher kann somit die Entwicklung neuartiger Medikamente für Alkoholiker – insbesondere während des Entzugs – vorangetrieben werden.

 

Originalpublikation: Michael T. Bowen et al. Oxytocin prevents ethanol actions at d subunitcontaining GABAA receptors and attenuates ethanol-induced motor impairment in rats. PNAS DOI 10.1073/pnas.1416900112

Universität Regensburg, Ärzte Woche 10/2015

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