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Leben 21. Februar 2015

Ohne Alkohol durch die Nacht

Ein Gesetz in Baden-Württemberg verringerte die alkoholbedingten Krankenhausaufenthalte von Jugendlichen.

Im Jahr 2010 trat in Baden-Württemberg eine Regelung in Kraft, die den Alkoholverkauf in Läden in der Nacht nicht mehr erlaubt. Damit sollten Alkoholexzesse unterbunden sowie alkoholbedingte Krankenhausaufenthalte reduziert werden. Forscher aus Berlin und Hamburg konnten nun zeigen, dass dieses Gesetz greift.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben sich die alkoholbedingten Krankenhausaufenthalte von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland innerhalb von zehn Jahren (2002–2010) mehr als verdoppelt. Im März 2010 reagierte Baden-Württemberg mit einem Alkoholverkaufsverbot: Zwischen 22:00 und 05:00 Uhr gehen dort seitdem an Tankstellen, Supermärkten und Kiosken keinerlei alkoholische Getränke mehr über die Ladentische. Nur in Restaurants und Bars ist die Ausschank von Alkohol weiter erlaubt.

Forscher des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin konnten nun zeigen, dass dieses nächtliche Alkoholverkaufsverbot wirkt – wenn auch nicht übermäßig stark: Bei den 15- bis 19-Jährigen und bei den 20- bis 24-Jährigen sind die alkoholbedingten Krankenhauseinlieferungen seit Beginn des Verbots jeweils um etwa sieben Prozent gesunken – am stärksten bei jüngeren Männern. Zudem wurden infolge des Verkaufsverbots weniger Personen aufgrund von Körperverletzungen in Krankenhäuser eingeliefert. Allein in den ersten 22 Monaten nach Inkrafttreten konnten über 700 alkoholbedingte Krankenhauseinlieferungen in Baden-Württemberg vermieden werden.

Als Begründung geben die Autoren an, dass Jugendliche seltener Alkohol auf Vorrat kaufen und meistens auch weniger Geld zur Verfügung haben, sodass sie Alkohol öfter in Supermärkten und Tankstellen kaufen als Erwachsene, die auf Lokale ausweichen können. Daher wirkt das nächtliche Alkoholverkaufsverbot nur bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Bei den älteren Erwachsenen ab 25 Jahren stellen die Forscher dagegen keine signifikante Reaktion fest. Hier könnte auch ein höheres Einkommen und eine eigene Wohnung eine Rolle spielen. Der Alkoholkonsum findet dabei geplanter und weniger in der Öffentlichkeit statt.

Die groß angelegte Studie von HCHE und DIW Berlin hat erstmals die kurzfristigen gesundheitlichen Effekte des Alkoholverkaufsverbots in Baden-Württemberg untersucht. Die Forscher werteten dafür eine 70-Prozent-Stichprobe aller Krankenhauseinlieferungen in Deutschland für die Jahre 2007 bis 2011 aus (Krankenhausdiagnosestatistik). Alleine für das Jahr 2011 analysierten die Forscher Daten von 13 Millionen Krankenhausaufenthalten. Durch den Vergleich mit anderen Bundesländern konnten sie generelle Veränderungen im Alkoholkonsum herausrechnen und auch wirtschaftliche und demografische Veränderungen in den einzelnen Bundesländern berücksichtigen.

Originalpublikation: Jan Marcus und Thomas Siedler. Journal of Public Economics, 2015. http://bit.ly/1DksJUh

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