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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 19. Jänner 2015

Kolumne darf alles

Nach den blutigen Anschlägen auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo stellt sich nun die Frage, wie weit man in der Öffentlichkeit mit satirischen Aussagen gehen darf.

Während die Welt unter Schock steht, reagieren die Cartoonisten auf ihre Weise und karikieren diesen Schock mit lustigen Bildern. Das beeindruckt.

Da ich mich in dieser Kolumne weniger auf religionspolitische Satire spezialisiert habe, sondern eher die Medizin und deren Protagonisten durch den Kakao ziehe, kann ich mich vor Anschlägen weitgehend in Sicherheit wähnen. Und wenn ich mit Worten einen Klinikvorstand karikiere, so wird dies wahrscheinlich die treuen Anhänger des Klinikvorstandes nicht dazu bewegen, den Verfasser der Karikatur zu meucheln. Ja, sogar die Klinikvorstände selbst schmunzeln milde, wenn man ihnen ans Bein pinkelt, denn zum einen sind die meisten Vorstandsbeine scheinbar immun gegen ätzenden Fremd-Urin, zum anderen nehmen es die persönlich Angegriffenen auch gar nicht persönlich. Wer einen Spiegel vorgehalten bekommt, kann getrost über das Bild darin lachen, wenn der Spiegel schräg genug gehalten wird und man nicht mehr sich selbst, sondern den Kollegen daneben sieht. Und der ist natürlich lustig.

Schelte habe ich in den Jahren der Tätigkeit im Dienste der „Nebenwirkungen“ kaum bekommen, keine Morddrohungen, nicht einmal einen bösen Blick des Chefredakteurs. Gelegentlich erhalte ich (neben der unzähligen Fanpost aus aller Welt, für die ich mich recht herzlich bedanke) Belehrungen, dass man gewisse Dinge einfach nicht mit Humor sehen darf. Derartige Belehrungen entbehren nicht einer gewissen Komik und ich möchte mich auch recht herzlich für solche Rückmeldungen bedanken, denn sie zeigen, dass ich ins Schwarze getroffen habe.

Natürlich bewege ich mich auf weitgehend sicherem Terrain. Bis auf die medizinisch-religiös geführten Glaubenskämpfe zu Themen wie Impfungen, Komplementärmedizin, geimpften Komplementärmedizinern und am Index stehenden Aussagen, die am Bild der heiligen naturwissenschaftlichen Kuh rütteln oder den Patienten in blasphemischer Weise als mündiges Wesen darstellen, darf man im Prinzip alles sagen, ohne um sein Leben oder um seine Approbation fürchten zu müssen.

Satirische Attacken dürfen durchaus respektlos sein, wenn man einen ehrlichen Respekt vor den Attackierten hat. Bei allem Respekt vor der Unbeugsamkeit der französischen Kollegen bin ich froh, dass ich aufgrund meiner professionellen Nestbeschmutzung weder schlaflose Nächte habe, noch einen Bodyguard benötige, der mich vor wütenden Ärzten schützt. Nein, dass Regierungschefs mit kameratauglichen Tränen in den Augen einmal sagen müssten „Je suis Nebenwirkungen“ ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Doch das ist gar nicht mal so selbstverständlich.

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