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Die Menschen in den Armenvierteln Monrovias trifft es besonders hart.
 
Leben 12. Jänner 2015

Ebola in Liberia

„Zu Beginn war es wie in einem Kriegsszenario.“

Die Deutsche Margret Gieraths-Nimene leitet eine Ebola-Isolierstation in Liberias Hauptstadt Monrovia. Dort kämpfen sie und ein Team aus drei Ärzten und 121 Pflegern täglich gegen die tödliche Krankheit. Trotzdem fehlt Hilfe – auch für die Helfer selbst.

Verwaiste Straßen, leere Geschäfte, geschlossene Flughäfen – Szenen wie im Krieg. Das sind die Erinnerungen, die Margret Gieraths-Nimene an die erste Zeit nach dem Ausbruch der Ebola-Krankheit in Liberia hat. „Es war gespenstisch ruhig, die meisten Ausländer hatten das Land verlassen, die Hilfswerke hatten ihre Mitarbeiter abgezogen, die Grenzen waren dicht. Ich habe das als sehr unheimlich empfunden, wir hatten alle Angst“, beschreibt sie die ersten Wochen und Monate während des Ausbruchs des Ebola-Fiebers.

Gieraths-Nimene leitet seit 30 Jahren die Gerlib-Klinik in der liberianischen Hauptstadt Monrovia, die sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann gemeinsam aufgebaut hat. Ihr Medizinstudium hat sie abgebrochen, stattdessen studierte sie später Soziologie. Jetzt kümmert sie sich seit vielen Jahren um Spendengelder und organisiert Hilfslieferungen. Sie hat auch den Aufbau einer speziellen Ebola-Isolierstation in Monrovia koordiniert, den das Medikamentenhilfswerk Action Medeor in Zusammenarbeit mit der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung finanziert hat. Dort stehen derzeit 44 Betten für Infizierte zur Verfügung.

Für ein paar Wochen ist sie nach Deutschland gekommen, um über ihre Arbeit auf der Isolierstation zu berichten. Dort arbeiten insgesamt 124 Personen, davon drei Ärzte. Sie leisten vor Ort großartige Arbeit, berichtet Gieraths-Nimene. „Pfleger, Schwestern und Ärzte riskierten in der Station ihr Leben – auch, weil sie sonst keine andere Erwerbsquelle haben.“ Gleichzeitig müssten sie damit zurechtkommen, von ihren Familien isoliert zu werden. „Viele Familien wollen aus Angst vor Ansteckung nicht, dass Angehörige, die in der Ebola-Station arbeiten, bei ihnen zu Hause wohnen“, sagt sie.

Keine psychologische Hilfe für Ärzte und Pfleger

Ärzte und Pflegepersonal erhalten dabei keinerlei psychologische Unterstützung bei der Verarbeitung des Erlebten. Das sei umso problematischer, als dass die psychischen Belastungen während der Ebola-Krankheit auf noch unbewältigte Kriegstraumata träfen. „Die Liberianer haben den Bürgerkrieg noch nicht verarbeitet“, sagt sie. Dieser Krieg war 1989 zwischen Volksgruppen ausgebrochen und dauerte bis 2003 an. Millionen Menschen flohen vor Massakern, Hunderttausende kamen um. Die Vergangenheit sei nach wie vor nicht bewältigt, damalige Warlords seien heute wieder in hohen politischen Posten, sagt Gieraths-Nimene. Ihr Mann starb 1998 an den Folgen eines Angriffs durch Kindersoldaten.

Besonders belastend sei es für die Menschen, ihre durch Ebola verstorbenen Angehörigen einäschern lassen zu müssen, damit eine weitere Ansteckung verhindert wird. „Vor Ebola haben nur die im Land lebenden Inder die Einäscherung nach dem Tod praktiziert“, sagte Gieraths-Nimene. „Die einfachen Leute finden die Verbrennung ihrer Familienmitglieder sehr schlimm.“

Auch wenn die Zahl der neu an Ebola Infizierten seit November vergangenen Jahres rückläufig ist, will sie keine Entwarnung geben. „Wir müssen weiter sehr vorsichtig sein und uns besonders um diejenigen kümmern, die als geheilt aus den Isolierstationen entlassen werden“, sagt sie. Diese Menschen hätten durch die Krankheit die wenigen Habseligkeiten verloren, die sie besessen haben, weil alles verbrannt werden musste. Gerlib-Klinik und Action Medeor versorgen die entlassenen Patienten mit Kleidung, Lebensmitteln oder Matratzen. Darüber hinaus haben sie ein Aufklärungsprogramm gestartet, damit die Menschen besser über Ebola informiert sind.

„Allerdings reicht diese Hilfe nicht aus. Noch immer sind viele Gesundheitseinrichtungen geschlossen, medizinisches Personal ist geflohen, und an den noch geöffneten Kliniken werden häufig Patienten mit Fieber abgewiesen oder erst in Quarantäne gesteckt“, sagt Bernd Pastors, Vorstand von Action Medeor. „Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die maroden Gesundheitssysteme in Westafrika wieder aufgebaut werden, sei es durch die Ausbildung von medizinischem Personal, die Einrichtung von Medikamentenverteilungsstellen oder Investitionen im Laborbereich.“ Das könnten Hilfsorganisationen alleine jedoch nicht leisten. Hier sei die Weltgemeinschaft gefordert.

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