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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 10. Dezember 2014

NebenWirkungen: Medizinische Nikolo-Alternative

Da der Nikolo mittlerweile in vielen öffentlichen Kindergärten nicht mehr erwünscht ist, könnten die Ärzte helfend eingreifen.

Die Diskussion entfacht die Gemüter: Darf eine christliche Respektsperson einfach so in die Kindergärten des Landes spazieren und Kinder anderer religiöser Weltanschauung die Rute ins Fenster stellen bzw. mit Nüssen füttern?

Kritik kommt dabei nicht nur von Religionsvertretern und fundamentalistischen Atheisten. Bildungsexperten beklagen etwa, dass der Nikolo allzu leichtfertig Süßigkeiten verteilt. Im Speziellen auch an Kinder, die den geforderten Standards an Bravheit und Fleiß eigentlich nicht genügen und dennoch belohnt werden, was wiederum eine Nivellierung nach unten und damit den Verfall unserer Gesellschaft bedeutet.

Kinderpsychologen stoßen sich daran, dass die Aussage „Na, warst du denn brav dieses Jahr?“ nicht mit den Prinzipien einer klientenzentrierten und gewaltfreien Kommunikation in Einklang zu bringen ist. Denn es sollte eher heißen: „Ich sehe, du hast saubere Fingernägel, und das fühlt sich für mich gut und befreiend an.“

Der Handel unterstützt zwar die wirtschaftlich durchaus begrüßenswerte Aktion in der Dürreperiode zwischen Halloween und Weihnachten, beklagt jedoch die fahrlässig in die Säckchen eingebrachte Großware wie Orangen oder Mandarinen, die den Platz für teurere Süßwaren wegnehmen.

Kinder beklagen den allzu autoritären Stil, mit dem der heilige Nikolaus vorgetäuschte Höflichkeit einfordert, um überhaupt in die Nähe der Gaben gelangen zu können.

Und Mediziner kritisieren, dass hier eine Person mit Vorbildfunktion ungesunde Dinge gut heißt, während man als Arzt, der vor eben diesen Dingen warnt, im Vergleich dazu natürlich die Arschkarte gezogen hat.

So wird aus verschiedenen Gründen überlegt, den Nikolo in öffentliche Einrichtungen nicht mehr einzuladen und mit seinem Rentierschlitten unverrichteter Dinge weiterzuschicken. Das kränkt den Nikolo, denn ihm wird nicht nur untersagt, „in unsere warmen Stuben zu treten“, er muss auch noch zu Fuß weiter, da er in Wirklichkeit gar keinen Rentierschlitten hat, sondern nur der Weihnachtsmann ist. Nun, selber schuld, wenn man nicht bereit ist, sich an die Erfordernisse des freien Marktes anzupassen und in Tradition verharrt.

Alternativ könnten wir die Lücke füllen und einen Dr. Nikolo in die Kindergärten schicken. Da bekommen nur die schlimmen Kinder Süßigkeiten als Strafe. Die Braven dürfen 20 Liegestütze machen und einen halben Apfel essen, wenn sie sich danach, vor den gestrengen Augen des Dr. Nikolo, die Zähne putzen. Selbstverständlich putzt auch er sich selbst, dem Krampus und den Rentieren, die er sich vom dicken Weihnachtsmann ausgeborgt hat, die Zähne und macht ein Dutzend Sprungkniebeugen.

Dr. Nikolo kehrt übrigens nicht erst in einem Jahr wieder, sondern kommt bereits nach sechs Monaten zur Kontrolle vorbei. Und das freut wiederum den Handel, um die Dürreperiode zwischen Weihnachten und Halloween zu überbrücken.

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