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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 4. Dezember 2014

NebenWirkungen: Raus in die Kälte

Im Winter ziehen sich die Menschen gerne in die Innenbereiche zurück und entfremden sich von der natürlichen Arschkälte.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Und hat man gerade noch die abgelegenen, bereits etwas weißlich schimmernden Schoko-Osterhasen zu Halloween an die vorbeiziehenden Kinderhorden entsorgt, so sind die Regale der Supermärkte bereits jetzt mit den Süßigkeiten für das Weihnachtsfest bestückt. Weihnachten 2015 wohlgemerkt. Denn die wirtschaftliche Vorweihnachtszeit beläuft sich mittlerweile auf mehr als ein Jahr.

Dass die Adventzeit gar nicht so sehr zur Völlerei bestimmt, sondern im Christentum eigentlich als Fastenzeit angelegt ist, ist in der breiten Bevölkerung weniger bekannt. Man wundert sich höchstens, warum es nun auch ein Fastenbier gibt. So wird die kleine Winterreserve, die man sich bereits um die Leibesmitte zugelegt hat, wohl in den kommenden Wochen noch etwas anwachsen („Grand Reserve“).

Wieder einmal brettert der moderne Mensch über die zeitliche Landschaft des Jahreskreises, lässt sich weder von Bräuchen noch von Temperaturschwankungen und sonstigen Eigenarten der Natur von seiner Routine abbringen. Zwar mahnt die X-Mas-Smartphone-App in Kalenderwoche 49 mit einem schrillen Alarm zur raschen Erledigung der unerledigten Weihnachtseinkäufe und Herr George Michael mahnt aus dem Radiowecker, dieses „Christmas“ endlich zu „lassen“ – das Leben geht aber weiter, als ob es so etwas wie Jahreszeiten nicht geben würde.

Während im Sommer die Klimaanlagen für angenehme Temperaturen sorgen, laufen nun die iPod-gesteuerten Wandflächenheizungen für den nötigen Komfort und die erforderliche Entfremdung von natürlichen Wintereinbrüchen auf Hochtouren. In der Wissenschaft hat man mit dem Begriff „nature deficit disorder“ auch gleich ein hübsches Syndrom dazu geschaffen.

Das völlige Ignorieren der Natur schlägt sich letztlich aufs Gemüt, meinen auch viele Psychiater, die in sonnenlichtresistenten Ambulanzen ihren Dienst versehen. Saisonal depressive Zustände lassen sich demnach auch damit bessern, den garagengepflegten Körper mal wieder ins Freie zu bewegen. Dies mag zwar zu einem veritablen Umweltschock führen, wenn man am eigenen Leib erfahren muss, dass es im Dezember draußen nicht nur arschkalt, sondern auch bei Weitem nicht so hell wie im Büro ist. Auch zeigt sich der erhoffte winterliche Schnee in den Städten eher als mit Streusplitt garnierte schwarz-graue Häufchen. Doch findet sich in unserem Land aber immer wieder ein Fleckchen, wo man auf eine romantische Schneelandschaft mit entzückenden Dachlawinen stößt.

Daher mein alljährlicher Appell: Raus aus den Büros und Wohnungen, den Ambulanzen und Ordinationen, raus aus den Fitness-Studios und den Indoor-Hallen, ja, auch raus aus den wohltemperierten Thermalbädern und ab in die kalte Natur. Für Sie bedeutet das ein Mehr an Verbundenheit mit der Natur. Für mich: Endlich wieder Platz in der Therme!

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