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© Philipps-Universität Marburg/AG Endres
Eine Studie mit der Einsiedlerdrossel belegt, dass die Tiere Töne aus der Obertonreihe für ihren Gesang wählen.
 
Leben 5. Dezember 2014

Singen wie die Drossel

Marburger Neuropsychologen weisen musikalische Prinzipien im Vogelgesang nach.

Vogelgesang und menschliche Musik folgen gemeinsamen Prinzipien – das behauptet ein internationales Team von Wissenschaftlern in einer aktuellen Studie, an der auch die Universität Wien beteiligt war. Kulturelle Verhaltensweisen sind demnach zumindest teilweise biologisch vorgegeben.

Die Forschergruppe gewann ihre Erkenntnisse anhand des Gesanges der Einsiedlerdrossel, eines in Nordamerika weit verbreiteten Singvogels. „Die Drossel verwendet Töne, die mathematisch zueinander in einfachen ganzzahligen Verhältnissen stehen“, erklärt der Neuropsychologe Dr. Dominik Endres von der Philipps-Universität in Marburg, Deutschland. In Kooperation mit Wissenschaftlern der Universität Wien und des US-amerikanischen Cornish College of the Arts hat Endres erstmals mittels strenger Methoden belegt, dass die Tiere Töne aus der Obertonreihe für ihren Gesang wählen.

Viele Kulturen weltweit verwenden Tonsysteme, in denen die Tonfrequenzen in einfachen ganzzahligen Verhältnissen zueinander stehen und eine Obertonreihe bilden. Ein typisches Beispiel hierfür ist die diatonische Dur-Tonleiter, die in der westlichen Musik vorherrscht. „Seit Langem wird diskutiert, welchen Anteil biologische oder kulturelle Faktoren in der Entwicklung dieser Tonhöhensysteme haben“, erläutert der Psychologe. Eine Möglichkeit zur Beantwortung dieser Frage ergibt sich durch das Studium von Tiergesang: Wenn die Gesänge von Vögeln oder Walen einige Prinzipien mit menschlicher Musik teilen, so könnte das auf eine biologische Grundlage dieser musikalischen Systeme hinweisen. „Einsiedlerdrosseln verwenden tatsächlich Tonleitern, die in menschlichen Musiksystemen vorkommen“, bestätigt Endres.

Philipps-Universität Marburg

Originalpublikation: Emily L. Doolittle et al. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) 111/2014, 16616–16621,
DOI: 10.1073/pnas.1406023111

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