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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 26. November 2014

NebenWirkungen: Ordi for Rent

Die Vermietung der eigenen Praxis an urlaubende Ärzte oder Patienten könnte dabei helfen, so manchen prekären finanziellen Engpass zu überbrücken.

Die Idee stammt vom Chefredakteur dieses wohlfeinen Blattes, Raoul M. (Name der Red. bekannt). Der wirtschaftliche Trend, seine Immobilien ab und an zu vermieten, um die Stehzeiten sinnvoll zu nutzen, sollte gerade für die Ärzteschaft attraktiv sein. Schließlich sind die laufenden Kosten auch in Urlaubszeiten zu tragen und nicht immer findet sich eine nette Vertretung, die am besten unentgeltlich den Laden schupft.

Dies wäre auch keineswegs eine Schande. Man findet sich in guter Gesellschaft, denn selbst Superstars versuchen, ihre mageren Millioneneinkünfte aus Fünf-Sekunden-Werbespots mit der befristeten Vergabe ihrer Besitztümer aufzufetten. Johnny Depp vermietet seine Yacht für lächerliche 84.000,– Euro die Woche, auch Mick Jagger verdient als Betreiber einer kleinen Frühstückspension in der Karibik 11.000,– Euro dazu. Der Illusionist David Copperfield bietet sogar eine ganze Inselgruppe auf den Bahamas an. Und er zaubert dabei in einer einzigen Nacht 30.000,– Euro vom Konto des Gastes auf das eigene hinüber. Es ist nicht verfänglich, Geld so einfach zu lukrieren. Ich bin mir sicher, unser Bundespräsident findet während seiner ausgedehnten tropischen Fernreisen auf die Hohe Wand einen finanzkräftigen Abnehmer für die Hofburg: „Hübsches Anwesen in zentraler Lage mit angeschlossenem Ponyhof (Hofreitschule) und Streichelzoo (Bundeskanzleramt)“.

Auch Ordinationen sind nicht unattraktiv. Meist in guten Lagen angesiedelt, kann man die Räumlichkeiten während der Ferien nicht nur an normale Touristen, sondern selbstverständlich auch an Kollegen aus dem Ausland vermieten. Die dürfen dann nicht nur die Mundspateln, Tupfer und Kernspintomografen benutzen, sondern bekommen auch die Patienten, die vor dem Urlaub nicht mehr drangekommen sind, und im Wartezimmer sitzen, gratis dazu.Natürlich sind auch urlaubende Patienten herzlich willkommen, eine Woche in einer typischen Praxis zu verbringen. Dann dürfen sie sich nicht nur am neuesten Stand selbst verarzten, sondern sich auch immer als Erster drannehmen. Wie im Paradies.

Wer selbst gern ins Ausland fährt, kann über die Organisation „Doctor-House“ einen Ordinationstausch durchführen. Während man in einer Praxis in den Nobel-Slums von New Delhi residiert, werden die eigenen Patienten in der Zwischenzeit von Herrn Dr. Rakesh Bharadwaja behandelt. Und so manchem Patienten wird das auch gar nicht auffallen. Man darf sich also getrost entspannen.

Wer hübsche Räumlichkeiten zu vergeben hat, sollte sie in Abwesenheit nicht ruhen, sondern für sich arbeiten lassen. Und vielleicht möchte ja auch mein Chefredakteur in den Ferien sein Büro zur Verfügung stellen, damit ich endlich einmal erfahre, was er in seinen Schreibtischladen versteckt.

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