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© Gragera, Latin Stock / SPL / dpa
 
Leben 20. November 2014

Ein Werk des Teufels

Misstrauen, Gerüchte und Mythen über Ebola waren ein wesentlicher Grund für die Ausbreitung des Virus.

Traditionelle Heiler stellen einen wichtigen Teil der Medizin in Westafrika dar. So sehr sie in vielen Fällen helfen können, haben sie bei Ebola zum Tod vieler Menschen beigetragen. Dank intensiver Aufklärungsarbeit internationaler Helfer kooperieren nun immer mehr Heiler.

„Als Ebola hier erstmals auftrat, hatten die Menschen große Angst, und weil sie dem öffentlichen Gesundheitssystem misstrauten, wandten sie sich lieber an Heiler und Gebetshäuser“, erklärt die Ebola-Koordinatorin des Roten Kreuzes in Liberia, Neima Candy. Dort wurde ihnen dann erzählt, bei der Krankheit handele es sich um „ein Werk des Teufels“, dem man etwa mit Kräutern zu Leibe rücken müsse. Als im August erste Fälle in Nigeria auftauchten, wurde empfohlen, in Salzwasser zu baden, um dem Virus den Garaus zu machen. Dank intensiver Aufklärungsarbeit internationaler Helfer, die auch in den entlegensten Winkeln der von der Epidemie betroffenen Regionen im Einsatz sind, konnten nun viele traditionelle Heiler überzeugt werden, ihre Arbeit bei Ebola-Patienten zu unterlassen.

Dazu beigetragen hat zudem die Tatsache, dass auch Wunderheiler sich mit dem Virus infiziert haben. Solche Fälle zeigen Wirkung. Die Bevölkerung habe endlich verstanden, dass vielleicht doch etwas anderes hinter der Krankheit stecke als Zauberei, sagt Rote-Kreuz-Expertin Neima. Als dann immer mehr Berichte über Überlebende auftauchten, die von westlicher Medizin geheilt worden waren, hätten sich viele von der traditionellen Medizin abgewandt. Mittlerweile beteiligen sich die Heiler sowie Mitglieder mächtiger Geheimgesellschaften selbst an den Sensibilisierungskampagnen. Wie etwa die Frauen der Bondo-Gesellschaft in Sierra Leone, die für die Beschneidung der Mädchen zuständig sind, versprachen, die blutige Praxis bis auf Weiteres einzustellen. Erst wenn die Regierung die Epidemie für beendet erkläre, werde die Tradition fortgesetzt, hieß es.

Ebola-Aufklärung fruchtet

Auch Heiler Fallah James, der Chef der traditionellen Heiler im besonders schlimm betroffenen östlichen Bezirk Kailahun, sieht die Grenzen seines Handelns bei Ebola: „Ich kann Menschen helfen, die verflucht worden sind und ihnen den bösen Blick austreiben. Ich kann bei Kopfschmerzen helfen und selbst bei einem gebrochenen Bein.“ Bei Ebola aber liege die Sache anders: Als ihm im Rahmen der Aufklärungsarbeit etwa des Roten Kreuzes erklärt worden sei, dass Ebola durch Körperkontakt übertragen werden kann, habe er mit der Behandlung des Virus sofort aufgehört.

Oxfam, eine Hilfsorganisation, die die Medienarbeit zu Ebola koordiniert, hatte kürzlich eindringlich gewarnt, dass Misstrauen, Gerüchte und Mythen über Ebola ein wesentlicher Grund für die Ausbreitung des Virus waren – und noch immer sind.

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