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Franz Hubmann: Selbstporträt mit Leica,um 1960
© (4) Franz Hubmann/Archiv Franz Hubmann/IMAGNO

Franz Hubmann: Miles Davis, Wiener Stadthalle, 1960

Franz Hubmann: Der Jahrgang 1929, Hans Fruhmann, Josef Mikl, Arnulf Rainer, Wolfgang Hutter, Anton Lehmden, Wien, 1954

Franz Hubmann: Der Ober Ali, Café Hawelka Wien, 1956

 
Leben 19. November 2014

Der Blick für das Wesentliche

Vor 100 Jahren wurde der Wiener Fotograf Franz Hubmann geboren. Aus diesem Anlass ehrt ihn die Leica Galerie Wien mit der Ausstellung „SOUNDS OF VIENNA/100 JAHRE FRANZ HUBMANN“.

Kulturzeugnisse einer Epoche: Franz Hubmann hat in den 1950er und 1970er Jahren die zahlreichen Facetten des kulturellen Lebens in Wien – sei es Jazz, Theater oder Oper – in stimmungsvollen Porträts festgehalten.

Ein gutes Bild erzählt eine ganze Geschichte. Nur, wie kommt man zu solch eindrucksvollen Sujets, die genau dies vermitteln? Franz Hubmann hat sich dieser Frage ein Leben lang gewidmet und in seinen Fotografien mehr als nur eine mögliche Antwort darauf gefunden. Am 2. Oktober 1914 in Ebreichsdorf in Niederösterreich geboren, arbeitete er zunächst als Textiltechniker und begann ein Jahr nach dem Ende des 2. Weltkriegs an der Wiener Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, die in diesem Bereich einen ausgezeichneten Ruf genoss, die dreijährige Ausbildung zum Fotografen. In der Folge schuf er ein fotografisches Oeuvre, in dessen Mittelpunkt Porträts stehen.

Viele seiner in der Anfangszeit entstandenen Aufnahmen haben mittlerweile zudem historischen Wert. Mitte der 1950er Jahre gründete er zusammen mit Karl Pawek die Kultur-Zeitschrift „magnum - die Zeitschrift für das moderne Leben“. Dieses Magazin nahm bis zur Einstellung 1966 mit seinem hohen kulturellen Anspruch eine führende Rolle ein. Wesentlich darin war außer der Unabhängigkeit die Gleichberechtigung von Bild und Text bei der Behandlung von kulturellen wie auch gesellschaftspolitischen Themen. Die verwendeten Fotos sollten nicht nur Artikel illustrieren, die Bildreportage sollte darüber hinaus inhaltliche Tiefe vermitteln. Aber Franz Hubmann war nicht nur Herausgeber des Kulturmagazins, in erster Linie galt seine Leidenschaft der Fotografie.

Der richtige Moment

Wie sich Franz Hubmann selbst sah, das lässt sich an folgender Bemerkung ablesen: „Ich bin kein Photograph in dem Sinn. Photographen sind für mich diejenigen, die einen Schaukasten haben, Passbilder machen, die Hochzeiten photographieren. (...) Ich verstehe mich mit dem Wort, das aus dem Westen kommt, als Bildjournalist.“ Franz Hubmann fotografierte Alltagsszenen und Wiener Typen, wie jene Marktfrau am Brunnenmarkt, die heute fast völlig verschwunden sind.

Wien war als ehemalige Metropole nach Osten hin für Jahrzehnte isoliert, die Kriegsfolgen blieben über Jahre hinweg deutlich sichtbar. Hubmann hat das kulturelle Wiederaufleben der Stadt und seiner Protagonisten in einfühlsamen Porträts festgehalten. Ihm ging es jedoch nicht um das Melancholisch-Morbide und die Larmoyanz, die man den Wienern gerne nachsagt. Auch das andere klischeehafte Extrem, die Operetten-Seligkeit sucht man in seinen Aufnahmen vergeblich. Stattdessen zeigen die Porträts Bilder von Menschen im Alltag.

Auch Theater, Klassik und Jazz sowie Aufführungen zeitgenössischer Ensembles haben ihn zeitlebens begeistert und fasziniert. Dabei erwies er sich als genauer Beobachter, dem es immer wieder gelang, mit schier unendlicher Geduld exakt jenen Moment festzuhalten, in dem Intensität und höchste Konzentration im Bild regelrecht spürbar sind. Wien, dessen Stadtbild bis in die 1980er Jahre vorwiegend von unterschiedlichsten Grautönen bestimmt war, hatte für ihn, der über Jahrzehnte in Schwarz-Weiß fotografierte, folglich vielerlei Klangfarben. Hubmann hat sich in den entscheidenden Augenblicken sehr zurückgenommen, um jene Aufnahmen zu schaffen, in der seine Anwesenheit fast vergessen zu sein scheint: So virtuos wie das Spiel, so virtuos gelangen auch die Porträts der Musiker, denen er auf diese ganz spezielle Weise so nahe kam wie kaum ein anderer.

Immer offen für Neues

Er hielt nicht nur die festliche Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper 1955 im Bild fest, sondern wurde auch zum Chronisten der „Jazz at the Philharmonic“, kurz JATP-Tours, die über Joachim Liebens Agentur „Stimmen der Welt“ Wien Jazz-Interpreten von internationalem Rang und Namen bescherte. Dizzy Gillespie, Louis Armstrong, das Modern Jazz Quartet, Duke Ellington, Count Basie, Miles Davis, Ella Fitzgerald, Nat King Cole, Lionel Hampton – Franz Hubmann hat sie alle mit seiner Kamera aufgenommen. Und auch Herbert von Karajan und Friedrich Gulda hat er im Bild verewigt.

Immer lag die Kunst darin, sich im entscheidenden Moment zurück zu nehmen, um jenen, die er porträtierte, den nötigen Raum und damit seinen Fotografien die gewünschte Wirkung zu geben. Dies konnte etwa auch in einer nur angedeuteten Geste wie jenem Taktschlag Herbert von Karajans zum Ausdruck kommen. Franz Hubmann war immer offen für Neues, konnte sich auch für die Avantgarde in Musik und Kunst begeistern. Eine seiner bekanntesten Fotografien, „Der Jahrgang 1929, Hans Fruhmann, Josef Mikl, Arnulf Rainer, Wolfgang Hutter, Anton Lehmden, Wien, 1954“ zeigt etwa diese Gruppe junger Künstler voller Selbstbewusstsein. Auch die Aktionen der Wiener Gruppe mit Oswald Wiener, Gerhard Rühm, Friedrich Achleitner und Konrad Bayer hat er im Bild festgehalten. Sein Blick blieb immer wach und interessiert, darin liegt bis heute die besondere Qualität seiner Aufnahmen.

Die Ausstellung ist bis 17. 1. 2015 zu besichtigen. Informationen: www.leicastore-wien.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 47/2014

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