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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 10. November 2014

NebenWirkungen: Vorsicht, Fälschung!

Das Internet gilt als größte, aber nicht unbedingt beste Apotheke.

Wozu in die Ferne schweifen, wo es doch draußen so kalt und die nächste Apotheke gut 300 Meter entfernt ist. Ein kleiner Klick auf den bunt blinkenden Butten „Buy online, safe money and enlarge your penis!“ klingt schließlich auch nicht unseriös.

Die Nachfrage ist groß und so schießen die Online-Apotheken wie Magic Mushrooms aus dem Boden des World Wide Web. Dabei schädigen die Patienten mit dem raschen Kauf billiger Medikamente nicht nur unsere lieben Apotheker, sondern auch sich selbst. Mehr als 95 Prozent aller im Netz verklopften Arzneien sollen nicht dem pharmazeutischen Standard entsprechen. Auch wenn diese Warnung nicht ganz uneigennützig von der Apothekerkammer stammt, finden sich in vielen Präparaten neben und statt den Wirkstoffen auch Backpulver, Zement oder Frostschutzmittel. Ist man Bäcker, Bauarbeiter oder Automechaniker, so hat man sicherlich Verwendung dafür. Der Rest hat daran wohl ordentlich zu kiefeln.

Selten wandern Blutdruckmittel oder Cholesterinsenker über den virtuellen Ladentisch. Die bekommt man zum einen ohnehin „auf Kasse“ und nimmt sie zum anderen meist gar nicht ein. Es geht um Substanzen, die der Arzt nicht verschreibt oder bei denen die Scham zu groß ist, sie von Angesicht zu Angesicht in der Apotheke zu ordern: Mittel für Potenz und Haarwuchs, gegen Libidomangel und komische Geschlechtskrankheiten. Als Service sei daher hier angeführt, wie man gefälschte oder illegale Präparate erkennen kann:

• Wenn auf dem Originalpräparat einer US-amerikanischen Pharmafirma nur fernöstliche Schriftzeichen zu sehen sind.

• Wenn die Packung beim Öffnen „Happy Birthday“ spielt.

• Wenn neben den Pillen auch noch Loom-Bänder und ein Tamagotchi beiliegen.

• Wenn die Herztabletten abwechselnd nach Erdbeere und Banane schmecken.

• Kleine Rechtschreibfehler können passieren. Immerhin sind Pharmazeuten keine Germanisten. Bei Formulierungen wie „Gägän Kofpschmezr und Weh in die Halse“ sollte man skeptisch werden.

• Wenn die bestellten 100 Dollar-Pillen aussehen wie Tic Tac, schmecken wie Tic Tac, und auf der Packung „Tic Tac“ steht.

• Wenn das Medikament nicht nur nach Zement schmeckt, sondern sich auch so schwer zerbeißen lässt.

• Wenn als Adresse der renommierten Firma „Tablettenweg 1, Cayman-Islands“ angegeben ist.

• Wenn auf der Internetseite auch andere Dienste angeboten werden, wie Partnervermittlung aus dem Osten oder günstige Auftragsmorde mit zinsloser Ratenzahlung.

Nach dem Motto: „Wir sind die besseren Online-Dealer“ basteln nun die heimischen Pharmazeuten an Seiten, die mit Qualitätssiegel ausgestattet sind. Auch die Mafia hat bereits einen Grafiker beauftragt, ein hübsches Qualitätssiegel zu designen, das einem endlich das Gefühl von Sicherheit vermittelt, wenn man wieder mal auf einen grellen Button klickt.

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