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Leben 27. Oktober 2014

Gladiatoren als „Gerstenfresser“

Anthropologen entschlüsseln die Ernährungsgewohnheiten der römischen Berufskämpfer.

Römische Gladiatoren ernährten sich überwiegend vegetarisch und nahmen nach dem Training einen Aschetrunk als Tonikum zu sich. Das haben anthropologische Untersuchungen an Gladiatorenknochen, die bei Ausgrabungen im antiken Ephesos gefunden wurden, ergeben.

Historische Quellen berichten, dass Gladiatoren eine eigene Diät hielten. Diese bestand aus Bohnen und Getreide. In zeitgenössischen Berichten werden sie als „hordearii“ („Gerstenfresser“) bezeichnet. In einer Studie des Departments für Gerichtsmedizin der Medizinischen Universität Wien in Kooperation mit der Abteilung für Anthropologie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern, Schweiz, wurden Knochen eines im Jahr 1993 gefundenen Gladiatorenfriedhofs aus dem 2./3. Jahrhundert nach Christus im römischen Ephesos (heutige Türkei) untersucht. Ephesos war damals die Hauptstadt der römischen Provinz Asia und hatte über 200.000 Einwohner.

Mithilfe von spektroskopischen Methoden wurden stabile Isotopenverhältnisse im Kollagen der Knochen sowie das Verhältnis von Strontium zu Kalzium im Knochenmineral untersucht. Das Ergebnis zeigt, dass sich Gladiatoren hauptsächlich pflanzlich ernährten. Hier gab es kaum Ernährungsunterschiede zur örtlichen „Normalbevölkerung“. Am Speiseplan standen vor allem Getreidegerichte und fleischlose Kost. Das Wort „Gerstenfresser“ bezieht sich hier darauf, dass Gladiatoren wohl Getreide von minderer Qualität erhielten. „Man könnte annehmen, dass Gladiatoren besonders viel Fleisch bekommen haben“, sagt Sandra Lösch von der Universität Bern, die die Isotopenanalysen gemacht hat, „aber wir haben keine signifikanten Unterschiede zur Normalbevölkerung von Ephesos gefunden.“

Aschetrunk zur Kräftigung

Hoch signifikant ist der Unterschied zwischen Gladiatoren und Normalbevölkerung bei dem gemessenen Strontium-Anteil in den Knochen. Das lässt auf eine gesteigerte Mineralaufnahme der Gladiatoren aus einer Strontium reichen Kalziumquelle schließen. Den in der Literatur überlieferten Aschetrunk gab es wohl wirklich. „Pflanzliche Asche wurde offenbar zur Kräftigung nach körperlicher Anstrengung und zur verbesserten Knochenheilung eingenommen“, erklärt Studienleiter Fabian Kanz vom Department für Gerichtsmedizin der MedUni Wien, „da verhielt es sich ähnlich wie heutzutage die Einnahme von Magnesium und Kalzium (etwa in Form von Brausetabletten) nach körperlicher Anstrengung.“ .

Ein weiterführendes Forschungsprojekt zielt auf die Migration der Gladiatoren ab, die oft aus unterschiedlichen Gebieten des römischen Reiches nach Ephesos kamen. Ein Vergleich der Knochendaten der Gladiatoren mit jenen der lokalen Tierwelt wird hier so manchen Unterschied erkennbar machen, hoffen die Forscher.

Originalpublikation: Sandra Lösch et al. PLoS ONE, 15. August 2014, DOI: 10.1371/journal.pone.0110489

MedUni Wien, Ärzte Woche 44/2014

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