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© (5) Aufnahmen: Fotostudio Ulrich Ghezzi, Oberalm RGS/Ghezzi
Jean Baptiste Pater, L`Essay du Bain, Residenzgalerie Salzburg Inv. Nr. 581

Jan Brueghel d. Ä., Dorflandschaft mit Figuren und Kühen,Residenzgalerie Salzburg Inv. Nr. 559

Gerrit Adriaensz Berckheyde, Der Binnenhof mit dem Vijver (Schlossweiher) in Den Haag, Residenzgalerie Salzburg Inv. Nr. 529

Jan Davidsz de Heem, Stillleben, Frühstück mit Champagnerglas und Pfeife, Residenzgalerie Salzburg Inv. Nr. 562

Jean Baptiste Monnoyer, Ein Korb mit Blumen,Residenzgalerie Salzburg Inv. Nr. 480

 
Leben 28. Oktober 2014

Die Welt des Barock

Die Residenzgalerie in Salzburg schafft das ideale Ambiente für die Ausstellung „LEBENSWELTEN. Barockes Europa“: Deren Prunkräume und die Stadt selbst bieten barocke Pracht auf engstem Raum.

Italien, Frankreich, Holland, die südlichen Niederlande, Spanien und Österreich: Diese Länder beeinflussten im Zeitalter des Barock die Neuordnung der Machtverhältnisse in Europa. Bildende und darstellende Kunst sowie Architektur erleben einen enormen Aufschwung. Anhand von Gemälden vermittelt diese Ausstellung einen Eindruck von barocken Lebenswelten.

Vom Zeitalter des Barock hat man gemeinhin die Vorstellung von Schlössern mit überbordend luxuriösen Interieurs und prachtvollen Gartenanlagen. Dazu zählt auch die ornamental reiche Ausgestaltung, wie sie in Kirchen und Klöstern dieser Zeit in Österreich und vornehmlich im süddeutschen Raum zu finden ist. Oft wird jedoch übersehen, dass Europa durch die Folgen von Reformation und Gegenreformation im 17. Jahrhundert von einem tiefgreifenden Wandel erfasst wurde. Durch den 30-jährigen Krieg, in dem sich die Katholische Liga und die Protestantische Union von 1618 bis 1648 auf das Heftigste bekämpften, verschoben sich die Einfluss-Sphären der dynastischen Großmächte: Österreich und Spanien bildeten gemeinsam mit ihren Verbündeten eine Allianz, der Frankreich, die Niederlande, Dänemark und Schweden gegenüberstanden.

Die nachfolgende Neuordnung ließ schließlich England und Frankreich zu bestimmenden Protagonisten auf dem europäischen Parkett werden. Die Niederlande profitierten nach dem Krieg vom Übersee-Handel. Kunstsinn und Mäzenatentum der Kaufleute führten zu einem Aufschwung der Niederländischen Maler. Das ungeeinte Italien verlor, wie letztlich auch Spanien, das sich nach Amerika hin orientierte, seinen Einfluss innerhalb der europäischen Großmächte. Und dennoch nahm das Zeitalter des Barock mit seinen bedeutenden Baumeistern und Malern seinen Ausgang von Rom. Der italienische Einfluss auf die Entwicklung der Barockarchitektur und -malerei war somit auch in Österreich stilprägend.

Vom Absolutismus in das Zeitalter der Vernunft

Das Ende des 30-jährigen Krieges bedeutete europaweit künstlerisch einen unglaublichen Aufschwung. Neben Italien als dem Zentrum der bildenden Kunst des Barock war besonders der Hof Ludwig XIV. in Versailles ein glänzendes Vorbild, an dem sich die Fürstenhöfe orientierten. Das Zeitalter des Barock ermöglichte die Verwirklichung völlig neuer Ideen und bis dahin ungeahnter Bauaufgaben. Mit ihm kam Licht in Architektur und Malerei-und dies im Überfluss: Die Inszenierung sakraler Innenräume wurde zu einem Fest für alle Sinne. So hat das heutige Theater im jesuitischen Barockdrama als gegenreformatorische Inszenierung seine Wurzeln.

„Inszenierung“ ist einer der Hauptbegriffe, die die Barockepoche prägen: Die Gartenkunst mit ihren Bosketten und Blumenparterres, Wasserbassins und künstlichen Ruinen lebte von solch effektvollen Arrangements. In ihr wurden höchst komplexe Konzepte, nicht unähnlich der Tanzkunst dieser Zeit, von Meistern ihres Fachs wie dem Gartenarchitekten André Le Nôtre, kongenial verwirklicht. Das ländliche Idyll wurde in künstlichen Weilern nachgestellt, in der Malerei erinnern arkadische Darstellungen an das klassische Ideal der Antike. Das Spiel mit der Natur wird ebenso in der Trompe-l’œil Malerei der flämischen und niederländischen Meister zelebriert.

Prachtvolle Entfaltung

Fast könnte man meinen, es hätte kein Limit für jene, die für ihre kirchlichen und fürstlichen Auftraggeber künstlerisch tätig waren, gegeben. Trotz vom Krieg verwüsteter Landstriche in deren Gefolge Pest, Typhus und Cholera die Bevölkerung in Stadt und Land dezimierten, setzte an den europäischen Höfen nach Ende des 30-jährigen Krieges ein großer künstlerischer Aufschwung ein. Die Anzahl an Stadtpalais, Jagd- und Lustschlössern wuchs enorm, elegante Gärten wurden mit großem Aufwand angelegt, um die Machtfülle ihrer Auftraggeber eindrucksvoll zu demonstrieren.

Im Äußeren wie im Inneren wurde höchster Wert auf Repräsentation gelegt, prunkvolle Feste und Schlittenfahrten wechselten mit groß angelegten Hofjagden. Die Repräsentationssucht endete nicht bei Gärten und luxuriösen Gemächern, auch auf die persönliche Erscheinung wurde größtes Augenmerk gelegt. Noch herrschten Monarchen absolutistisch über Adel und Klerus, Stände und Zünfte. Das Zeitalter der Aufklärung, in dem Vernunft und die Entwicklung der Naturwissenschaften, die seit Mitte des 17. Jahrhunderts im Mittepunkt standen, löste schließlich den Absolutismus ab.

Das Ideal der klassisch griechischen und römischen Antike wird in der Malerei und Literatur sowie in der profanen Architektur beschworen, die ideale Landschaft in antiken Themen als gleichsam paradiesisch dargestellt. Umfassendes Wissen wird in den berühmten und prachtvoll ausgestatteten Klosterbibliotheken wie etwa in Melk, Kremsmünster oder Stift Altenburg gewahrt. Das alltägliche Leben ist auf den bildlichen Darstellungen in der Malerei hingegen nur bedingt, und wenn, dann in idealisierter Form zu finden.

Die Stillleben-Malerei des Barock prägen aber auch andere Töne, die nicht nur an das mythisch-klassische Arkadien erinnern: so wird etwa die Vanitas-Symbolik kunst- und genussvoll zelebriert. Das Motiv des „Danse macabre“ findet in dieser Zeit stilistisch zu seinem Höhepunkt. Hinter all der Pracht und Eitelkeit lauert die Vergänglichkeit, so lautet die Botschaft. Das Ende der Barockzeit kündigt nicht nur in Österreich eine Zeitenwende an: Die Aufklärung führt letzten Endes zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Säkularisierung und damit zu einer Machtverschiebung von der Kirche zum Staat. Das Bürgertum hingegen findet durch die französische Revolution zu einem neuen Selbstverständnis.

www.residenzgalerie.at

Ausstellungsdauer: 28. Februar 2014 bis 21. Juni 2015

Thomas Kahler, Ärzte Woche 44/2014

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