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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 22. Oktober 2014

NebenWirkungen: Product-Placement in der Ordi

Werbung und Medizin dürfen kein Widerspruch sein. Denn es geht uns dabei nur um die Gesundheit unserer Kunden.

Vorbei die Zeiten, in denen man mit Erhalt der Promotionsurkunde gleich auch seine finanziellen Sorgen ablegen konnte. Die Zeiten, in denen man mit seiner diamantenen Kreditkarte einen diamantenen Ferrari kaufen durfte, einfach weil man als Dr. med. absolut kreditwürdig war. Die Zeiten, in denen man für sein Burnout noch einen internationalen Burnout-Experten einfliegen lassen konnte und sich nicht in der städtischen Bücherei das Buch „Burnout für Anfänger“ ausleihen musste.

Es ist die Ungnade der späten Geburt, die die jüngeren Kollegen finanziell etwas dumm aus der Wäsche sehen lässt. Natürlich kommt man mehr als gut aus, wenn man 80 Stunden die Woche im Krankenhaus-Kerker verbringt. Zudem hat man auch kaum Zeit, das Gehalt auszugeben, denn die Ferrari-Händler haben dann schon geschlossen. Kommt nun ein Gesetz, das die Arbeitszeit reduziert, so wird man zwar vor Einbruch der Dunkelheit hinaus dürfen, verfügt dann aber leider nicht mehr über ausreichend Kohle, um den Ferrari auch nur annähernd vollzutanken.

So ist man gut beraten, sich rechtzeitig zusätzliche Einnahmequellen für Klinik oder Ordination zu überlegen. Unsere Partner aus der Wirtschaft wären durchaus interessiert, sich am und um den Arzt gut präsentieren zu dürfen. Da großflächige Werbesujets auf dem Ärztekittel jedoch nicht so gerne gesehen werden, müssen die Marketingstrategien etwas subtiler ausfallen. Geeignet ist Product-Placement, also das geschickte Positionieren von Wirtschaftsgütern in attraktivem Umfeld. Ein Arzt, der nach 148 Stunden im Dienst strahlend gut aufgelegt mit einer Dose Red Bull durch die Gänge schlurft, beeindruckt die Patienten womöglich mehr, als ein Sprung eines Draufgängers aus einer Dose, die in der Stratosphäre herumschwebt. Auch ein unauffällig am Praxistisch platzierter duftender Yogi-Tee, den der Arzt genüsslich während der Konsultation schlürft, kann – in Kombination mit den unauffällig bei der Sprechstundenhilfe gestapelten Yogi-Tee-Packungen und dem unauffällig im Wartezimmer sitzenden Yogi – eine nette zusätzliche Einnahmequelle sein.

Rhetorisch versierte Kollegen vermögen es, selbst in einem sensiblen Arzt-Patienten-Gespräch einige Produkte anzupreisen. So kann der Mediziner während der Stille beim Blutdruckmessen den neuen Cholesterin-Senker bewerben oder beim kassenärztlichen Ausspülen des linken Gehörganges die Vorzüge einer privat zu zahlenden Säuberung des rechten Gehörganges betonen. Am Ende der Konsultation nimmt der Arzt einen kräftigen Schluck aus einer Flasche Vitaminlösung und sagt „… weil ich es mir wert bin!“ Dann legt er sich, für den hinaus wandernden Patienten noch sichtbar, mit einem zufriedenen Schnaufen auf eine Magnet-Relax-Liege und beißt in einen mit wertvollen Spurenelementen versetzten Omega-3-Müsliriegel, beides zufällig lagernd im ordinationseigenen Shop.

Es wartet also viel Arbeit auf uns. Damit wir uns vielleicht doch noch diesen internationalen Burnout-Experten leisten können.

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