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Leben 24. Oktober 2014

Standpauke vom Chef rächt sich

Beleidigungen führen zu Reaktanz des Angestellten und ziehen kontraproduktives Verhalten nach sich.

Angestellte, die von ihren Vorgesetzten häufig verbal angegriffen werden, arbeiten ineffizienter. Dies geht aus einer Studie von US-Forschern der San Francisco State University hervor. Den Wissenschaftlern zufolge führt diese falsche Motivationsstrategie oftmals zu kontraproduktivem Verhalten vonseiten der Mitarbeiter. Es ist beispielsweise möglich, dass sie längere Mittagspausen einlegen oder sogar Gegenstände aus dem Büro stehlen.

„Verbale Übergriffe funktionieren niemals. Sie zeigen vielleicht kurzfristig Wirkung, weil sie Angst in den Mitarbeitern auslösen“, unterstreicht der Psychologe und Autor Michael Thiel (http://psychologethiel.de) aus Hamburg, Deutschland. „Relativ schnell tritt jedoch ein Phänomen auf, das man als Reaktanz bezeichnet. Dies führt dazu, dass man sich in seiner Freiheit eingeschränkt und in seinem Selbstwert verletzt fühlt“, führt Thiel aus. Dem Psychologen zufolge versucht die Psyche unmerklich Missstände dieser Art durch kleinere Vergehen, wie dem Einlegen einer längeren Pause, auszugleichen. „Dabei handelt es sich um einen Selbstwertschutz. Der Angestellte möchte seine Freiheit wiederherstellen, indem er selbst bestimmt, wie seine Arbeit verläuft“, so Thiel. Dabei werde genau das Gegenteil von dem gemacht, was eigentlich aufgetragen worden ist.

„Wichtig ist es daher, seine Angestellten stets individuell zu führen. Ist jemand unterfordert, sollte man ihn vor neue Herausforderungen stellen. Bei einer Überforderung ist eine gezielte Fortbildung oder eine Veränderung des Aufgabenbereiches sinnvoll“, rät der Fachmann. Diese Entscheidungen müssten aber stets den individuellen Fall betreffend und situationsbezogen getroffen werden. „Den Mitarbeitern sollte ein Maximum an Entscheidungsfreiheit eingeräumt werden“, resümiert Thiel.

Produktivität der Arbeit sinkt deutlich ab

Die Wissenschafter haben sich auf die Daten von 268 Vollzeitkräften fokussiert, die aus einer OnlineUmfrage stammen, an der 80.000 Personen teilgenommen haben. In der ersten Phase der Erhebung wurden die Versuchsteilnehmer gefragt, wie oft diese von ihren Vorgesetzten beleidigt oder verhöhnt worden sind. Außerdem haben sich die Wissenschafler bei den Interviewten erkundigt, ob die verbalen Angriffe ihrer Ansicht nach erfolgt sind, um ihre Gefühle zu verletzen oder um die Motivation bei der Arbeit zu steigern.

Ein Monat später wurden die Untersuchungsteilnehmer gefragt, ob diese mit irgendeiner Form von kontraproduktiven Verhaltensweisen auf die Attacken reagiert haben. Den Resultaten entsprechend haben sogar jene Angestellte, welche die Beleidigungen lediglich als Motivation und nicht als persönliche Abwertung aufgefasst haben, eine negative Gegenreaktion gezeigt. Die Ergebnisse belegen somit, dass verbaler Missbrauch zu keinem produktiven Arbeitsplatz führen kann.

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