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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 15. Oktober 2014

NebenWirkungen: Nobelpreisverdächtig

Wenn die Augen der Welt nach Stockholm gerichtet sind, so geht es entweder um eine Sex-Affäre von Carl Gustav oder die Vergabe des Nobelpreises für Physiologie und Medizin.

Jedes Jahr um diese Zeit jubelt die wissenschaftliche Community, wenn ihre Oskars vergeben werden. Im Vergleich zum knausrigen Hollywood sind die Preise der norwegischen Nobel-Stiftung jedoch deutlich besser dotiert. Immerhin wandern da fast 900.000,– Euro über den Tisch, wohingegen der Materialwert für die Oscar-Statue gerade mal 250,– Euro beträgt. Warum man im Yachthafen von Monaco doch eher mehr Filmstars als Grundlagenwissenschaftler zu sehen bekommt, ist damit nicht erklärbar.

Mit Verlautbarung der Namen und der prämierten Arbeit reagiert man, nach kleiner Recherche im Internet und kurzer Verwirrung (warum man noch nie etwas von diesem Transportmechanismus oder jenem Rezeptor gehört hat), mit sportlicher Fairness, gratuliert den Preisträgern und bezeichnet die Mitarbeiter des Karolinska-Institutes – da man selber wieder einmal leer ausgegangen ist – als dämliche Wikinger.

Dieses Mal sind es sogenannte Orts- und Gitterzellen, die man in den Gehirnen argloser Ratten gefunden hat, und die den Findern nicht nur eine gehörige Schelte von Tierschützern, sondern auch den Nobelpreis für Medizin eingebracht haben. Diese Zellen sollen helfen, dass wir uns im dreidimensionalen Raum der Erde zurechtfinden, ohne in eine Schlucht zu plumpsen. Sozusagen ein Navi im Gehirn.

Bei allem Respekt über die faszinierende Erkenntnis, dass man ein Ding, das man sich mühsam ins Auto an die Windschutzscheibe kleben muss, auch in seinem Kopf besitzt, stellt sich die Frage, ob es den Forschungsaufwand wert war. Die Ratten hätten wahrscheinlich eine andere Meinung, als das Nobel-Komitee. Schließlich sollen beim Nobelpreis Entdeckungen gewürdigt werden, die den „größten Nutzen für die Menschheit“ gebracht haben. Da würden mir andere Dinge eher in den Sinn kommen, als aktivierte GPS-Zellen im Rattenkopf. Hier wäre der jährliche „TomTom“-Award wahrscheinlich passender.

Wie dem auch sei, die Vergabe des Nobelpreises unterliegt bekanntlich eigenen Spielregeln und die Medien sind zudem mit so einem Thema auch hochzufrieden, denn es ist natürlich viel geiler, ein Gehirn-GPS-Navi auf die Titelseite zu platzieren, als einen langweiligen Zellenkanal.

Ich hätte ja ohnehin ganz andere Vorschläge für nobelpreisverdächtige Entwicklungen, die der Menschheit zu Nutzen sein können wie etwa die Erfindung der „freundlichen Chef-Visite“. Diese befindet sich jedoch noch in der präklinischen Prüfung und man muss noch die toxische Wirkung dieser Freundlichkeit auf Rattengehirne untersuchen, ehe man sie am Krankenbett anwenden kann.

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