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Saurer-Linienbus, Type 5 GF-ST Betriebsnummer 9915, Baujahr 19949 mit markanter Schnauze.
© (5) Wiener Linien/Johannes Zinner

Eine Trambahn-Garnitur Type M, gebaut 1927 bis 1929.

Sommerwagen der Pferde-Tramway aus dem 19. Jahrhundert.

Blick in die Ausstellung.

Stilvoll durch die Stadt: Interieur eines zu Präsentationszwecken adaptierten Straßenbahnwaggons, gebaut in den 1920er-Jahren.

 
Leben 15. Oktober 2014

Mobil durch die Stadt

Wie kommt man durch die Stadt? Das Anfang September 2014 eröffnete Verkehrsmuseum der Wiener Linien in der ehemaligen Remise Erdberg gibt darüber in einem historischen Rückblick Auskunft.

Von der Pferdetramway bis zur U-Bahn innerstädtisch unterwegs. Zahlreiche Exponate vermitteln anschaulich in der zum neuen Verkehrsmuseum umfunktionierten Remise in Erdberg die Entwicklung urbaner Mobilität.

Es gab Zeiten, da waren innerstädtische Distanzen in Wien gar nicht so leicht zu überwinden. Herrschaftliche Kutschen und Fuhrwerke, Fußgänger, dazwischen die eine oder andere Sänfte, bestimmten lange Zeit den innerstädtischen Verkehr. Zur Zeit des Wiener Kongresses waren die diplomatischen Gäste mit eleganten und schnellen Landauern unterwegs; die Bevölkerung musste mit Stellwagen vorlieb nehmen, mit denen man ab 1815 von der Inneren Stadt in die Vorstadt fahren konnte. Ab 1830 gab es – ganz nach Pariser Vorbild – den Omnibus und damit erste Anfänge eines geregelten innerstädtischen Verkehrswesens. Der Fiaker war nur etwas für Bessergestellte, der Adel unterhielt ohnehin eigene und durchaus kostspielige Equipagen. Der Pferde-“Omnibus“ hingegen war günstiger, der Fahrpreis lag deutlich unter dem des Fiakers. Noch war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Verkehrsaufkommen in der Reichshauptstadt gering.

Verkehrstechnische Anfänge

Das änderte sich grundlegend, als die Stadt wuchs: 1868 gab es die erste zweispännige Pferdebahn. Für die damalige Zeit ein Fortschritt, schließlich durfte in der Stadt aus Sicherheitsgründen wegen der Brandgefahr nicht mit Dampf gefahren werden. Ab 1860 entfaltete sich in Wien ein ungeheurer Bauboom, die Ringstraßenzeit nahm ihren Anfang. Damit wuchs auch der innerstädtische Verkehr. Die Weltausstellung 1873 trug dazu bei, dass aus dem bis dahin nahezu beschaulichen Wien eine Weltstadt werden konnte. Mit dem Bau der Kopfbahnhöfe stieg auch die innerstädtische Beförderungskapazität. 1865 verkehrte die erste Pferdetramwagen-Linie auf Schienen vom Schottentor über die Alserstraße bis zur Remise in der Wattgasse. Um 1870 standen bereits 900 Pferdebahnkutscher im öffentlichen Dienst.

Ein offener Sommerwagen aus der Frühzeit des Wiener Verkehrswesens steht am Anfang der Zeitreise, die anhand zahlreicher eindrucksvoller Exponate in der Erdberger Remise, Baujahr 1900, exemplarisch wichtige Schwerpunkte der Verkehrsentwicklung beleuchtet. Der sprunghafte Bevölkerungsanstieg erforderte neue Verkehrskonzepte, um die Innenstadt mit den Vorstädten zu verbinden. 1884 fuhr die Dampftramway in südlicher Richtung bereits nach Mödling und nördlich nach Floridsdorf. Rund um die Wiener Weltausstellung wurden zudem mehrere Seilbahnprojekte realisiert, die den erholungssuchenden Wienern und den internationalen Gästen den Besuch des Kahlenbergs oder auch der Sophienalpe ohne jedwede Anstrengung ermöglichten. Von dort hatte man einen großartigen Blick über die Stadt und natürlich auch das Weltausstellungsgelände.

Stadtbahn statt U-Bahn

Das Ende des 19. Jahrhunderts stand im Zeichen der fortschreitenden Industrialisierung, zur Dampfkraft kam die Nutzung der Elektrizität, die das Leben angenehmer und komfortabler machte. 1883 fuhr man von Mödling nach Hinterbrühl bereits elektrisch und in den 1890er Jahren wurde mit der Stadtbahn ein wesentlicher Beitrag zu einem zeitgemäßen Verkehrskonzept verwirklicht. Deren Stationsgebäude und Viadukte wurden stilistisch von Otto Wagner und den Architekten Max Fabiani und Joseph Maria Olbrich stilistisch geprägt. 1896 drehten die Brüder Lumière einen Kurzfilm mit dem Titel „Le Ring“, um einen Eindruck von Wien als Metropole zu vermitteln. Ein kurzer Film aus dem Jahr 1906, der in der Ausstellung zu sehen ist, zeichnet anhand einer Tramway-Fahrt ein lebendiges Bild vom geschäftigen Stadtleben und dem damals schon beträchtlichen Verkehrsaufkommen. Und dennoch galt das Projekt einer Untergrundbahn, wie es etwa in London (1863), Budapest (1896) Paris (1900) oder Moskau (1935) verwirklicht wurde, als unfinanzierbar. Erst in den 1970er Jahren begann man in Wien mit dem Bau der U-Bahn.

Eine Reise durch die Zeit

Im Jahr 1905 wurde die, damals noch private, „Vienna General Omnibus Compagnie“ gegründet, die Passagiere vom Stephansplatz zum Südbahnhof brachte und auch zwischen Hietzing und der Oper verkehrte. Schon früh gab es auch wegweisende Innovationen: 1910 wurde der erste Elektroautobus mit Radnaben-Motoren samt Anhänger für die Personenbeförderung in Betrieb genommen; er blieb bis 1921 im Einsatz. Einige Tramgarnituren wurden 1915 als Doppelstockwagen in Dienst gestellt, bewährten sich aber nicht. Im selben Jahr wurden Frauen für den Fahrdienst der Straßenbahn zugelassen. Ab 1917 wurden sie – die Männer standen an der Front – auch als Fahrerinnen eingesetzt. Eine Station in der Ausstellung ist der Zeit des Nationalsozialismus gewidmet und jenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die dies, weil sie mit den damaligen Machthabern nicht konform gingen, mit ihrem Leben bezahlten.

Die Geschichte des öffentlichen Verkehrs in Wien hat viele Facetten, das wird in den einzelnen Stationen dieser didaktisch sehr gut aufbereiteten Ausstellung deutlich. 54 in der Remise ausgestellte Fahrzeuge zeigen anschaulich, wie öffentliche Verkehrsmittel zu unterschiedlichen Zeiten das Leben in der Stadt geprägt haben. Darunter auch ein Austro Fiat Postautobus aus dem Jahr 1926 oder auch der Saurer-Linienbus, Type 5GF-ST mit seiner markanten Schnauze. Und auch der Gelenkbus 8084, der samt Fahrer den Einsturz der Wiener Reichsbrücke am 1. August 1976 fast unbeschadet überstanden hat, ist in der Ausstellung zu sehen. Das letzte Ausstellungskapitel ist noch nicht geschrieben: Für 2015 ist eine Erweiterung vorgesehen, die der Zukunft des innerstädtischen Verkehrs gewidmet ist.

Informationen: Verkehrsmuseum Remise
www.wienerlinien.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 42/2014

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