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Leben 13. Oktober 2014

Medizin-Nobelpreis 2014

Warum finden wir nachts im Dunkeln das Bad oder kommen in fremden Gegenden mithilfe des Stadtplans zurecht? Die diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger haben entschlüsselt, welche Prozesse im Gehirn stattfinden, wenn wir uns orientieren.

Die drei Neurowissenschaftler John O’Keefe (USA) und das Ehepaar May-Britt und Edvard Moser (Norwegen) haben sozusagen das „innere GPS“ im Gehirn entdeckt. Im Jahr 1971 hatte John O’Keefe bei Ratten die erste Komponente dieses Navigationssystems gefunden. Dabei sah er, dass spezielle Nervenzellen im Hippocampus aktiviert werden, je nachdem an welchem Ort im Raum sich das Tier befindet. Er schloss daraus, dass diese „Ortszellen“ zahlreiche Landkarten des Raums entwerfen, die dann durch kollektive Aktivität ein Gesamtbild zusammensetzen. Mehr als drei Jahrzehnte später identifizierten May- Britt und Edvard Moser eine andere Schlüsselkomponente des Positionierungssystems: Sogenannte „Gitterzellen“ im entorhinalen Kortex erzeugen ein Koordinatensystem und ermöglichen es, den Aufenthaltsort präzise zu bestimmen und den Weg zu finden. Forschungen in den folgenden Jahren zeigten, wie Orts- und Gitterzellen bei der Orientierung zusammenarbeiten. Mit moderner Bildgebung oder bei neurochirurgischen Eingriffen an Patienten ließ sich nachweisen, dass diese Nervenzellen auch beim Menschen existieren. So sind bei Alzheimer-Patienten Hippocampus und entorhinaler Kortex oft schon in frühen Stadien geschädigt, sodass sie die Orientierung verlieren. Damit haben die Forscher ein Problem gelöst, das Wissenschaftler seit Jahrhunderten beschäftigt: wie wir uns in einer komplexen Umgebung zurechtfinden. Die feierliche Überreichung des Nobelpreises findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

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