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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 8. Oktober 2014

NebenWirkungen: Eine Klinik ist kein Selbstbedienungsladen!

Nach den Mitarbeitern einer Sportartikelfirma werden wohl auch Ärzten künftig die Hosentaschen der Dienstkleidung zugenäht.

Die Aufregung war groß, als ein großes heimisches Sportgeschäft ankündigte, die Diensthosen für die Mitarbeiter ohne Hosentaschen auszuliefern. Dies sollte die Verkäufer daran hindern, spätabends das Geschäft mit Basketbällen, Langlaufskiern oder Hometrainern in den Hosentaschen zu verlassen. Bemerkenswerterweise waren Manager von dieser Regelung ausgenommen, weil die bekanntlich ja nie was mitgehen lassen. Hätte der Betriebsrat nicht gleich mit Liebesentzug und Hungerstreik gedroht, wäre das wahrscheinlich auch durchgegangen.

Dabei ist das Thema der Fladerei im Gesundheitsbereich weitaus brisanter. Die Versuchung für Mediziner mit flexiblen Moralvorstellungen ist groß: Neben Arzneien, die im Bahnhofsviertel horrende Preise erzielen, sind natürlich auch die Goldvorräte einer Zahnklinik interessant, oder das komische radioaktive Zeug aus der Strahlentherapie, für das sich garantiert ein fundamentalistischer Abnehmer findet.

Dass aus den Prosketuren des Landes Leichenteile entwendet werden, kann ethisch noch damit gerechtfertigt werden, dass der Ex-Besitzer nicht mehr ganz so viel Nutzen von einem Stückchen Körper hat. Dass ein Chirurg unauffällig mal die zweite Niere entfernt und sie in den Kittel wandern lässt, ist schon etwas bedenklicher, kommt aber auch nicht ganz so häufig vor. Schon eher passiert es, dass ein Arzt einen Privatpatienten einsteckt und in seiner Ordination wieder auspackt.

Kriminalität beginnt jedoch schon weitaus früher: Wenn sich übermüdete und dehydrierte Ärzte spätabends über eine stehen gelassene Eintropfsuppe eines nach der Operation im tiefen Koma befindlichen Patienten hermachen, so ist das, streng genommen, ebenfalls Diebstahl. Denn vielleicht hat der Patient ja am Tag darauf Appetit auf Eintropfsuppe. Dann darf er sie zwar aus hygienischen Gründen nicht mehr essen, aber das tut nichts zur Sache.

Man kann als Spitalsbetreiber nie wachsam genug sein. Wenn sich Mitarbeiter etwa nach dem Dienst im Krankenhaus statt zu Hause duschen, so kostet dies nicht nur Wasser, sondern, hochgerechnet auf duschende und badende Mitarbeiter, Tonnen von Duschgel und verursacht Milliarden von Haaren im Abfluss. Gleiches gilt für den Papierverbrauch beim „großen Geschäft“ auf der Toilette, das sich die Diensthabenden gefälligst für zu Hause aufheben sollen.

Das Zunähen der Kitteltaschen halte ich daher auch in der Klinik für eine hervorragende Idee, um die bereits jetzt schon bekannt hohe Attraktivität eines Stationsbetriebes noch ein wenig anzuheben. Da Ärzte jedoch, was persönliche Bereicherung betrifft, sehr einfallsreich sind und zudem über ein fundiertes anatomisches Wissen um mögliche Verstecke in Körperöffnungen verfügen, sollte der Portier beim Personal stichprobenartig gründliche Leibesvisitation vornehmen dürfen. Damit kein Turnusarzt mit einer OP-Leuchte im Arsch ungeschoren davonkommt.

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