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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 30. September 2014

NebenWirkungen: Wir waren die Ersten!

Dass wir Österreicher eigentlich immer schon die Ersten waren, ist uns ja schon länger bekannt. Nun ist es offiziell.

Auf der Suche nach alten Knochen muss man nicht unbedingt an einem Montagvormittag eine allgemeinmedizinische Praxis aufsuchen. Es gibt noch weitaus ältere Exemplare, die allerdings nicht mehr am Leben sind. Archäologen haben nun Spuren des modernen Menschen gefunden, die 43.000 Jahre alt sein dürften. Und so lange wartet man nicht einmal in der bestgeführten Praxis.

Die aktuellen Funde belegen, dass die europäische Wiege des modernen Menschen tatsächlich in unserem schönen Land gelegen haben dürfte. Genauer gesagt in der Wachau. Waren es die zahlreichen Heurigen, die unsere Vorfahren dazu bewogen haben, sich dort anzusiedeln, wo gerade „ausg’steckt“ war? Oder der Umstand, dass die Grundstückspreise im Überschwemmungsgebiet entlang der Donau selbst für einen freiberuflichen Steinzeitmenschen im noch leistbaren Bereich lagen? Tatsache ist: Nach heutigem Stand des Wissens waren wir wieder einmal die Ersten. Die Wachau ist Wiege der modernen europäischen Menschen. Die Archäologen hoffen nun, auch kleine Kinderbettchen aus der damaligen Zeit zu finden, denn dann hätte man endlich die Wiege der modernen Wiege. So weit, so uninteressant.

Da anzunehmen ist, dass die damaligen Menschen auch in Gruppen, Sippen oder Kommunen, in denen freie Liebe praktiziert wurde, zusammengelebt haben, ist es wahrscheinlich, dass es auch eine Institution gegeben haben musste, die sich der Gesundheit dieser Menschen widmete. Das bedeutet: Auch die Wiege des modernen Krankenhauses stand in der Wachau! Und dort dürfte man bereits über erstaunliche Techniken verfügt haben. Neue Erkenntnisse zu den Sensationsfunden wiesen darauf hin, dass nicht nur die berühmte „Venus von Willendorf“ ein computertomografisches 3D-Modell für einen geplanten Eingriff zur Brustvergrößerung war, und ich bin überzeugt davon, dass man bald schon auf religiöse Huldigungsstätten stößt, die rund um ein aus Stein nachempfundenes Stethoskop angeordnet sind. Dass viele der heutigen Ärzte auch noch ein Weltbild vertreten, das aus dieser Zeit stammt, ist allerdings eine böse Vermutung.

Um wieder zum Wesentlichen zurückzukommen: Die Welt blickt wieder mal auf das kleine Österreich. Wie sie schon auf uns geblickt hat, als wir die Ersten waren, die aus der Stratosphäre gesprungen, den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske bezwungen (ja, auch Südtirol zählt zu Österreich, zumindest in der Steinzeit) und die Anti-Baby-Pille erfunden haben. Medizinisch werden auch wir nicht müde zu betonen, wie sehr wir in der Weltspitze mitturnen und bei den meisten international durchgeführten Eingriffen in Wahrheit die Ersten waren. Dass die Welt dies nicht ganz so sieht und uns damit brüskiert, dass Herr Pillenerfinder einst aus Österreich vertrieben wurde, Herr Bergsteiger ein Italiener sei, und kein Österreicher, sondern ein Roter Bulle aus dem Weltall gehüpft wäre, ist der Preis, den Pioniere zu zahlen haben.

Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at, Ärzte Woche 40/2014

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