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Leben 22. September 2014

Actionfilme machen dick

Das Ausmaß der Ablenkung ist entscheidend, ob man sich während des Filmsehens überisst.

Fernsehen vermehrt den Speck auf den Rippen, heißt es immer wieder. Doch ob jemand vor der Glotze zunimmt, hängt entscheidend vom Programm ab.

Ob Jason Statham, Bruce Willis oder Arnold Schwarzenegger – auf der Leinwand haben ihre Gegner nichts zu lachen, und auch vor der Glotze kann es brenzlig werden: Dort sollte man solchen Actionstars nicht unbedingt mit einer Tüte Chips begegnen. Denn ehe man sich’s versieht, sind die Chips im Bauch und die Kalorien auf dem Weg zu Taille oder Hüfte.

So ähnlich jedenfalls lassen sich die Ergebnisse einer kleinen Studie von Ernährungsexperten um Aner Tal von der Cornell University in Ithaka, New York, interpretieren. Nachdem Untersuchungen nahelegen, dass viel Fernsehen indirekt dick macht, weil körperliche Inaktivität gepaart mit übermäßigem Konsum von Bier, Chips, Schokolade und Fastfood die Kalorienbilanz aus dem Gleichgewicht bringt, hat sich das Team um Tal die Frage gestellt, ob vielleicht eher das Programm als das Medium selbst dick macht?

Actionfilme versus Talkshows

In einem Experiment wurden 94 Studenten in drei Gruppen aufgeteilt: Eine durfte sich 20 Minuten lang eine Talkshow anschauen, ein weiterer Teil sah ebenso lange einen Teil eines Actionfilms und der dritte Teil schaute denselben Film, aber ohne Ton. Alle Teilnehmer bekamen einen großen Teller mit vier verschiedenen Snacks (Schokolinsen, Kekse, Karotten und Trauben), die vor und nach dem Experiment gewogen wurden. Je nach Gruppe gab es nun drastische Unterschiede: Wer den Actionfilm sah, futterte gewichtsmäßig doppelt so viel wie Zuschauer der Talkshow (207 vs. 104 g) und nahm in den 20 Filmminuten 65 Prozent mehr Kalorien zu sich (354 vs. 216 kcal). In der Gruppe mit Action, aber ohne Ton lagen die Werte in etwa dazwischen. Besonders appetitanregend war der Actionfilm für Männer: Sie konsumierten 250 g, Frauen mit 200 g deutlich weniger. Bei der Talkshow zeigten sich hingegen kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Hochkalorisches wegsperren

Die Autoren vermuten, dass Actionfilme, gekennzeichnet durch schnelle Kameraeinstellungen mit intensiven und abwechslungsreichen Geräuschkulissen, die Zuschauer so in den Bann ziehen, dass sie gar nicht mehr bemerken, wann sie genug gegessen haben. Völlig abgelenkt essen sie mechanisch einfach weiter. Wird der Ton abgestellt, ist der Effekt zwar immer noch messbar, aber schwächer. Die Experten glauben, dass das Ausmaß der Ablenkung entscheidend ist für die Gefahr, sich beim Film zu überessen. Daher raten sie dringend, Hochkalorisches gut wegzusperren oder sich zumindest die Menge an Snacks, die man essen will, schon vor dem Einschalten einzuteilen. Es sollte dann nicht mehr auf dem Tisch stehen, als gut für den Körper ist.

 

Der Artikel basiert auf: Tal A et al. JAMA Internal Medicine 2014

springermedizin.de, Ärzte Woche 38/2014

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