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Leben 5. September 2014

NebenWirkungen: Neuer Klassenvorstand

Nun wurde also die neue Gesundheitsministerin angelobt. Die Hoffnungen sind groß, dass nun endlich etwas für die eigene Zunft getan wird.

Es geht immer ein Raunen durch die medizinische Community, wenn ein Wechsel der politischen Zuständigkeiten erfolgt. Da gibt es eine Neue in der Chefetage. Kennt die wer? Hat da jemand Kontakte. Weiß jemand Bescheid darüber, ob sie streng ist oder viele Hausaufgaben gibt? Im Routinebetrieb wird da wohl kaum etwas zu merken sein, ob nun ein Herr Stöger oder eine Frau Oberhauser am Ruder ist, und die Infusionslösungen tropfen ungeachtet der wechselnden Regimes in die Venen der Patienten.

Aber vielleicht findet man nun endlich an höchster politischer Stelle Gehör für die schon so oft dargebrachten Anliegen seines Faches. Und derer gibt es eine Reihe: Lungenfachärzte begrüßen das geplante absolute Rauchverbot in Gaststätten, wollen dies jedoch auf ein generelles Rauchverbot für aktive Vulkane ausdehnen. Pathologen wünschen sich, diese hübschen Blaulichter auf ihre Autos montieren zu dürfen, um rascher zum Patienten zu kommen. Hautärzte fordern die Abschaffung der Sonne. Radiologen hoffen nun auf ein landesweites Screening zur Entdeckung des Fersensporns. Die Urologen verlangen, dass die begehbare Prostata als offizielles Wahrzeichen Österreichs anerkannt wird. Eine kleine Gruppe nikotinabhängiger Anästhesisten ist an der Einrichtung von Raucher-OPs interessiert, da sich sonst die Zeitung so ungemütlich liest. Internisten urgieren die Zeile „Land der Gastroenterologinnen und Gastroenterologen“ in die Bundeshymne. Komplementärmediziner hoffen darauf, dass sie endlich nicht mehr mit Papierkügelchen aus der letzten Reihe beworfen werden. Proktologen möchten endlich die ihnen zustehende Zulage für die Arbeit im Untertagebau. Pädiater hätten gerne ein paar Millionen von diesen Grippeschutzmasken, die die damalige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat bestellt hat, zum Spielen für die Kinder im Wartezimmer. Gynäkologen möchten bei der Behandlung von Schwangeren mit zwei E-Cards abrechnen dürfen, da sie ja schließlich auch zwei Personen betreuen. Chirurgen möchten bei jeder DFP-Fortbildung auch „Miles & More“-Bonuspunkte sammeln. Psychiater verweigern die Speicherung psychiatrischer Diagnosen in der ELGA-Datenbank, wenn man ihnen nicht erklärt, wie es semantisch möglich ist, eine geschlossene Abteilung zu schließen. Zahnmediziner wünschen die militärische Annektierung von Sopron und die Allgemeinmediziner freuen sich, wenn man sie wenigstens nett anlächelt.

Fächerübergreifend fordert man eine Aufwertung des eigenen sowie eine Abwertung der anderen Fachgebiete. Das sollte eigentlich alles zu schaffen sein, liebe Frau Kollegin, viel Spaß dabei!

Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at, Ärzte Woche 37/2014

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